Wenn der Gesprächspartner einfach nicht sprechen will
Wer kennt derartige Situationen nicht: Man muss jemanden anrufen, um
Informationen abzufragen – und dem Gesprächspartner mühsam alles aus der
Nase ziehen. Man trifft in der Pause im Theater einen wichtigen Kunden
und will einige freundliche Worte wechseln – aber das Gegenüber
antwortet immer nur mit „Ja“ oder „Nein“. Man nimmt an einer Tagung teil
– und hat das Pech, beim Mittagessen neben Teilnehmern zu sitzen, die
schweigend essen und zu keinem Gespräch bereit zu sein scheinen.
Manche Menschen sind schüchtern. Andere beherrschen nur die Kunst des
Smalltalks nicht. Und wieder andere sind introvertiert und tragen ihr
Herz nicht auf der Zunge. Vor allem Männern sagt man nach, dass das
Reden nicht eben ihre Stärke ist. Doch wie soll man damit umgehen?
Monologe führen? Auch schweigen? Klar, man muss nicht immer Quatschen.
Trotzdem ist Kommunikation wichtig. Wer sich kennen lernen will, muss
miteinander reden. Wer Informationen weitergeben soll, muss sprechen.
Und irgendwie ist es doch auch einfach ungemütlich, wenn mehrere
Menschen um einen Tisch sitzen und keiner sagt einen Ton – finden
jedenfalls die meisten Frauen. Also bleibt dem kommunikativeren Teil der
Menschheit oft nichts anderes übrig, als die undankbare Aufgabe zu
übernehmen, die Redemuffel zum Sprechen zu bringen. Gibt es Tricks, wie
man mit notorischen Schweigern am besten umgeht?
Vom Zuhörer zum Gesprächspartner
Wer aus einem passiven Zuhörer einen aktiven Gesprächspartner machen
möchte, sollte ihn auf keinen Fall – aus lauter Verzweiflung wegen
dessen Schweigsamkeit – in Grund und Boden quatschen. Wappnen Sie sich
vielmehr mit Geduld.
Stellen Sie offene anstelle von geschlossenen Fragen. Fragen Sie also
nicht „Hatten Sie einen schönen Urlaub?“, denn dann bekommen Sie
wahrscheinlich die Antwort „Ja.“. Fragen Sie ihn besser nach seinem
Urlaubsziel oder seinen Aktivitäten und haken Sie nach, wenn er allzu
einsilbig bleibt. Kontern Sie nicht mit Ihren Urlaubserinnerungen –
jedenfalls nicht langschweifig –, sondern geben Sie ihm die Möglichkeit,
sich warm zu reden. Gehen Sie auf Gesagtes ein, vertiefen Sie seine
Gedanken. Und: unterbrechen Sie ihn auf keinen Fall!
Halten Sie Pausen aus. Manche Menschen brauchen Zeit, um Ihre Gedanken
zu ordnen und daraus folgend Sätze zu formulieren. Auch wenn es schwer
fällt: Warten Sie erst mal ab und überbrücken Sie die Ihnen peinlich
erscheinende entstehende Stille nicht gleich dadurch, dass Sie selber
reden. Ihr Gegenüber empfindet die Gesprächspause wahrscheinlich gar
nicht als unangenehm. Er denkt über eine Antwort nach.
Geben Sie Ihrem Gesprächspartner immer wieder ein positives Feedback –
„das kann ich gut verstehen“, „das geht mir manchmal auch so“. Das
schafft Vertrauen und gibt ihm Sicherheit.
Und wenn Sie in einer größeren Runde zusammenstehen, dann beziehen Sie
die Schweiger doch einfach mal ein und scheuen Sie sich nicht,
Monologisierer zu stoppen. Oft sind die Redemuffel die interessanteren
und sensibleren Menschen, die viel mehr zu einem guten Gespräch
beitragen können als die Redseligen – wenn sie es denn schaffen, aus
sich herauszugehen.