Keine Angst vor dem leeren Blatt Papier!
Sie haben genau im Kopf, was Sie Ihren Kollegen in Ihrem Artikel für die
Mitarbeiterzeitung mitteilen wollen. Es wäre auch kein Problem für Sie,
dem Kunden mündlich zu seinem Jubiläum zu gratulieren. Und erst am
Vorabend haben Sie abends beim Bier detailliert über Ihr spannendes
Projekt berichtet. Aber nun muss das Ganze aufs Papier. Und da sitzen
Sie nun und wissen einfach nicht, wie Sie anfangen und wie Sie das Ganze
strukturieren sollen.
Glauben Sie nicht, dass Profis einfach alles aus dem Ärmel schütteln.
Schreiben ist Arbeit – mal lustvoll, mal quälend. Auch Journalisten
verfassen ihre Artikel oder Autoren ihre Bücher nicht einfach von Anfang
bis Ende in einem Rutsch. Ein guter Text braucht seine Zeit. Man muss
ihn immer wieder durchlesen, überarbeiten, an ihm feilen. Man muss sich
Zeit nehmen, braucht Sitzfleisch und Geduld.
Trotzdem ist es sinnlos, ewig über dem leeren Blatt Papier zu brüten.
Legen Sie einfach los! Der PC hat gegenüber der Schreibmaschine große
Vorteile: Man muss nicht mit dem ersten Satz beginnen und auch nicht
jeden Satz gleich perfekt formuliert niederschreiben. Man kann ohne
Probleme streichen, ändern oder Absätze tauschen. Wenn Ihnen also kein
guter Einstieg einfällt, dann beginnen Sie einfach in der Mitte.
Schreiben Sie sich alle Stichwörter auf, die Ihnen einfallen, notieren
Sie Textfragmente – und setzen Sie diese Bausteine dann nach und nach
zusammen. Wenn ein Element nicht passt, nehmen Sie es wieder heraus, und
setzen Sie es woanders ein. Irgendwann wird Ihnen dann garantiert auch
klar, wie das Ganze beginnen muss.
Schreiben wie man spricht
Schreiben Sie ungekünstelt, fast so, wie Sie sprechen würden – aber
natürlich ohne Slang und grammatikalisch korrekt. Erstens fällt Ihnen
dann das Schreiben leichter und zweitens wird der Text leichter lesbar.
Komplizierte, verschraubte Sätze bringen den Leser dazu, nach wenigen
Zeilen aufzugeben. Denn sie sind schwer verständlich und ermüdend.
Dazu gehört auch, auf Überflüssiges zu verzichten. Einige Beispiele: Der
weiße Schimmel – der Schimmel; der schwarze Neger – der Neger; die
kleine Kate – die Kate; wir bieten eine große Auswahl an – wir bieten
eine große Auswahl; wir übersenden – wir senden.
Und: Biedern Sie sich Ihren Lesern nicht an. Mit Mitte 50 schafft man es
sowieso nicht, die Jugendsprache zu treffen – der Versuch wirkt sowohl
für Erwachsene als auch für Jugendliche eher lächerlich.
Andererseits müssen Sie auch nicht über die Wahl der Wörter beweisen,
wie intellektuell sie sind. Verwenden Sie, wenn überhaupt, nur gängige
Fremdwörter. Niemand wird ein Fremdwörterlexikon zur Hand nehmen, nur um
Ihren Artikel verstehen zu können – die meisten werden den Text
höchstens genervt zur Seite legen.
Auch abgedroschene Floskeln wirken übrigens einschläfernd – man weiß ja
immer schon, wie es weitergeht: „Fürs leibliche Wohl... (wird gesorgt)“.
„Vielen Dank für Ihre... (Aufmerksamkeit)“.
Abwechslung bieten
Vermeiden Sie Schachtelsätze. Schreiben Sie kurz und knapp. Aber nicht
nur. Kein Telegrammstil. Wechseln Sie zwischen kurzen und längeren
Sätzen, das hält den Leser munter und macht den Text interessanter.
Die deutsche Sprache ist sehr reich. Sie bietet Ihnen nicht nur eine
Fülle von Ausdrucksmöglichkeiten, sondern auch unterschiedliche
Satzzeichen, die man nutzen sollte. Warum nicht mal eine Frage
dazwischen schieben? Manchmal ist auch ein Ausrufezeichen richtig! Es
betont den Satz und hebt ihn aus der Menge hervor. Der Strichpunkt ist
zwar leider aus der Mode gekommen; er hat aber immer noch eine Funktion.
