Meier, Müller, Schulze – wie hieß der bloß?Sie stehen Schlange in der Kantine. Ein Stück vor Ihnen wartet der
Kollege aus dem Einkauf, mit dem Sie vor kurzem auf der Betriebsfeier
noch freundschaftlich auf das Du angestoßen haben. Eigentlich würden Sie
ihn jetzt ansprechen – doch der Vorname ist einfach weg. Und nachfragen
wäre mehr als peinlich.
Ihnen wird jemand vorgestellt, Sie unterhalten sich gut mit ihm, fragen
noch mal nach seinem Namen, weil Sie ihn natürlich prompt sofort
vergessen haben – und eine halbe Stunde später ist er schon wieder aus
Ihrem Gedächtnis verschwunden. Ein zweites Mal fragen? Unmöglich!
Noch schlimmer sind solche Situationen natürlich, wenn es um Neukunden
oder Geschäftspartner geht. Schließlich können wir in wichtigen
Besprechungen oder bei Akquiseterminen kaum zugeben, dass wir den Namen
unseres Gegenübers nicht mehr wissen. Warum können wir Namen eigentlich
so schwer behalten? Und wie kann man das ändern?
„Namen sind Schall und Rauch…“
…und deshalb vergessen wir Sie so oft. Abgesehen davon, dass manche
Namen kompliziert sind und viele Menschen so undeutlich sprechen, dass
man nur die Hälfte versteht, sind wir mit vielen anderen Dingen
beschäftigt, wenn uns jemand vorgestellt wird: Vielleicht sind wir
nervös, weil von dem Gespräch viel abhängt. Vielleicht lenkt uns die
neue Umgebung ab. Vielleicht stehen noch viele andere Personen im Kreis,
die wir alle nicht kennen. Und: wir schauen uns unser unbekanntes
Gegenüber genau an, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Kurz und gut:
Wir haben viele neue Eindrücke zu bewältigen und können uns nicht
ausschließlich darauf konzentrieren, den Namen auswendig zu lernen. Und
da gerade im geschäftlichen Umfeld Namen immer auch gemeinsam mit
Aufgaben oder anderen Zusatzinformationen kommuniziert werden,
konzentrieren wir uns dementsprechend auf den wichtigen Teil einer
Vorstellung – zu dem wir den Namen nicht rechnen.
Eine typische Situation: das Telefonat mit einem neuen Kunden:
„Siegfried Meier, Marketing, ich habe folgendes Problem…“ Unsere
Reaktion ist klar: Wir denken sofort über die gestellte Aufgabe nach,
wägen Lösungen ab und überlegen, wie wir unsere Vorschläge am besten an
den Mann bringen können – und schon ist der Name vergessen.
Auf Veranstaltungen, Messen oder Empfängen wird es noch komplizierter.
Wir treffen auf viele uns unbekannte Personen und bekommen ungeheuer
viele Informationen – die unser Gehirn alle verarbeiten muss.
Schwierig wird es auch, wenn uns Gesichter in einem völlig anderen
Kontext wieder begegnen, als den, in dem wir sie kennen gelernt haben.
So zum Beispiel, wenn Sie einen Kunden plötzlich an der Supermarktkasse
wieder treffen. Unser Gehirn assoziiert dann den Lebensraum „Privat“ –
und dazu hat es natürlich keinen Namen vorrätig.
Nomen est Omen
Die einfachste Möglichkeit, sich Namen zu merken, ist natürlich, sie
sofort – gemeinsam mit einigen Stichworten – aufzuschreiben. Leider geht
das nicht immer – aber öfter, als man denkt. Am Telefon ist es gar kein
Problem. Und in Meetings auch nicht. Malen Sie auf einen Notizzettel die
Form des Besprechungstisches und schreiben Sie an die entsprechenden
Positionen gleich bei der Vorstellungsrunde die Namen derer, die dort
sitzen. Notieren Sie ein wichtiges Merkmal dazu (Bart, Brille mit
Goldrand, lange blonde Haare). Dann haben Sie kein Problem, die Namen
auch dann den Personen zuzuordnen, wenn zum Beispiel nach der Pause die
Plätze gewechselt werden. Und wenn die Situation es nicht erlaubt, dass
Sie sich etwas notieren? Dann stellen Sie sich den Namen wenigstens
geschrieben vor. Das ist – fast – genauso effektiv, wie ihn wirklich
aufzuschreiben.
Wenn Sie einen Namen bei der Vorstellung nicht verstehen, dann fragen
Sie immer sofort nach.
Eselsbrücken machen das Lernen leichter. Bei exotischen Namen bietet es
sich beispielsweise an, nach der Bedeutung zu fragen. Bei „normalen“
Namen helfen andere Gedankenstützen: Frau Schwarz ist blond, Herr Weber
heißt wie ein alter Schulfreund, Frau Gernhardt ist nett: Man muss sie
gern haben, weil sie gar nicht hart ist. Aber Achtung: Wenn Sie sich
Frau Stallor immer als Stalltor merken, kann es passieren, dass Sie sie
irgendwann auch so ansprechen. Und auch bei Herrn Ritten sollten Sie
eher an den galanten Ritter denken, als ausgerechnet den ersten
Buchstaben seines Namens als Eselsbrücke auszutauschen.
Es kann auch durchaus nützlich sein, sich einen Namen buchstabieren zu
lassen. Eigentlich hilft alles weiter, was den flüchtigen Augenblick der
Namensnennung verlängert – denn dann flattert er nicht einfach davon,
sondern verankert sich in Ihrem Gedächtnis.