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Über den richtigen Umgang mit Banken

Agieren statt reagieren
















Es gibt vor allem eine wichtige Grundregel, die Sie einhalten sollten und von der sich alle anderen Tipps ableiten: Geben Sie das Heft möglichst nicht aus der Hand. Warten Sie nicht, bis die Bank auf Sie zukommt. Agieren Sie, anstatt zu reagieren.

Als Chef eines kleinen Unternehmens haben Sie bei einer Bank normalerweise nur ein einziges Konto. Wenn Sie also in Schwierigkeiten stecken und der Rubel mal nicht so rollt, wie Sie das gerne hätten, wird das Ihrer Bank schnell auffallen – schließlich kann sie – anders als bei einem Großunternehmen – Ihre finanzielle Situation auf einen Blick analysieren. Allerdings weiß Ihr Sachbearbeiter nicht, warum Ihre Einnahmen ausbleiben – er sieht nur die Misere und einen Handlungsbedarf. Stecken Sie also nicht nach Vogel-Strauß-Manier den Kopf in den Sand, sondern vereinbaren Sie von sich aus einen Gesprächstermin, und erläutern Sie dem zuständigen Mitarbeiter Ihre Sicht der Dinge. Wenn Sie das nicht tun, wird die Bank auf Sie zukommen oder womöglich sogar ohne Rücksprache agieren – und dann sind Sie in einer schlechten Position.

Sie haben die Wahl!

Der richtige Umgang mit Banken beginnt bei der Kontoeröffnung. Gehen Sie nicht einfach zu irgendeiner Bank, sondern treffen Sie eine bewusste Wahl. Jede Bank und sogar jede Filiale hat Ihren Ruf – und es ist nicht schwer, herauszufinden, ob dieser gut oder eher schlecht ist. Fragen Sie befreundete Unternehmer nach deren Erfahrungen.

Außerdem ist es wichtig, dass Sie Ihren Kontobetreuer „riechen“ können. Er ist ein wichtiger Geschäftspartner für Sie, und wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie auf verschiedenen Wellenlängen funken, können Sie auch nicht vertrauensvoll zusammenarbeiten.
 
Und: Sie sollten sich von Ihrer Bank keinen Berater aufdrängen lassen – denn der ist mehr der Bank als Ihnen verpflichtet, schließlich vermittelt sie ihm Kunden. Suchen Sie sich Ihre Berater lieber selbst aus, wenn Sie welche brauchen.

Sie können doch nicht einfach...

Doch! Die Bank kann. So hart es auch sein mag, Ihrem Kreditinstitut ist es egal, ob Sie ein Unglücksrabe sind, der unverschuldet in Not geraten ist. Es spielt im Endeffekt keine Rolle, ob Sie in den Miesen sind, weil Ihre Kunden nicht zahlen oder weil Sie im Hinblick auf einen Großauftrag, der schlussendlich doch nicht einging, hohe Investitionen getätigt haben. Was zählt, sind die harten Fakten: der Kontostand. Es nützt also nichts, heulend und zähneklappernd um Milde zu bitten. Eher hilft es, cool aufzutreten – auch wenn Sie am liebsten das Bankinventar zusammenschlagen oder in Tränen ausbrechen würden. Emotionen sind hier fehl am Platz. Souveränität ist gefragt. Denn nur wenn Sie wenigstens so wirken, als hätten Sie die Lage im Griff, wird Ihr Kontomanager Ihnen zutrauen, dass Sie Ihr Schiff wieder in tieferes Wasser steuern.

Mit geradem Rücken und erhobenem Haupt

Sie wirken dann souverän, wenn Sie selbstbewusst auftreten. Bevor Sie die Bank zu einem wichtigen Gespräch betreten, sollten Sie sich deshalb entsprechend vorbereiten:

Wenn es darauf ankommt, dann sprechen Sie von Chef zu Chef und lassen Sie sich nicht von Mitarbeitern in die Mangel nehmen, die selbst keine Entscheidungsbefugnis haben und sich an Ihrem Fall ihr Mütchen kühlen möchten.

