Andere Länder, andere Sitten
In Frankreich ist es nicht so schlimm, „hörbar“ einzuparken. In
Großbritannien stellt man sich an Bushaltestellen in einer geordneten
Schlange an. „Chips“ sind dort Pommes frites und mit „marmelade“ ist
ausschließlich Orangenkonfitüre gemeint, alles andere heißt „jam“.
Gläubige Muslime trinken keinen Alkohol und essen kein Schweinefleisch.
In China gilt manches als Delikatesse, was in Europa niemals auf einen
Teller käme.
In jedem Land herrschen andere Gepflogenheiten – deshalb ist es auch
unmöglich, eine zuverlässige Checkliste zu erstellen, an der sich
Reisende orientieren könnten. Trotzdem gibt es eine Regel, die für alle
Länder dieser Welt gilt: Seien Sie offen und informieren Sie sich über
Ihr Gastland!
Jedes Land hat Rituale
Wer sich auf internationalem Parkett souverän bewegen möchte, muss vor
allem offen sein. Das bedeutet einerseits, sich über die Besonderheiten
des jeweiligen Landes kundig zu machen – sich ein grundlegendes Wissen
über Geschichte, Politik und Rituale anzueignen. Dazu benötigt man
lediglich einen guten Reiseführer und, wenn möglich, ein paar
Informationen von Freunden oder Kollegen, die schon mal dort waren.
Der zweite Teil ist sehr viel schwieriger: Man muss lernen,
„Andersheiten“ auch zu akzeptieren. Das erfordert nicht nur Toleranz –
sondern darüber hinaus ein gehöriges Maß an Selbstkritik.
Das eigene Tun kritisch sehen
Was tun Sie, wenn Ihre Nase läuft? Klar: Sie nehmen ein Taschentuch,
schnäuzen hinein und stecken es dann in die Hosentasche. Haben Sie sich
schon mal überlegt, dass Fremde das ekelhaft finden könnten?
Viele Dinge, mit denen wir aufgewachsen sind, nehmen wir überhaupt nicht
bewusst wahr – wir tun sie, weil wir es so gelernt haben. Genauso geht
es Menschen einer anderen Kultur. Solange wir aber das, was sie tun, als
„komisch“ und in gewissem Sinne „schlechter“ abtun, werden wir fremde
Rituale immer mit einer gewissen Arroganz betrachten.
Seien Sie also offen und sensibel. Auch wenn Sie es gewohnt sind, Messer
und Gabel zu nutzen, heißt das nicht, das Sie nicht versuchen können,
Stäbchen einzusetzen. Oder es als „primitiv“ empfinden müssen, wenn Sie
mit den Fingern essen sollen.
Interesse zeigen
Ob Sie beruflich oder privat ins Ausland reisen: Zeigen Sie Interesse an
Ihrem Gastland! Lernen Sie einige Grundvokabeln und scheuen Sie sich
nicht, nachzufragen. Damit machen Sie deutlich, dass Sie etwas über die
Kultur des Landes erfahren wollen – und sich bewusst sind, dass Sie
Fehler machen können.
Nichts wirkt arroganter als Menschen, die erwarten, im Ausland alles
genauso wie zu Hause vorzufinden: die das Hotelpersonal auf deutsch
ansprechen, die Lebensweise der Bevölkerung kritisieren und sich
aufregen, wenn es kein deutsches Bier gibt.
Versuchen Sie aber auch nicht, „einheimischer“ als Ihre Gastgeber zu
sein. Das wirkt schnell lächerlich.
Scheuen Sie sich nicht, Ihre persönlichen Grenzen aufzuzeigen. Sie
müssen nicht alles, was im Gastland üblich ist, akzeptieren, wenn Sie
sich unwohl dabei fühlen!
Vorsicht mit Gesten!
Viele Gesten haben im Ausland eine völlig andere Bedeutung. Sie sollten
also Ihre Gestik vorsichtshalber etwas zurücknehmen.
