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Kleine Weinkunde I

Rot oder weiß, trocken oder lieblich?
Sie haben ein wichtiges Geschäftsessen in einem edlen Restaurant. Wie es sich gehört, bringt der Ober die Weinkarte. Und die ist lang. Klar, ob weiß oder rot ist die Grundentscheidung. Aber welcher Wein aus der langen Liste ist nun wirklich gut? Welcher passt zum Essen und zum Anlass?

Am Einfachsten können Sie sich aus der Affäre ziehen, wenn Sie den Kellner (in feinen Restaurants den Sommelier) um eine Empfehlung bitten. Aber ob er Ihren Geschmack trifft?

Schließlich wird der Wein serviert und der obligatorische Probiertropfen eingeschenkt. Korkt er oder nicht? Das können Sie noch feststellen. Aber ist er seinen Preis wert? Was zeichnet einen guten Wein aus?

Restaurants bieten meistens deutsche, französische, italienische, spanische und seit einiger Zeit auch immer öfter australische, kalifornische, südafrikanische und chilenische Weine an. Weil aber jedes Land seine Besonderheiten beim Weinanbau hat, werden wir uns als Einstieg in die Welt des Weines erst einmal auf die heimischen Weine beschränken.

Lage, Jahrgang, Erzeuger

Eigentlich ist es gar nicht so schwer, denn schon wenige Angaben auf der Karte und erst recht die auf dem Etikett verzeichneten Informationen verraten viel über unseren beliebten Rebensaft.

So gibt es zum Beispiel verschiedene Qualitätsstufen. Der einfachste Wein ist der Landwein, dann folgen der Tafel- und der Qualitätswein (QbA) und schließlich der Qualitätswein mit Prädikat.

Diesen gibt es als Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein. Einfach gesagt, werden die Trauben zeitversetzt in Reihenfolge der Aufzählung geerntet – und je später sie geerntet werden, um so teurer ist der Wein. Trotzdem ist eine Trockenbeerenauslese nicht jedermanns Geschmack – denn dieser Wein ist schwer und schmeckt eher „süß“.
 
















Auch die auf dem Etikett verzeichnete amtliche Prüfnummer bescheinigt einen guten Wein. Weitere informative Angaben sind der Alkoholgehalt (zwischen neun und 14 Prozent) und der Name des Erzeugers und der Herkunftsregion, die ebenfalls Rückschlüsse auf die Qualität zulassen. Weine mit hohem Alkoholgehalt schmecken meistens voller als die mit geringerem, denn Alkohol ist ein guter Geschmacksträger.

Die Rebsorte, die den Geschmack natürlich maßgeblich prägt, darf nur dann angegeben sein, wenn mindestens 85 Prozent der Trauben auch aus dieser Sorte sind, ebenso wie der Jahrgang, der nur auf dem Etikett vermerkt sein darf, wenn 85 Prozent des Weines aus der jeweiligen Ernte stammen. Ist ein Wein aus mehreren Rebsorten gemischt, spricht man von Cuvée. Barrique wird im Eichenfass ausgebaut – was einen typischen, kräftigen Geschmack erzeugt.
 
Nicht zuletzt sagt auch der Jahrgang etwas über die Qualität des Weines aus: Je sonnenreicher der Herbst war, um so besser wird der Wein. Das Jahr 1959 war zum Beispiel ein berühmter „großer Jahrgang“. Manche guten Weine entfalten ihren vollen Geschmack erst nach längerer – fachgerechter – Lagerung. Einfache Tafelweine sollte man hingegen lieber im ersten Jahr nach der Abfüllung trinken.

Zum Wohl

Damit der Wein nichts von seinem Bouquet und Geschmack verliert, muss er in der richtigen Temperatur serviert werden. Weißwein und Rosé schmecken am besten bei acht bis zwölf Grad, Rotwein dagegen bei 14 bis 19 Grad.

Beim Öffnen ist es wichtig, dass der Kellner zuerst die Alukapsel löst, den Flaschenhals abwischt und erst dann den Wein entkorkt. Ausgeschenkt wird Wein in tulpenförmige Gläser, da er durch deren verengten Rand am längsten sein Bouquet behält. Dieses entfaltet sich besonders gut, wenn der Wein im Glas geschwenkt wird – und deshalb schenkt der Kenner es nur halb voll.

Wenn Sie kleine Kristalle am Flaschenboden entdecken, ist das kein Grund zur Reklamation. Weinstein hat nichts mit einer schlechteren Qualität zu tun. Er entsteht, wenn sich die Mineralien sehr reifer – und damit guter – Trauben mit Weinsäure vermischen.

Und was ist gemeint, wenn Ihr Tischnachbar von einem langen Abgang spricht? Dann meint er den positiven Geschmackseindruck beim Schlucken eines edlen Tropfens. Ansonsten: lassen Sie sich nicht zu sehr beeindrucken, wenn er Himbeeren, Erdbeeren oder sogar Bananen herausschmeckt und Sie das gar nicht nachvollziehen können. Es kann nicht jeder Fachmann sein. Und: Wie bereits anfangs gesagt: nicht jeder, der sich als Weinkenner ausgibt, ist auch einer – manche lieben einfach die gute Show.



Bildquelle: photocase.de