Klar, man kann nie genug verdienen
Wenn es um das eigene Gehalt geht, fühlen sich die meisten Menschen
unterbezahlt, egal in welcher Branche sie arbeiten oder auf welcher
Hierarchiestufe sie stehen – von einigen Managern vielleicht abgesehen.
Doch ob die eigene Einschätzung stimmt, ob man also für seinen Job
überdurchschnittlich gut oder unterdurchschnittlich schlecht bezahlt
wird, ist nicht immer leicht einzuschätzen.
Früher war das einfacher – da ging es stärker nach dem Beruf und der
Qualifikation: Wer studiert hatte, wurde höher bezahlt als ein
Facharbeiter oder Handwerker. Heute wird ein und dieselbe Tätigkeit oft
völlig unterschiedlich honoriert, beeinflussen auch andere Faktoren die
Höhe unseres Gehalts – zum Beispiel die Berufserfahrung, die Branche
oder die Größe des Unternehmens.
Auch bei der Bezahlung von Sekretärinnen oder Assistentinnen gibt es
erhebliche Unterschiede. Und gerade deshalb sollte man immer wieder
überprüfen, ob das Gehalt noch zu den Anforderungen des eigenen Jobs
passt.
Wie wertvoll ist Ihre Arbeitskraft?
Ihr monatliches Gehalt wird von vielen Faktoren bestimmt. Die messbaren
sind das Alter und damit verbunden die Dauer der Berufserfahrung sowie
natürlich die festgelegte Arbeitszeit. Dazu kommen das Stellenprofil und
die Aufgaben, die man übertragen bekommt.
Und das ist auch schon der Punkt, an dem man einsteigen sollte: Nehmen
Sie sich mal wieder Ihre Stellenbeschreibung vor und überprüfen Sie, ob
diese überhaupt noch mit Ihrer tatsächlichen Tätigkeit übereinstimmt.
Listen Sie alle Aufgaben auf, die Sie zusätzlich erledigen. Nehmen Sie
sich dafür Zeit und notieren Sie auch Punkte, die nicht zu Ihrem
Tagesgeschäft gehören.
Sie machen andauernd Überstunden? Sie haben inzwischen Mitarbeiterinnen
oder Auszubildende, die Sie anleiten müssen? Sie haben
Projektverantwortung? Sie betreuen ganz direkt Kunden? Sie sind faktisch
Bürovorsteherin?
Auch solche Fakten, die Sie nahezu unabkömmlich machen, sollten Sie
Ihrer Liste unbedingt hinzufügen, falls sie in der Stellenbeschreibung
noch nicht enthalten sind. Denn oft ist es so, dass sich das
Aufgabengebiet im Laufe der Zeit wandelt und die Verantwortung steigt –
nicht aber das Gehalt, das noch immer das ursprüngliche Profil
widerspiegelt.
Außerdem spielen auch Engagement, oder persönliche Eigenschaften wie
Treue, Loyalität, Teamfähigkeit und Kreativität eine Rolle – und wenn
Sie sich diesbezüglich von Ihren Kollegen und Kolleginnen abheben, dann
sollte sich das auch in Ihrem Gehalt niederschlagen.
Wie Sie fordern, was Ihnen zusteht
Sie haben nach der Überprüfung festgestellt, dass Ihr Gehalt nicht mehr
zu Ihrem jetzigen Tätigkeitsprofil passt? Dass es womöglich in den
letzten Jahren kaum gestiegen ist? Dann ist es an der Zeit,
entsprechende Schritte einzuleiten. Denn es nützt nichts, zu wissen,
dass man eigentlich mehr verdienen müsste, und dann nichts zu tun.
Fassen Sie sich ein Herz und vereinbaren Sie mit Ihrem Chef einen Termin
oder nutzen Sie das nächste Mitarbeiterjahresgespräch, um über das Thema
zu reden.
Im Wesentlichen ist die Bitte um eine Gehaltserhöhung nichts anderes als
ein Verkaufsgespräch – nur das Sie sich selbst möglichst effizient
verkaufen müssen.
Legen Sie Ihrem Chef alle Punkte, aus denen Ihr momentaner Wert für die
Firma hervorgeht, dar und sprechen Sie mit ihm über Ihre Vorstellungen.
Je besser Sie ihn von Ihrer Qualität überzeugen, desto größer sind Ihre
Chancen auf Erfolg.
Zu einem guten Verkaufsgespräch gehört auch, dass man genaue
Vorstellungen über den Preis hat. „Ich hätte gerne mehr Geld“ ist ein
bisschen zu vage. Im Internet gibt es verschiedene und kostengünstige
Möglichkeiten eines Gehalts-Checks. Aber Vorsicht: Wenn bei einem
derartigen Test herauskommt, dass Sie eigentlich doppelt so viel
verdienen müssten, dürfte das nicht sehr realistisch sein...
Achten Sie auf den richtigen Zeitpunkt
Gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Lage, sollten Sie gut darüber
nachdenken, ob und wann Sie Ihre Gehaltswünsche ansprechen. Ob Sie mehr
Geld wert sind oder nicht: Wenn in Ihrer Firma gerade Kollegen und
Kolleginnen entlassen werden mussten und weitere Jobs auf der Kippe
stehen, werden Sie mit Ihren Forderungen kaum Erfolg haben, sondern
outen sich höchstens als egoistische, realitätsfremde Traumtänzerin. Und
das verbessert Ihre Position nicht unbedingt.