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Wegen dem Deutsch

Is doch irgendwie total egal, wie man schreibt
Wer deutsch als Fremdsprache lernt, hat es nicht leicht. Denn unsere Sprache ist nicht einfach zu erlernen. Deshalb hat natürlich jeder Verständnis, wenn Ausländer nicht mit allen deutschen sprachlichen Feinheiten vertraut sind. Aber was ist mit uns, die wir hier aufgewachsen sind? Sollten nicht wenigstens wir damit umgehen können? Hat unsere Muttersprache es wirklich verdient, dass wir sie immer wieder vergewaltigen? Und ist es nicht viel angenehmer, einen gut geschriebenen Text zu lesen, als immer wieder über Sätze zu stolpern, die unverständlich sind, weil Grammatik oder Rechtschreibung nicht stimmen?

Wahrscheinlich interessiert es die Wenigsten, ob man „tief greifend“ nach der derzeit geltenden Rechtschreibung nun getrennt oder zusammen schreibt. Und es ist auch nicht wirklich wichtig. Denn es gibt Grundlegenderes...

Das „scharfe S“ lebt

Auch nach der Rechtschreibreform existiert es noch: das „ß“. Es erleichtert uns die Unterscheidung zwischen den „Massen“ mit denen man zu kämpfen hat, wenn man nicht in „Maßen“ isst. Die Regel, die dahinter steckt, lautet folglich: Spricht man den Vokal kurz, folgt ein doppeltes „s“, spricht man ihn lang, schreibt man das Wort mit „ß“. Straße, Grüße und Füße bekommen also ein „ß“, Flüsse und Küsse nicht.

Die wo und als wie

Die wo Probleme mit der Grammatik haben, sind dümmer, als wie die, die damit umgehen können. Der Satz ist falsch – inhaltlich und grammatikalisch. Die(jenigen), die (welche) Probleme mit der Grammatik haben, sind nämlich nicht dümmer, als die, die damit umgehen können. Sie haben es einfach nicht besser gelernt. Und das lässt sich ändern.
 
















Die Kombination „als wie“ gibt es im Deutschen nicht. Entweder es heißt „als“ – oder eben „wie“. „Als“ wird immer dann eingesetzt, wenn etwas ungleich ist: „ich bin größer als du“. „Du bist älter als ich“. Das „Wie“ hingegen steht immer dann, wenn etwas gleich ist: Ich bin so alt wie Du“. „Du bist gleich groß wie ich“.

Eine kurze Bemerkung zum Wort „halten“

Immer wieder liest man es: „Du hälst daran fest“. „Du hälst es für falsch“. Es ist falsch! Du „hältst“ kommt von „halten“ – und entsprechend darf das „t“ nicht einfach wegfallen.

Visas, Praktikas, Lexikas und Virusse

Wir beantragen für die Reisen unseres Chefs ein Visum. Wenn der Marketingleiter auch mitfährt, dann brauchen wir zwei Visa. Ein Praktikant absolviert ein Praktikum. Ist es nicht sein erstes, dann hat er schon mehrere Praktika hinter sich. Visas und Praktikas gibt es nicht – denn man kann einen Plural schließlich nicht in den Plural setzen.

Wenn die echte Grippe zuschlägt, dann ist der Erreger ein Virus. Und weil jährlich andere Viren unterwegs sind, kann man sich so schlecht dagegen schützen.

Wem nun der Kopf schwirrt angesichts der unterschiedlichen Arten, die Mehrzahl zu bilden, der sollte sich nicht verwirren lassen. Schließlich gibt es Wörterbücher oder Lexika, wo man einfach nachschlagen kann....

Irgendwie schön, total schön, furchtbar schön

Manchmal könnte man meinen, das sei die neue Art, Wörter zu steigern. Man findet etwas schön (oder gut). Prima. Warum irgendwie? Entweder es ist schön oder es ist es nicht.

„Total schön“ dürfte dann etwas schöner als „irgendwie schön“ sein. Wie wäre es mit sehr schön?
 
Und furchtbar schön? Was nun? Furchtbar? Oder schön? Wie wäre es mit umwerfend schön? Oder unglaublich schön? Es gibt viele passendere Möglichkeiten, seine Begeisterung in Worte zu fassen, als ausgerechnet mit dem Wort „furchtbar“..

