Provokationen sind wie ein Spiel!
So lästig Provokationen sind – im Grunde sind sie einfach ein Mittel, um
sein Gegenüber zu verunsichern und aus dem Konzept zu bringen.
Es gibt viele verschiedene Arten, wie man einen Menschen provozieren
kann: Durch Grinsen oder Kopfschütteln. Durch ständige Sticheleien oder
das Infragestellen der Kompetenz. Durch penetrantes Murmeln oder Gähnen
während eines Vortrags. Und, und, und...
Das alles wird so lange eingesetzt, bis das Opfer schließlich irgendwie
reagiert. Denn darauf legt man es beim Provozieren ja an – man will
Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Eigentlich ist es nur ein trickreiches
Spiel, das Kinder übrigens perfekter beherrschen, als mancher Erwachsene.
Werden Sie also von jemandem ganz bewusst provoziert, ist es entweder
sinnvoll, das Ganze so lange stoisch zu ignorieren, bis es dem Gegenüber
langweilig wird, weil er die Aufmerksamkeit, die er sich wünscht, ja
nicht bekommt. Oder sie spielen mit. In beiden Fällen müssen Sie sich
jedoch bewusst machen, was dahinter steckt. Nur dann schaffen Sie es,
über der Sache zu stehen. Und dann kommen schlagfertige Antworten fast
von alleine.
In der Ruhe liegt die Kraft
Vielleicht gehören Sie auch zu den Menschen, die es gelassen wegstecken
können, wenn eine Kollegin scheinbar mitfühlend fragt, ob der Friseur
einen schlechten Tag hatte, als Sie beim ihm waren. Oder Sie schweigen,
weil Sie einfach zu verunsichert sind, um eine derartige Attacke
souverän zu kontern.
Egal, was Sie dazu veranlasst, Provokationen und Sticheleien einfach
hinzunehmen – spätestens, wenn Ihre Kollegin Sie zum zehnten Mal an
einem Tag mit einer bösartigen Bemerkung unterbricht oder während Ihrer
Erzählung ständig ausdauernd gähnt, ist es irgendwann mit Ihrer
Selbstbeherrschung vorbei. Wenn Sie jetzt ausflippen, haben Sie das
Spiel verloren. Und deshalb hilft es, sich klar zu machen, dass genau
diese Reaktion gewünscht wurde – und dass Sie sie deshalb auf keinen
Fall liefern dürfen.
Sie toben und brüllen – und Ihr Gegenüber fragt unschuldig, was denn
plötzlich in Sie geraten ist. Und schon stehen Sie als Furie oder
hysterische Zicke da. Mit einer solchen Überreaktion tun Sie sich also
selbst keinen Gefallen.
Rechtfertigungen haben wenig Sinn
Sie haben eine Menge Arbeit zu erledigen und entsprechend gleicht Ihr
Schreibtisch einem Schlachtfeld, worauf Sie Ihr Chef bissig hinweist –
als ob Sie das nicht selbst wüssten. Wenn Sie sich nun rechtfertigen,
legen Sie mit dieser Reaktion den Grundstein für weitere Provokationen:
„Ach? Fühlen Sie sich überfordert?“
Wenn jemand ohne echten Grund Ihre Kompetenz in Frage stellt, dürfen Sie
ihm auf keinen Fall durch Rechtfertigungen Anlass geben, wirklich an
Ihren Fähigkeiten zu zweifeln, den so hat der Provokateur Sie wie einen
Fisch am Haken, von dem Sie so schnell nicht wieder loskommen. Und schon
gehen Sie wieder als Verlierer aus dem Spiel hervor.
Setzen Sie auf den Überraschungseffekt
Schlagfertigkeit heißt das Schlüsselwort. Schmettern Sie die Provokation
einfach mit einem flotten Spruch ab. So wie die junge Frau, die an der
Ampel den Motor Ihres Autos abwürgte und ihn nicht mehr zum Laufen
bekam. Der Fahrer hinter ihr hupte ausdauernd, worauf die Frau ausstieg,
zu seinem Auto ging und ihm folgenden Vorschlag unterbreitete: „Könnten
Sie bitte mein Auto in Gang bringen? Dann hupe ich für Sie weiter.“
Eine ebenfalls gute Lösung ist es, die Provokation einfach
zurückzuweisen: „Ich bin mir völlig sicher, dass das Ergebnis der
Rechnung stimmt, aber wenn Sie daran zweifeln, können Sie gerne selbst
noch mal nachrechnen.“
Und schließlich können Sie die Provokation auch einfach an sich
abprallen lassen. „Stimmt, das ist mir auch schon aufgefallen. Mein
Schreibtisch könnte mal wieder eine Aufräumaktion vertragen.“
Wenn Sie wieder mal jemand mit nonverbalen Aktionen wie ungläubigem
Kopfschütteln aus dem Konzept bringen möchten, dann tun Sie so, als ob
Sie darauf eingehen würden: „Ja ich verstehe, dass man diese Tatsache
zuerst gar nicht glauben kann. Das ging mir am Anfang genauso.“
Sicher ist: Je überraschender Sie auf die Provokation reagieren, desto
mehr bringen Sie Ihre Gegenspieler aus dem Konzept.