Mittrauern ist mehr als kondolieren
Der Tod ist ein Tabuthema. Das zeigt sich unter anderem daran, dass wir
das Ereignis aus unserem Alltag verbannen: Früher durfte man zu Hause
sterben und wurde auch dort aufgebahrt. Heute wird man zum Sterben ins
Hospiz oder Krankenhaus eingeliefert. Und selbst die
Bestattungsunternehmen versuchen, ihre Autos so unauffällig wie möglich
zu gestalten.
Entsprechend schwer fällt es uns, mit dem Tod umzugehen. Was soll man
tun, wenn man erst mal verlegen sein „Herzliches Beileid“ gemurmelt hat?
Darf man Trauernde fragen, wie es ihnen geht – oder ist das zynisch?
Soll man das Thema einfach ignorieren – oder ist das oberflächlich? Soll
man die Betroffenen in Ruhe lassen – oder sind sie dankbar für
Ablenkung? Und wie bloß soll man damit umgehen, wenn der Kollege
plötzlich zu weinen beginnt. Soll man ihn dann in den Arm nehmen – oder
die Tränen diskret ignorieren?
Weil viele auf diese Fragen keine Antwort finden, gehen sie den
Hinterbliebenen aus dem Weg. Und dadurch geraten Trauernde oft in eine
Isolation, die es ihnen noch schwerer macht, den Verlust zu überwinden.
Wenn ein Kollege stirbt
Der Tod eines Kollegen belastet jedes Team. Selbst wenn die betreffende
Person wegen einer Krankheit schon länger nicht mehr arbeiten konnte
oder bereits in Rente war – jeder kannte den Verstorbenen und hat seine
Erinnerungen.
Ein Todesfall im Team darf deshalb nicht einfach übergangen werden.
Informieren Sie Ihren Chef unverzüglich, damit er den anderen die
traurige Nachricht überbringen kann. Dass es stil- und pietätlos ist,
die Todesanzeige einfach ans schwarze Brett zu hängen, braucht wohl
nicht weiter ausgeführt zu werden. Alle sollten gleichzeitig vom Tod des
Kollegen erfahren – so vermeiden Sie, dass die Nachricht unkontrolliert
die Runde macht und jemanden in einer ungünstigen Situation überrascht.
Gerade jetzt wird Ihr Chef dankbar sein, wenn Sie ihm Handlungsimpulse
geben: Besprechen Sie mit ihm, ob Sie eine Todesanzeige schalten und
einen Kranz oder ein Gesteck für die Beerdigung bestellen sollen. Fragen
Sie, ob das Team geschlossen daran teilnehmen kann. Respektieren Sie
jedoch auch, wenn jemand nicht hingehen möchte – jeder hat eine andere
Art, mit seiner Trauer umzugehen.
Den Angehörigen kondolieren
Bevor Sie einen standardisierten Kondolenzbrief verschicken, lassen Sie
es lieber ganz! Denn wenn es Ihnen schon zu viel ist, ein paar
persönliche Zeilen zu formulieren, sollten Sie das den Angehörigen
wenigstens nicht so deutlich zeigen. Einige freundliche, Anteil nehmende
Worte beweisen den Hinterbliebenen, dass der Verstorbene geschätzt
wurde. Und in einer derartigen Situation tut jeder noch so kleine Trost
gut.
Klären Sie mit Ihrem Chef ab, ob Sie nur in seinem Namen oder
stellvertretend für das gesamte Team kondolieren sollen. Und erledigen
Sie die Aufgabe möglichst bald. Das Schreiben sollte kurz vor oder nach
der Beerdigung eintreffen.
Trauerpost ist übrigens im Ausland weitgehend unüblich – Sie sollten
sich also im Ernstfall über die Gepflogenheiten zur Beileidsbekundung
informieren.