Vereinbaren Sie Termine mit der Bank nicht von heute auf morgen. Planen Sie so viel Zeit ein, dass Sie das Gespräch gut vorbereiten können.
 
Bringen Sie alle wichtigen Unterlagen mit und zwar so, dass Sie nicht lange in Papieren wühlen müssen, wenn Sie eine Zahl raussuchen möchten. Arbeiten Sie sich vorher gut ein. „Das kann ich jetzt auch nicht erklären“ oder „ das verstehe ich selbst nicht“ sind Sätze, die einfach nicht vorkommen dürfen. Sie sind ein Manager – Sie haben den Überblick, Sie kennen Ihren Laden wie Ihre Westentasche und Sie wissen, wo es lang geht.

Nicht wie ein Bettelmann, sondern wie ein König sollten Sie auftreten – das gilt insbesondere auch für Ihre Kleidung. Ziehen Sie also nicht den ältesten fadenscheinigen Anzug aus dem Schrank. Schließlich soll nicht schon Ihr Äußeres zeigen, dass Ihre besten Zeiten leider Vergangenheit sind.

Kopf hoch, Brust raus: Diese Haltung ist nicht nur gut gegen Rückenschmerzen. Wer die Bank wie ein gebrochener Mann betritt, wird sie auch so wieder verlassen. Denn wenn Ihre Haltung bereits zeigt, dass Sie mutlos und verzweifelt sind, können Sie noch so oft das Gegenteil behaupten – Sie wirken einfach nicht überzeugend.

Wenn Sie sich das nicht zutrauen, weil Sie wirklich am Boden zerstört sind oder weil Sie schon immer Probleme mit Zahlen hatten, dann nehmen Sie eine fachliche Begleitung mit, zum Beispiel Ihren Steuerberater oder Rechtsanwalt. Sie haben einen Freund, der in einer Bank arbeitet oder gearbeitet hat? Umso besser, denn der kennt auch die Situation hinter dem Tresen und wird sich deshalb nicht so leicht von vermeintlichen Sachzwängen beeindrucken lassen.

Sie sind der Chef...

Nicht Ihre Bank führt das Unternehmen, Sie sind der Boss. Ihre Bank ist für Finanzierungsfragen zuständig, Sie für die unternehmerischen Entscheidungen. Jede Branche tickt anders. Und jedes Unternehmen hat seine individuellen Probleme. Ein Mitarbeiter einer Bank kann sich nicht überall auskennen. Lassen Sie sich also nicht drängen, irgendetwas zu tun, von dessen Richtigkeit Sie nicht überzeugt sind.
 
Und vertrauen Sie nicht auf mündliche Zusagen, sondern warten Sie, bis die angekündigten Zuschüsse auch wirklich eingegangen oder der Kreditrahmen eingeräumt ist. Banken haften zwar, wenn sie Sie falsch oder unzureichend beraten – aber Sie haben einen starken Gegner, den Sie erst einmal bezwingen müssen.

Was ist eigentlich Basel II?

Basel II, die neue Eigenkapitalvereinbarung der europäischen Kreditinstitute, die 2006 in Kraft treten soll, besagt, dass alle Unternehmen künftig vor einer Kreditvergabe ein Rating durchlaufen müssen. Neben der finanziellen Situation werden auch die Produkte oder Dienstleistungen, Prozesse und Strukturen des Unternehmens bewertet – und zwar nicht nur im Hinblick auf die aktuelle Situation, sondern auch auf die Zukunftschancen.

Auch hier gilt: Keine Bank kann alle Branchen wirklich kompetent einschätzen. Nehmen Sie deshalb das Ergebnis des Ratings nicht einfach kritiklos hin, sondern kontrollieren Sie es genau und holen Sie sich gegebenenfalls unabhängigen Sachverstand ein. Schließlich dient das Rating zum einen als Grundlage für die Entscheidung, ob Ihr Unternehmen kreditwürdig ist – und zum anderen, zu welchen guten oder weniger guten Konditionen Ihnen ein Kredit gewährt wird.