Er trennt mehr als ein Komma, und er verbindet mehr als ein Punkt.
Gedankenstriche laden zum Nachdenken ein. Man liest, stoppt – und denkt
kurz über den Einschub nach. Kommata bewirken das weit weniger, denn man
ist es gewohnt, dass sie Sätze gliedern.
Bilder entstehen im Kopf
Ein Text prägt sich besonders gut ein, wenn er bildhaft geschrieben ist
und deshalb einen Film im Kopf ablaufen lässt. Dies kann man, wie die
folgenden Beispiele zeigen, über die Wortwahl erreichen: Er ging einen
Weg entlang. Er schlenderte den Weg entlang. Er schlich den Weg entlang.
Aufrecht und stolz kam er mir entgegen. Oder über den Einsatz von
Vergleichen, zum Beispiel: Er war schnell wie ein Blitz. Er rannte wie
gehetzt. Er gebärdete sich eitel wie ein Pfau. Sonst war er immer voller
Elan, heute aber kam er mir mit schleppendem Schritt wie ein alter Mann
entgegen.
Aber Achtung: Vergleiche funktionieren nur, wenn sie auch stimmen. Flink
wie ein Wiesel – das passt, denn sowohl das Wort „flink“ als auch das
Wort „Wiesel“ sind positiv besetzt. Der Vergleich „flink wie eine Ratte“
lässt den Leser eher ratlos zurück: flink werten wir positiv, eine Ratte
ist aber für die meisten abstoßend.
Trennen und Verbinden
Wenn Sie in Ihrem Text den Faden verlieren, verlieren Sie auch den
Leser. Führen Sie ihn deshalb auf einen klaren Weg, damit er sich sicher
und wohl fühlt. Dazu gehört auch, dass die Bezüge zwischen den Sätzen
stimmen. Springen Sie nicht von einem Thema zum anderen, sondern leiten
Sie über. Verbinden Sie also, was zusammen gehört – aber trennen Sie
auch, was nicht zusammen passt. „Mit dem Löffel und viel Müh, zog sie
den Heinrich aus der Brüh.“ Klar, hier wäre ein Nebensatz angebracht:
„Es kostete sie viel Mühe, Heinrich mit dem Löffel aus der Brühe zu
ziehen“. Und auch bei der Werbung für einen Schützenverein – „Lernen Sie
schießen, treffen Sie neue Freunde“ – ist was schief gegangen, oder?
Aktiv statt passiv, Verben statt Substantivierungen
„Ich habe die Hoffnung, dass die Erfüllung unserer Pläne gelingen wird.“
„Die Lieferung wird von uns termingerecht vorgenommen werden.“ „Der Kauf
von neuen Computern wurde getätigt, um den Forderungen der Mitarbeiter
nachzukommen.“
Kennen Sie jemanden, der so spricht? Nein, oder? Warum schreiben dann
manche so?
„Ich hoffe, dass wir die Pläne erfüllen können.“ „Wir werden
termingerecht liefern.“ „Wir haben die neuen Maschinen gekauft, weil
unsere Mitarbeiter es gefordert haben.“
So liest sich das doch viel leichter, oder?
Schreiben Sie also lieber im Aktiv (wir arbeiten bis in die Nacht) als
im Passiv (es wurde bis in die Nacht gearbeitet), das klingt – wie der
Name schon sagt – viel aktiver. Und machen Sie nicht aus jedem Verb
(beantworten) ein Substantiv (Beantwortung)!
Dass oder daß?
Man kann die neue Rechtschreibung gut oder schlecht finden. Manche
halten sich daran, andere nicht. Aber: man sollte sich für eine der
Varianten entscheiden. Und die entsprechenden Regeln einhalten. Auch
nach der Rechtschreibreform gibt es noch ein „ß“. Es wird immer nach
langen Vokalen eingesetzt: Straße, Füße, Grüße, in Maßen, maßvoll. Zwei
„s“ schreibt man nach kurzen Vokalen: massenhaft, die Massen, Flüsse,
dass, Schloss.
Überhaupt: Man kann sich noch so viel Mühe beim Formulieren geben – wenn
ein Text vor Rechtschreibfehlern nur so strotzt, macht es keinen Spaß,
ihn zu lesen. Setzen Sie sich also nach getaner Arbeit hin und
korrigieren Sie Ihr Elaborat. Nur ein fehlerfreier Text wirkt wirklich
professionell.