„Ich glaub’, der spricht chinesisch“Andere Länder, andere Sitten – mit Sicherheit ist uns allen dieses
Sprichwort bekannt. Wie zutreffend die Aussage tatsächlich ist, wird uns
allerdings oft erst dann bewusst, wenn wir uns tatsächlich im Ausland
befinden – oder das Verhalten von ausländischen Besuchern zu
interpretieren versuchen. Wenn wir mit Kultur und Menschen nicht
vertraut sind, wirken viele Bräuche und Verhaltensweisen erst einmal
befremdlich – auch, und vielleicht sogar besonders, in China. Damit Sie
die Gepflogenheiten aus dem Reich der Mitte besser verstehen können und
nicht ungewollt in Fettnäpfchen treten, haben wir hier die wichtigsten
kulturellen Unterschiede sowie hilfreiche Tipps als kleinen Ratgeber
zusammengefasst.
Der Leise hat eine starke Stimme
Prägen Sie sich diese chinesische Weisheit unbedingt ein! Vor allem bei
ersten Begegnungen ist höfliche Zurückhaltung empfehlenswert. Strecken
Sie Ihrem Gegenüber nie sofort die Hand zur Begrüßung entgegen! Mit
einer leichten Verbeugung liegen Sie immer richtig. Zwar ist in
Großstädten, vorzugsweise in Hongkong, mittlerweile auch die westliche
Begrüßungsform des Händedrucks bekannt, allerdings sollten Sie diesen
nicht zu stark erwidern. Das wird von Chinesen als unangenehm und
aufdringlich empfunden. Das Gleiche gilt übrigens auch für einen festen
Blick in die Augen des Gegenübers.
Dafür schätzen es Chinesen sehr, wenn Sie einige Sätze in ihrer Sprache
sprechen können. Chinesen sind übrigens sehr förmlich und legen großen
Wert auf die Anrede mit vollem Titel. Und: Üben Sie während eines
Gesprächs niemals Kritik an der chinesischen Regierung und vermeiden Sie
auch möglichst das heikle Taiwan-Thema.
Sind Sie geschäftlich in China unterwegs, werden über kurz oder lang
Visitenkarten ausgetauscht. Doch selbst dabei kann Ihnen schnell ein
Fehler unterlaufen! Als Zeichen des Respekts überreichen Sie Ihre
Visitenkarte immer mit beiden Händen, die Schrift ist dabei Ihrem
Geschäftspartner zugewandt. Auf die gleiche Weise nehmen Sie auch eine
Visitenkarte entgegen. Kritzeln Sie auf keinen Fall etwas darauf und
stopfen Sie sie auch nicht sofort in Ihre Hosentasche. Denn damit
drücken Sie ungewollt Missachtung aus. Betrachten und studieren Sie sie
vielmehr interessiert.
In der Familie sei sparsam, doch Gästen gib reichlich
Jeder, der bereits im Reich der Mitte zum Essen eingeladen wurde, wird
dieses chinesische Sprichwort nur bestätigen. Wenn Ihnen selbst diese
Ehre zuteil wird, dann machen Sie sich darauf gefasst, dass Ihre
Gastgeber die für Sie exotischen Gerichte in üppigen Mengen auftragen
werden. Greifen Sie zu – es ist höflich, von allem zu kosten. Essen Sie
jedoch Ihren Teller nie ganz leer! Chinesen drücken ihren Wohlstand aus,
indem sie mit Nahrungsmitteln großzügig umgehen. Folglich ist es eine
Blamage für den Gastgeber, wenn seine Gäste alles aufessen. Denn das
bedeutet für ihn, dass er nicht genügend angeboten hat.
Ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang sind auch die Tischsitten.
Verlieren Sie nicht die Fassung, wenn Ihre chinesischen Freunde während
des Essens laut aufstoßen, schmatzen, schlürfen, rauchen oder sich gar
die Zähne säubern. Auch mit vollem Mund zu sprechen oder unverdauliche
Speisereste einfach auf dem Tisch abzulegen, ist in China keineswegs
ungewöhnlich. Allerdings sollten Sie es vermeiden, sich am Tisch die
Nase zu putzen, suchen Sie für diesen Zweck lieber die Toilette auf. Und
bitte stecken Sie auf keinen Fall die Stäbchen in den Reis! Auf diese
Weise werden den Toten Opfer dargeboten und Ihre Geste könnte somit als
Gotteslästerung interpretiert werden.
Auf Pünktlichkeit legt man in China großen Wert. Das gilt auch für
Geschäftsessen. Wurden Sie von Ihrem Bekannten nach Hause eingeladen?
Dann erscheinen Sie am besten sogar ein bisschen zu früh und bieten Sie
dem Gastgeber an, bei den letzten Vorbereitungen behilflich zu sein.
Wussten Sie schon, dass Chinesen das gemeinsame Essen vor allem als
Gelegenheit ansehen, einander besser kennen zu lernen? Reden Sie deshalb
nicht ständig nur über Geschäftliches. Erkundigen Sie sich ruhig nach
der Familie oder dem letzten Urlaub. Das zeigt Ihren Gastgebern, dass
Sie als Europäer nicht immer nur ans Geschäft denken.
Geduld ist der Schlüssel zur Freude
Nehmen Sie sich diese Weisheit ganz besonders zu Herzen, wenn Sie mit
chinesischen Geschäftspartnern in Verhandlungen stehen. Im Gegensatz zu
uns Deutschen verhandeln diese nämlich am liebsten lange. Machen Sie
sich also darauf gefasst, dass Sie viel Zeit und Geduld investieren
müssen. Selbst ein Vertragsabschluss ist für Chinesen keine endgültige
Vereinbarung. Es können trotzdem immer wieder Änderungswünsche oder
Neuvorschläge kommen.
Wer das Lernen liebt, der ist dem Wissen nahe
Deshalb noch ein paar nützliche Hinweise: Beachten Sie unbedingt, dass
das Fotografieren bestimmter Sehenswürdigkeiten oftmals nur gegen eine
Gebühr erlaubt oder teilweise sogar ganz verboten ist.
Haben Sie Streit mit einem Chinesen? Dann unterlassen Sie lautes
Schreien oder Schimpfen – nichts ist für Chinesen peinlicher. Bewahren
Sie Ihre Fassung und halten Sie in ruhigem Ton an Ihrer Meinung fest.
Kleine Gastgeschenke erhalten die Freundschaft! Wählen Sie am besten
rotes Geschenkpapier, denn Rot ist die Farbe des Glücks.
Nun kann Ihrem gelungenen Aufenthalt im Reich der Mitte eigentlich
nichts mehr im Wege stehen!
Bildquelle: snygo.com