ISO, DIN, EMAS & Co
Ob blauer Engel, Gütesiegel des ökologischen Landbaus oder TÜV-Plakette:
Zertifikate bewerten, bieten eine Grundlage für Vergleiche und sind
somit eine Entscheidungshilfe. Manche – wie die oben genannten zum
Beispiel – kennen wir und können deshalb deren Bedeutung einschätzen.
Andere sind uns neu. Wir wissen nicht, was sich hinter ihnen verbirgt
und entsprechend helfen sie uns nicht weiter.
Doch nicht nur für Produkte, auch für Unternehmen gibt es bewertende
Siegel und Zertifizierungen. Manche sind eher exotisch, andere gewinnen
auch für kleine oder mittlere Unternehmen immer mehr an Bedeutung.
Warum das so ist, werden wir im Folgenden erläutern. Wir stellen die
wichtigsten Zertifizierungen vor und erklären, was sich hinter den
Ziffern und Bezeichnungen eigentlich verbirgt.
DIN EN ISO 9000, 9001 und 9004
Die Normenreihe DIN ISO 9000 bezeichnet ein Qualitätsmanagementsystem
(QMS). Sie kann Unternehmern, die ein derartiges System einführen
möchten, als Handlungshilfe dienen. Unabhängige Gutachter überprüfen in
regelmäßigen Abständen, ob das QMS funktioniert und verleihen ggf. ein
Zertifikat. Wer ein solches Zertifikat vorweisen kann, macht also
deutlich, dass Qualität in seinem Betrieb nicht dem Zufall überlassen
bleibt, sondern dass genaue Handlungsanweisungen und Richtlinien ein
gleichbleibendes Niveau der Produkte oder Dienstleistungen gewährleisten.
Wie kann man den Begriff Qualität definieren? In der Norm DIN EN ISO
9000 werden Grundlagen festgelegt und Begriffe definiert. Der
Qualitätsbegriff wird hier folgendermaßen erläutert: „Qualität ist die
Gesamtheit von Merkmalen einer Betrachtungseinheit bezüglich ihrer
Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen." Das
heißt: Es kommt nicht auf die technische Raffinesse an, sondern darauf,
ob das Produkt den Anforderungen und Wünschen der Kunden entspricht.
Auch einfache und preisgünstige Produkte können eine hohe Qualität
aufweisen.
DIN EN ISO 9001 ist die „Darlegungsnorm“. Sie legt fest, welche
Anforderungen ein QMS erfüllen muss. Und danach wird das Zertifikat
erteilt.
DIN EN ISO 9004 ist wie DIN EN ISO 9000 eine unterstützende Norm. Sie
bietet einen Leitfaden zur Qualitätsverbesserung.
Wenn in einem Unternehmen nach diesen Normen gearbeitet wird, wird jeder
einzelne Arbeitsschritt auf die Leistungsauswirkungen ausgerichtet,
dokumentiert und kontrolliert. Wenn dann doch mal etwas schief geht,
wird das nicht erst bei der Endkontrolle entdeckt, sondern gleich dort,
wo die Panne passiert ist.
Das QM-Zertifikat garantiert Kunden also, dass Produkte mit
gleichbleibender, geprüfter Qualität geliefert werden.
DIN EN ISO 14001
Die Norm DIN EN ISO 14001 bezeichnet ein Umweltmanagementsystem (UMS).
Mit diesem Instrument kann man sein Unternehmen auf eine möglichst
geringe Umweltbelastung ausrichten. Der Prozess gliedert sich in fünf
Schritte:
Am Anfang steht ein klares Bekenntnis zur Umweltverantwortung des
Unternehmens. Man verpflichtet sich, bestehende Gesetze und Vorschriften
einzuhalten – was eigentlich selbstverständlich sein müsste –,
Umweltbelastungen so weit als möglich zu vermeiden und sie immer weiter
zu reduzieren.
Das Unternehmen wird im Hinblick auf die umweltrelevanten Aspekte
analysiert, dann werden konkrete Ziele definiert und ein entsprechendes
Programm erstellt.
Schließlich werden Verantwortlichkeiten und Befugnisse festgelegt, die
es erlauben, das erstellte Programm auch auszuführen. Außerdem muss
gewährleistet sein, dass alle Mitarbeiter entsprechend informiert sind.
Während des ganzen Prozesses wird regelmäßig überprüft und kontrolliert,
ob alles wie geplant vonstatten geht oder ob das Erreichen der
festgelegten Ziele in Frage steht.
Werden Abweichungen festgestellt, müssen entsprechende Korrekturen
vorgenommen werden. Das UMS beinhaltet die Verpflichtung zur ständigen
Verbesserung – und das bedeutet, dass man sich nicht auf seinen
Lorbeeren ausruhen darf, sondern sich kontinuierlich immer neue Ziele
setzt und an deren Erreichung arbeitet.
ISO 14001 legt die Anforderungen an das UMS fest und schreibt vor,
welche Elemente darin enthalten sein müssen. Nur wenn die
vorgeschriebenen Standards eingehalten werden, wird das Zertifikat
verliehen – und das eben ermöglicht die Bewertung und Vergleichbarkeit,
die wir einleitend erläutert haben. In ihrem Kern ist die Norm also ein
Instrument unternehmerischer Selbstkontrolle. Sie legt eine Grundlage
für den Nachweis nach außen und schreibt die Förderung des
Umweltschutzes als übergeordnetes Unternehmensziel fest. Akkreditierte
Gesellschaften überprüfen, ob alle Anforderungen erfüllt sind und
erteilen dann das Zertifikat, das alle drei Jahre erneuert werden muss.