Der aus Daumen und Zeigefinger geformte Kreis bedeutet in Deutschland
z.B. schlicht „Ok!“. In Japan ist er dagegen das Symbol für Geld – und
im Mittelmeerraum eine plumpe, obszöne Geste!
Auch Berührungen sind oft eher unerwünscht. Warten Sie also lieber ab,
ob Ihr Gegenüber Sie mit Handschlag begrüßt – und seien Sie sich
bewusst, dass er es vielleicht nur deshalb tut, weil er sich über die
Rituale Ihres Heimatlandes informiert hat!
Einige Basics
Auch wenn allgemeine Verhaltensratschläge – wie erwähnt – schwer zu
geben sind: Einige Dinge sind so grundsätzlich, dass man sie wissen
sollte:
Unterhalten Sie sich mit Ihren Kollegen nicht auf deutsch, wenn
Ausländer zuhören – es entsteht sonst leicht der Eindruck, dass Sie
Dinge sagen, die nicht verstanden werden sollen. Besonders peinlich wird
es, wenn dies wirklich der Fall ist – und einer der Geschäftspartner
doch deutsch versteht...
In Asien ist eine direkte Rückmeldung tabu – selbst Ablehnungen werden
in manchen Regionen in ein zögerndes „Ja“ verpackt, um nicht unhöflich
zu sein. Wenn man Missverständnisse vermeiden will, darf man das nie
vergessen. Halten Sie dort beim Lachen die Hand vor den Mund. Lautes
Lachen und Zähne zeigen wird als schlechtes Verhalten gewertet.
In islamischen Ländern gilt die linke Hand als unrein – auch Linkshänder
sollten sich also die Mühe machen, sich zu „verrenken“. Wenn der
Gastgeber Sie dort zu sich nach Hause einlädt, ist dies eine hohe Ehre –
blamieren Sie sich nicht, indem Sie ein einzelnes Accessoires in der
Wohnung übermäßig bewundern. Man wird sich sonst genötigt fühlen, es
Ihnen zu schenken.
Ob es wirklich eine Unsitte ist oder nicht, ist Ansichtssache:
Rechnungen zu splitten ist auf jeden Fall eine deutsche Eigenart. Zahlen
Sie alles zusammen – und dividieren Sie es bei Bedarf im Hotel mit Ihren
Kollegen auseinander!
Tabuthemen
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – sagt der Volksmund. Diese
Redensart stimmt im Ausland ganz besonders.
Schimpfen Sie niemals auf ein Land – auch nicht über Ihr eigenes.
Vermeiden Sie (gesellschafts)politische Themen. Fragen Sie also in den
USA lieber nicht, ob Ihr Gesprächspartner Präsident Bush für einen
Kriegstreiber hält oder die laschen Waffengesetze schuld an den
Schulmassakern sind. Diskutieren Sie in islamischen Ländern nicht über
das Tragen von Kopftüchern oder die Emanzipation der Frauen. Fragen Sie
einen Franzosen nicht, warum die Rechtsextremen Zulauf haben. Und
vermeiden Sie generell Verallgemeinerungen wie „Ihr Türken seid doch...,
die Spanier lieben doch..., alle Engländer...“
Machen Sie es Gästen leicht!
Wenn Sie selbst ausländische Gäste haben, machen Sie es ihnen nicht
unnötig schwer. Verhalten Sie sich eindeutig und klar, zeigen Sie
Interesse und Hilfsbereitschaft. Informieren Sie den Besuch über den
Tagesablauf, Essenszeiten und Dinge, bei denen er unbewusst in ein
Fettnäpfchen treten könnte.
Und falls Sie sein Verhalten befremdet: Denken Sie daran, wie schwer es
ist, sich in einer anderen Kultur zurecht zu finden und sehen Sie
stillschweigend darüber hinweg, statt ihn entgeistert anzustarren und
womöglich beleidigt zu sein!