Doch was schreibt man nun? Ein passendes Zitat kann Ihnen den Einstieg
erleichtern:
„Erinnerungen sind kleine Sterne, die tröstend in das Dunkel unserer
Trauer leuchten.“
„Der Tod ist ein Grenzstein des Lebens, aber nicht der Liebe.“
„Du bist nicht mehr da, wo Du warst, aber Du bist überall, wo wir
sind.“
„Textbausteine“ für das Schreiben können wir Ihnen leider nicht bieten –
denn wie bereits gesagt – der Brief sollte möglichst persönlich sein.
Schreiben Sie einfach, was Sie fühlen, was Ihnen im Kopf herum geht.
Warum Sie den Verstorbenen vermissen werden, was Sie am meisten an ihm
geschätzt und worüber Sie mit ihm gelacht haben, was Sie immer an ihn
erinnern wird... Und vermitteln Sie den Angehörigen, dass Sie –
zumindest in Gedanken – bei ihnen sein werden.
Den Trauernden Stütze sein
Und wenn der Angehörige eines Kollegen gestorben ist? Auch dann sollten
Sie persönlich kondolieren – egal, ob Sie den Verstorbenen kannten oder
nicht.
Es ist zwar gesetzlich festgelegt, dass man als Hinterbliebener je nach
Verwandtschaftsgrad Anspruch auf Urlaub hat, aber jeder, der schon
einmal mit dem Tod konfrontiert wurde, weiß, dass ein oder zwei Tage
nicht reichen, um den Verlust zu überwinden.
Übergehen Sie das Thema nicht einfach. Reden Sie mit dem Trauernden. Sie
brauchen sich dabei nicht zu scheuen, den Kollegen ganz direkt zu
fragen, was ihm gut tut und wie Sie sich verhalten sollen – Sie zeigen
dadurch Sorge und Empathie. Bieten Sie sich als Gesprächspartner an,
aber drängen Sie sich nicht auf – wenn Sie vor dem Todesfall kein enges
persönliches Verhältnis hatten, sollten Sie auch respektieren, dass er
mit Ihnen nicht über seine Trauer sprechen will.
Bieten Sie Hilfe an. Entlasten Sie ihn und sagen Sie ihm, dass er mit
Ihrem Verständnis rechnen kann, wenn er sich für einige Zeit krank
schreiben lässt. Ein Kollege, der sich zur Arbeit zwingt, obwohl ihm der
Kopf dazu fehlt, nützt Ihnen auch nichts – im Gegenteil. Andererseits
kann es auch sein, dass Trauernde gerade über die Normalität des
Arbeitsalltags und die Ablenkung froh sind. Auch das sollten Sie
akzeptieren.
Die Zeit heilt alle Wunden?
In den ersten Tagen nach dem Tod eines Angehörigen erfährt die Familie
oft viel Zuspruch – doch Außenstehende gehen schnell wieder zum
Alltagsgeschehen über. Zeigen Sie daher Ihr Mitgefühl, indem Sie auch
nach einiger Zeit noch nachfragen, wie es dem Betroffenen geht, ob er
Hilfe oder ein offenes Ohr braucht. Gerade nach einigen Wochen oder
Monaten, wenn wieder Ruhe einkehrt, spürt man den Verlust um so härter.
Im Gespräch sollten Sie Verständnis zeigen, aber auch deutlich machen,
dass man nach vorne schauen muss, dass das Leben weitergeht. Trauernde
entwickeln oft Wutgefühle, dass der Verstorbene sie allein zurück und
damit also quasi im Stich gelassen hat. Wenn Sie es sich zutrauen,
fragen Sie nach diesen Emotionen – denn sie zuzulassen kann oft helfen,
die Lähmung zu überwinden und den Tod zu akzeptieren.
Wenn es Ihre Zeit erlaubt, bieten Sie auch privat Ihre Unterstützung an
– zum Beispiel, indem Sie so banale Aufgaben wie das Verschicken der
Danksagungen übernehmen, Behördengänge erledigen oder einfach mal einen
langen einsamen Abend durch ein gemeinsames Glas Wein verkürzen.