Themen

 
Deutschlands beste/r Sekretär/in

 
Downloads, Newsletter

 

Vorbild sein

Anderen als Leitbild dienen
Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Wie der Herr, so’s Gescherr. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Wie wichtig Vorbilder sind, zeigt schon die Vielzahl der alten Sprichwörter, die sich mit diesem Thema befassen. Doch wie wird man eigentlich ein Vorbild?

Ein bisschen Theorie vorweg

Ein Vorbild ist laut Definition eine Idealgestalt, die als Leitbild für die eigene Entwicklung und Lebensgestaltung dient. Wen man als vorbildlich einstuft, hängt von den eigenen und den in der Gesellschaft insgesamt geltenden Normen und Wertvorstellungen ab – und damit ein Stück weit vom Zeitgeist.

Vorbild sein heißt im Umkehrschluss, anderen Menschen durch seine Persönlichkeit und sein Handeln eine Orientierung zu geben und deshalb als nachahmenswert anerkannt zu werden. Das bedeutet: Man kann sich nicht selbst zum Vorbild küren, sondern man muss dazu ernannt werden.

Nicht Worte, sondern Taten!

Der amerikanische Politiker und Naturwissenschaftler Benjamin Franklin (1706 – 1790) wollte seine Mitbürger in Philadelphia dazu bringen, in der Nacht die Straßen zu beleuchten. Anstatt Vorträge zu halten, hängte er vor seinem Haus eine schöne Lampe auf und zündete sie jeden Abend bei Einbruch der Dämmerung an. Jeder, der die Straße entlang ging, konnte das Licht schon von weitem sehen und sich über die ungewohnte Helligkeit freuen. Bald begannen auch die Nachbarn vor ihren Häusern Lampen zu installieren – bis schließlich Lampen in der ganzen Stadt strahlten.
 
















Diese Geschichte zeigt: Taten, nicht Worte, regen zur Nachahmung an. Wer seine Mitmenschen – im Berufsleben also Mitarbeiter oder Kollegen – zu einem bestimmten Handeln veranlassen möchte, muss selbst tun, was er von anderen fordert. Das klingt selbstverständlich, wird im Alltag aber oft vergessen.

Glaubwürdig handeln

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, Ich kenn auch die Herren Verfasser; Ich weiß, sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser. (Heinrich Heine)

Wer selbst nur seine Karriere im Sinn hat und zur Durchsetzung seiner Interessen die Ellenbogen einsetzt, dem wird niemand vertrauensvoll zur Seite stehen.

Ein Chef, der ständig zu spät kommt, wird seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht davon überzeugen können, wie wichtig Pünktlichkeit ist.

Wer Zusagen mal einlöst und mal auch nicht, braucht sich nicht zu wundern, wenn andere seine Vorgaben nicht ernst nehmen.

Wer von seinen Mitarbeitern Fachwissen und Weiterbildung einfordert, sollte, wenn er ernst genommen werden will, auch selbst auf dem neuesten Stand sein und sich in seinem Fachgebiet auskennen.

Wenn die Parole „sparen“ heißt und der Chef daraufhin mit einem nagelneuen Porsche als Firmenwagen vorfährt, warum sollten dann die Mitarbeiter ernsthaft auf die Kosten achten?

Die Beispiele machen deutlich: Glaubwürdigkeit ist das A und O jeden Handelns.

Berechenbar bleiben

Heute hü, morgen hott. Oder: Was geht mich mein Geschwätz von gestern an? Launisches Verhalten, nicht eingehaltene Versprechungen oder ständig neue Zielvorgaben schaffen Unsicherheit. Und die wiederum macht Angst und demotiviert.

Berechenbarkeit hingegen bewirkt, dass Mitarbeiter – wie auch Kunden – die Folgen einer Handlung einschätzen und sich entsprechend darauf einstellen können. Eindeutiges Verhalten bringt also Sicherheit und Klarheit auf die man bauen kann.
 
Authentisch sein

Authentisch wirkt nur, wer seine Persönlichkeit mit allen Stärken und Schwächen, allen Ecken und Kanten lebt. Wer seine Fehler leugnet und seine Stärken überbetont, wirkt unglaubwürdig. Versuche, sich zu verstellen, sind auf Dauer nicht durchzuhalten. Es entstehen Brüche im Persönlichkeitsbild, die zur Unberechenbarkeit führen. Authentizität, Glaubwürdigkeit und Berechenbarkeit bedingen sich also gegenseitig.

Stehen Sie also auch als Vorgesetzter zu Ihren Schwächen. Gestehen Sie anderen ebenso zu, hin und wieder einen Fehler zu machen.

Engagiert bei der Sache sein

Wer seinen Job mit Schwung und Elan – mit Leidenschaft – ausfüllt, reißt andere mit. Dabei lässt sich auch Engagement nicht vorspielen. Es wirkt nur authentisch, wenn es echt ist.

Etwas mit Lust und Leidenschaft anzupacken heißt, entschlossen, zielstrebig und überzeugt an die Arbeit zu gehen. Zögerlichkeit, Unentschlossenheit, „man müsste oder sollte“ finden dann keinen Platz.

Wenn Sie mal unmotiviert sind oder schlechte Laune haben: Vergessen Sie nie, dass diese „Unpässlichkeit“ sehr ansteckend ist – halten Sie lieber Abstand, bis es Ihnen wieder besser geht. Denn wenn Sie selbst ein lustloses Vorbild abgegeben, können Sie dann wirklich von Ihren Mitarbeitern vollen Einsatz verlangen?

Wer ein Vorbild sein will, braucht Persönlichkeit

Glaubwürdig agieren, berechenbar bleiben, authentisch sein und sich einer Sache engagiert annehmen: Wer so handeln will, braucht eine starke Persönlichkeit. Denn er muss eine eigene Meinung entwickeln, Stellung beziehen, Rückgrat zeigen. Und gleichzeitig Fehler eingestehen und auf andere zugehen können. Fachliche Kenntnisse kann man sich aneignen. Managementwissen auch. Eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln ist dagegen sehr viel schwieriger.

Als Vorbild wird man aber nur dann anerkannt, wenn man über entsprechende menschliche Qualitäten verfügt. Es lohnt sich also – gerade für Führungskräfte – sich selbstkritisch zu beurteilen und an sich zu arbeiten.