EG-Öko-Audit-Verordnung
Auch die EG-Öko-Audit-Verordnung – EMAS – verlangt die Einführung eines
Umweltmanagementsystems. Neben der Erarbeitung eines Umweltprogramms,
das die Maßnahmen festlegt, mittels denen man die gesetzten Ziele
erreichen will, fordert EMAS zusätzlich die Anfertigung einer
Umwelterklärung und eines Umwelthandbuchs, in dem die
Organisationsstruktur und Verantwortlichkeiten bestimmt werden.
Ein unabhängiger Sachverständiger begutachtet dann regelmäßig, ob alle
gesetzlichen Auflagen sowie die im Programm und Handbuch formulierten
Punkte eingehalten werden. Sind alle Anforderungen erfüllt, wird das
Unternehmen zertifiziert. Auch hier handelt es sich – wie bei den
anderen Normen – um einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Das
heißt: Alle drei Jahre wird erneut geprüft und die Zertifizierung nur
dann erneuert, wenn alle Anforderungen erfüllt sind.
Die meisten Verbraucher setzen die Zertifikate mit der
Umweltfreundlichkeit eines Unternehmens gleich. Das ist eigentlich
falsch. Denn sie sagen nichts darüber aus, ob ein Unternehmen wirklich
umweltschonend agiert – sondern lediglich, dass es seine Umweltbelastung
reduzieren möchte. Sowohl ein ökologisch vorbildlicher Betrieb, als auch
eine „Dreckschleuder“ können also das Zertifikat erhalten, wenn sie ein
UMS implantieren und sich Ziele zur Verbesserung setzen.
Nur Arbeit, kein Lohn?
Warum soll man sich als Unternehmen die ganze Mühe machen? Nur, damit
man sich die Urkunde an die Wand hängen oder das Emblem auf Briefbögen
oder Broschüren drucken kann?
Die Einführung von Qualitäts- und Umweltmanagementsystemen sollte man
nicht als lästiges Übel betrachten – als Prozess, den man aus
kosmetischen Gründen einrichtet, weil die Kunden es eben verlangen. Wer
seinen Betrieb nach diesen Systemen umstrukturiert, kann vielmehr
Schwachstellen aufdecken, die Qualität seiner Leistungen verbessern,
Energie und Material sparen und damit Kosten reduzieren. Hinzu kommt,
dass immer mehr Kunden Unternehmen bevorzugen, die darauf achten, die
natürlichen Ressourcen zu schonen.
Erst einmal kostet das Ganze aber Zeit und Geld. Man braucht
Arbeitszeitkapazitäten und einen Etat – beides ist in den wenigsten
kleinen Unternehmen vorhanden.
In manchen Bundesländern gibt’s für die Einführung eines QMS Zuschüsse.
Und noch ein Tipp: Stellen Sie nicht einen Ihrer Mitarbeiter dafür frei,
dessen eigentliche Aufgaben dann liegen bleiben müssen, sondern betrauen
Sie einen Studenten mit der Aufgabe. Der freut sich über ein gutes
Diplomarbeitsthema – und Sie sparen eine Menge Kosten.
Übrigens kann ein QMS auch nützlich sein, wenn Sie sich bei Ihrer Bank
um einen Kredit bemühen müssen. Die neue Eigenkapitalvereinbarung der
europäischen Kreditinstitute, Basel II, bestimmt, dass ab 2006
Unternehmen vor der Kreditvergabe ein Rating durchlaufen müssen. Hier
werden neben den Finanzen auch die Strukturen des Betriebes gewertet –
und da ist im Vorteil, wer ein Qualitätsmanagementsystem eingeführt hat.
Wo gibt’s Hilfestellungen?
Kleine Betriebe verfügen in der Regel nicht über Mitarbeiter, die Zeit
dafür hätten, sich ständig zum Thema Normen auf dem Laufenden zu halten.
Hier finden Sie einige Tipps, wo Sie sich informieren können:
Das Deutsche Informationszentrum für technische Regeln berät unter der
Telefonnummer 0190 - 88 26 00. Sie können Ihre Fragen aber auch per Fax
stellen, die Nummer: 030 / 262 81 25. Einfache Anfragen werden gratis
beantwortet, umfangreichere nach Erstellung eines Angebots.
Das DITR verfügt außerdem über eine Datenbank, die Sie auch online –
allerdings kostenpflichtig – nutzen können, z.B. über
www.fiz-technik.de .
www.beuth.de liefert ein Verzeichnis
aller DIN-Normen-Auslegestellen mit Adressen, bei denen man sich gratis
über den Inhalt von Normen informieren kann. Die benötigten Dokumente
kann man online bestellen. Außerdem kann man auf der Homepage kostenlos
nach DIN- und ISO-Normen recherchieren.
Auch bei
www.newapproach.org
können Sie thematisch nach Normen suchen – allerdings auf englisch.
Das europäische Büro des Handwerks für die Normung (
NORMAPME ) will kleine und mittlere Unternehmen im europäischen
Normungsprozess helfen. Auf seinen Internetseiten finden Sie eine
Zusammenstellung der wichtigsten europäischen Normen.
Auch bei
www.handwerk.de gibt’s
interessante Infos zum Thema Qualitäts- oder Umweltmanagementsysteme,
wenn Sie die entsprechenden Stichworte im Suche-Button eingeben.
Euro Info Centres (EIC) beraten kleine
und mittlere Unternehmen in allen EU-Angelegenheiten.