„Kennst du vielleicht jemanden?“
Wo man auch hinhört: Hier werden Stellen abgebaut, dort Arbeitsplätze
ins Ausland verlagert – die Stimmung auf dem Arbeitsmarkt ist alles
andere als rosig. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, wenn man auf
der Suche nach einem neuen Job ist. Auch ein Blick in den mageren
Stellenteil der Tageszeitung wirkt sich oft eher frustrierend als
motivierend aus.
Trotzdem heißt das noch lange nicht, dass es keine Arbeit für Sie gibt.
Ein Großteil der Stellen wird nämlich nicht öffentlich ausgeschrieben,
sondern unter der Hand vermittelt. Warum? Stellenanzeigen in großen
Tageszeitungen sind ziemlich teuer. Und die Flut der eingegangenen
Bewerbungen zu sichten, die aussortierten zurückzusenden sowie eine
Auswahl von Kandidaten einzuladen und mit ihnen Gespräche zu führen ist
zeitaufwändig. Oft wird aber die neue Arbeitskraft kurzfristig benötigt,
weil beispielsweise ein großes Projekt ansteht oder eine Mitarbeiterin
wegen Krankheit oder Schwangerschaft ausfällt. Viele Personalchefs
setzen deshalb lieber auf die Empfehlung eines Bekannten oder Kollegen:
„Ich hab da einen Bekannten, mit dem ich schon zusammengearbeitet habe –
der ist wirklich gut.“ Sie verlassen sich auf diesen vertrauensvollen
Hinweis aus gutem Grund. Schließlich kennt der Ratgeber sowohl das
Unternehmen als auch den Kandidaten; er kann also einschätzen, ob dessen
Profil zur ausgeschriebenen Stelle passt.
Wie bekommt man Zutritt zu diesem geheimen Stellenmarkt? Wir haben Ihnen
einige Tipps zusammengestellt.
Man sieht sich bekanntlich immer zweimal im Leben
Nicht, dass Sie jetzt auf die Idee kommen, jeden neuen Kontakt nur im
Hinblick auf seine potenzielle Job-Verwertbarkeit einzustufen. Mit dem
neudeutschen Wort „Networking“ ist zwar nach wie vor das Knüpfen von
Kontakten gemeint, trotzdem sollten Sie Ihren Bekanntenkreis nicht nur
mit dem Hintergedanken an ein lukratives Jobangebot erweitern.
Freundschaften sind wichtig – in guten und in schlechten Zeiten. Schon
aus diesem Grund sollte man sich nicht zu Hause verkriechen. Freuen Sie
sich über jeden interessanten Kontakt, den Sie knüpfen können – ob bei
privaten Einladungen oder auf Kongressen, Vorträgen oder Tagungen. Es
könnte eine Freundschaft daraus entstehen – und/oder ein Kontakt, der
Ihnen beruflich weiterhilft. Sie werden sehen, mit der Zeit lohnt es
sich, die Namen, Adressen und Telefonnummern in einer Kartei
systematisch zusammenzutragen. Diese kann Ihnen dann auch im Fall der
Fälle helfen – nämlich, wenn Sie einen neuen Job suchen. Vielleicht weiß
gerade Ihr neuer Bekannter von der Fachmesse, ob in seiner Firma eine
interessante Stelle frei ist oder er kann Ihnen Ansprechpartner aus
anderen Unternehmen nennen, mit denen er geschäftlichen Kontakt hält.
Informelle Bewerbungsgespräche
Der Vorteil: Ihr persönlicher Draht – also Ihr Bekannter – kann Ihnen
Insiderwissen liefern. Er weiß, wie der Chef „tickt“ und worauf er Wert
legt. Er ist darüber informiert – oder kann sich intern erkundigen –
worauf es bei der zu besetzenden Stelle ankommt. Er kennt vielleicht
sogar die Stärken und Schwächen der bisherigen Stelleninhaberin. Über
dieses Wissen verfügen „normale“ Bewerber nicht – und diesen Vorsprung
sollten Sie dann beim eigentlichen Bewerbungsgespräch zu nutzen wissen.
Und – das wäre natürlich ein ganz großer Vorteil – vielleicht ist Ihr
Bekannter sogar bereit, Sie bei seinem Chef als besonders geeignete
Kandidatin bzw. geeigneter Kandidat zu empfehlen.
Noch besser ist es natürlich, wenn Ihr Bekannter selbst über die
Besetzung der Stelle zu entscheiden hat. Denn dann können Sie in einer
Art informellem Vorstellungsgespräch erst einmal vorfühlen. Und da Sie
sich ja nicht offiziell beworben haben, können Sie die Sache locker
angehen lassen. Auch Ihr Gesprächspartner muss erst einmal keine
Entscheidung treffen. Stellen Sie Ihrem potenziellen Arbeitgeber in Ruhe
Fragen und machen Sie deutlich, was Sie zu bieten haben.
Neue Herausforderung annehmen
Bekommen Sie nach dem informellen Bewerbungsgespräch tatsächlich eine
Stelle angeboten, dann sollten Sie diese auch annehmen. Selbst wenn Sie
sich unter Umständen mehr erhofft haben – stellen Sie Ihre Kompetenzen
und Fähigkeiten unter Beweis, denn innerhalb der Firma können Sie später
schließlich auch aufsteigen.
Die Sache mit dem Kontakteknüpfen hat sich auch dann noch lange nicht
erledigt. Halten Sie einfach die Augen offen und nehmen Sie neue
Herausforderungen an. Wann immer Sie näheren Kontakt mit Kollegen
höherer Hierarchiestufen, auch aus anderen Abteilungen, knüpfen können –
tun Sie es. Je besser man Sie kennt, um so größer sind die Chancen, dass
Sie es sind, der/dem man eine neue Stelle intern anbietet – und auf eine
öffentliche Ausschreibung verzichtet.
Bildquelle: snygo.com