Streiten will gelernt sein!
Muss man immer harmonisch zusammenarbeiten? Geht das überhaupt?
Meinungsverschiedenheiten sind normal – und man sollte sie nicht unter
den Teppich kehren. Denn Streit hat auch etwas Gutes: Er kann das
sprichwörtliche „reinigende Gewitter“ bringen – wenn er konstruktiv ist.
Destruktiver Streit entsteht meistens, wenn sich aufgestauter Frust
entlädt – entweder „tröpfelnd“ in Form von ständigen Nörgeleien oder
aber mit Wucht. Dann knallen nicht selten die Türen. Und oft werden
Worte in den Raum geschleudert, die verletzen, und die man besser nicht
gesagt hätte.
Wer aus irgendeinem Grund mit Kollegen und Vorgesetzten im Clinch liegt,
sollte diesen deshalb sofort austragen und dabei auf Fairplay achten.
Gefährliche Untertöne
Häufig basiert Streit nicht nur auf unterschiedlichen Meinungen, sondern
auf Missverständnissen, die zustande kommen, weil wir unserem Gegenüber
zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt oder seine Äußerungen falsch
interpretiert haben. Hören Sie deshalb immer genau zu, wenn ein Kollege
oder Ihr Chef ein Problem mit Ihnen bespricht. Wenn Sie sich nicht
sicher sind, ob Sie ihn richtig verstanden haben, dann fragen Sie
sachlich nach, ob das Gesagte wirklich so gemeint war. Fühlen Sie sich
nicht sofort persönlich angegriffen, sondern lassen Sie konstruktive
Kritik zu, nehmen Sie Verbesserungsvorschläge an und beharren Sie nicht
immer auf Ihrer Position. Niemand macht immer alles richtig und keiner
hat immer Recht. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke,
Fehler zuzugeben und Anregungen anderer aufzunehmen.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht
Unterstellen Sie anderen nicht, dass Sie Ihnen generell ans Leder
wollen. Oft sind Äußerungen nicht wörtlich gemeint; ironische Untertöne
werden leicht überhört. Nehmen Sie also nicht alles zu ernst und
bewahren Sie sich Ihren Humor:
Wer in der Lage ist, nicht nur über die Pannen der anderen, sondern auch
über die eigenen zu lachen, zeigt Größe, nimmt dem Gegenüber den Wind
aus den Segeln und vermeidet damit Streit.
Mit Ärger sachlich umgehen
Wenn Sie sich über jemanden schrecklich ärgern, dann denken Sie daran,
dass die meisten Streitereien durch Impulsivität entstehen. Stürmen Sie
nicht wutentbrannt dessen Zimmer, sondern beherzigen Sie die goldene
Regel „tief Luft holen und bis zehn zählen“. Mit etwas Abstand ist es
leichter, fair zu bleiben. Und Sie müssen sich hinterher nicht für Ihre
Äußerungen entschuldigen.
Zu konstruktiver Kritik gehören klare Aussagen. Wie soll Ihr
Konfliktpartner sein Verhalten ändern, wenn er gar nicht weiß, wo Ihr
Problem liegt und es umständlich erraten muss? Reden Sie also nicht um
den heißen Brei herum, sondern sagen Sie klipp und klar, was Sie stört
und bemühen Sie sich gemeinsam um einen Lösungsweg.
Beschreiben Sie ganz konkret, was Sie stört und vermeiden Sie
unsachliche Vorwürfe oder persönliche Angriffe. „Sie verhalten sich
unsäglich arrogant.“ „Immer kommen Sie zu spät.“ „Sie drängen die
anderen immer raus, weil Sie keine Ahnung von Teamarbeit haben.“ Wie
kann der andere darauf reagieren, außer diese pauschalen Vorhaltungen
weit von sich zu weisen? Und schon geht es nicht mehr um den
eigentlichen Vorgang, sondern um eine generelle Abrechnung.
Konkret zu sein heißt auch, keine allgemeinen Statements abzugeben.
Beschweren Sie sich also nicht über das zu kalte Büro, sondern machen
Sie deutlich, dass Sie frieren! Eine solche Aussage kann nicht widerlegt
werden und also muss man versuchen, eine Lösung zu finden.
Der Umgang mit Streithähnen
Es gibt immer wieder Menschen, bei denen man den Eindruck hat, dass sie
einerseits Streit suchen und andererseits Kritik nicht ertragen können.
In diesem Fall hilft es, das ständige Genörgel und Gemeckere einfach zu
ignorieren. Meistens wird die Kritik dabei verallgemeinert. In diesem
Fall hilft es, einzelne Punkte aufzugreifen und sie als Gegenfrage
zurückzugeben: „Sie meinen also, ich vergesse grundsätzlich immer, Sie
über eingegangene Anrufe zu informieren?“ Nun geht es um einen konkreten
Vorwurf – und da dieser meistens nicht aufrechterhalten werden kann,
können Sie ohne längere Diskussionen getrost wieder Ihrer Arbeit
nachgehen.
Und wenn jemand ständig versucht, den Spieß umzudrehen und Kritik mit
Gegenkritik entwertet? Dann setzen Sie auf die Methode „eins nach dem
anderen“ und erklären Sie Ihrem Gesprächspartner, dass zuerst das
begonnene Thema – nämlich Ihre Kritik an ihm – und dann das nächste
Thema – also seine Kritik an Ihnen – auf der Tagesordnung steht. Damit
haben Sie ihm seine Strategie vermasselt und Sie werden sehen: Von
seinen Punkten bleibt nicht viel übrig, weil sie nicht fundiert waren,
sondern nur von eigenen Schwächen ablenken sollten.
Wenn zwei sich streiten...
Freut sich der Dritte? Hält man sich besser raus? Zuerst einmal sollte
ein Streit unter vier Augen und nicht mit Publikum geführt werden.
Passiert es aber doch, sollte man als Außenstehende(r) schlichtend
eingreifen, bevor die Angelegenheit eskaliert. Das klappt allerdings
nur, wenn man selbst richtig streiten kann, weil die gleichen Prinzipien
gelten. Versuchen Sie die Streithähne zu beruhigen. Bitten Sie sie,
sachlich zu argumentieren und sich nicht gegenseitig durch
Pauschalierungen herabzusetzen oder durch Diffamierungen zu verletzen.
Wenn Sie sich auf dieser Ebene einmischen, ergreifen Sie thematisch
keine Partei und es besteht nicht die Gefahr, dass Sie plötzlich zum
„Mitstreiter“ werden.