Deutsch, englisch oder denglish?

Schon immer wurden Wörter aus anderen Sprachen entlehnt und übernommen. Das ist per se nicht zu verteufeln, schließlich zeugt es davon, wie lebendig unsere Sprache ist. Doch wir sollten nicht gedankenlos englische Wörter benutzen, wenn es gar nicht nötig ist. Und vor allem sollten wir uns entscheiden, ob wir nun auf deutsch oder englisch schreiben wollen.

„Ich erinnere das genau. Das war in 2003. Da waren wir im Urlaub an der Ostsee. Abends gingen wir oft in Heidi’s Anglerklause, um Matje’s zu essen. Hinterher brauchten wir meistens einen Schnaps. Das hat Sinn gemacht, denn das Essen lag uns ziemlich schwer im Magen.“

Alles deutsch? Kaum ein englisches Wort? Stimmt. Trotzdem ist es denglisch.

Nur weil man im Englischen „That makes sense“ sagt, heißt es im Deutschen nicht noch lange nicht „das macht Sinn“, sondern „das ist sinnvoll“. Sinn kann man nicht machen wie das Mittagessen. Denn „Sinn“ ist abstrakt – wie zum Beispiel die Liebe. Und deshalb meinen wir, wenn wir vom „Liebe machen“ reden, ja auch nicht das Herzensgefühl, sondern etwas ganz Konkretes – eine Handlung, einen Akt.

In der englischen Sprache setzt man vor das Genitiv-S einen Apostroph. Im Deutschen nicht! Gabis Schuhe oder Brittas Stiefel und auch Sabines Frisiersalon kommen sehr gut ohne Apostroph aus. Und die Matjes, Videos und Cocktails erst recht. Bei uns hat der Apostroph nichts mit dem Genitiv und schon gar nichts mit dem Plural zu tun. Er zeigt lediglich, dass etwas ausgelassen wurde: „So’n Schnaps tut gut“! Vor allem, wenn einem überall falsch gesetzte Apostrophe begegnen!
 
Man erinnert nicht ganz genau. Sondern man erinnert sich ganz genau. Und es war eben nicht in 2003. Sondern es war 2003. Oder es war im Jahr 2003. Das „in“ ist falsch und unnötig, und hat sich aus dem Englischen hier eingeschlichen.

Von gedownloadeden E-Mails und regesetteten Computern

Wie fügt man englische Worte wie zum Beispiel „download“ in der richtigen Form in einen deutschen Text ein? Ganz einfach: Laden Sie die E-Mail doch einfach herunter, anstatt sie downzuloaden? Und warum starten Sie den Computer nicht einfach neu, anstatt ihn zu resetten?

Last but not least: Bullshit bingo

Manche Texte sind grammatikalisch völlig korrekt und auch die Rechtschreibung lässt nichts zu Wünschen übrig. Trotzdem kann man sie kaum lesen. Das liegt daran, dass sie so nichtssagend sind. Und das wiederum liegt daran, dass sie aus einer Aneinanderreihung von Modewörtern und Anglizismen bestehen. Spätestens, wenn Sie mal wieder einen Projektbericht lesen, werden Sie wissen, was gemeint ist.

Da wird das Projekt zeitnah vorangetrieben. Proaktiv geht man die Sache an, ergebnisorientiert und zielführend. Alle Mitarbeiter sind echte Teamplayer, die gemeinsam den Turnaround schaffen. Es gibt ein Commitment, dass in Milestones gearbeitet und der Prozess Bottom up vorangetrieben wird.

Alles klar? Wenn Sie also das nächste Mal selbst einen Text verfassen müssen, dann achten Sie doch darauf, dass Sie Ihre Leser nicht mit derartigen Worthülsen langweilen.

Und wenn Ihnen mal wieder bei einem Meeting entsprechende Modewörter um die Ohren fliegen, dann spielen Sie mit einer Kollegin oder einem Kollegen eine Runde Bullshit-Bingo . Da geht die Sitzung wie im Flug vorbei.



Bildquelle: snygo.com