LeitzKnowHow

Stimmtraining

 

Die Wirkung der Stimme wird meist unterschätzt. Vor wichtigen Meetings kontrollieren wir unser Outfit, ordnen Skripte und Notizen, überprüfen, ob die Präsentationstechnik richtig funktioniert. Aber wer macht schon vor einer Besprechung Stimmübungen? Dabei würde sich dies durchaus lohnen – denn ein Drittel der Wirkung, die wir auf andere haben, erzielen wir mit der Stimme.

Kennen Sie Ihre eigene Stimme?
Die meisten Menschen sind überrascht, wenn sie sich selbst zum ersten Mal auf einem Ton- oder Videoband hören. Denn wir nehmen unsere eigene Stimme anders wahr als unsere Mitmenschen. Zum Einen, weil wir uns selbst nicht nur mit den Ohren, sondern auch über den eigenen Körper hören. Zum Anderen, weil uns unsere eigenen Sprechticks seit langem vertraut sind und wir uns an sie gewöhnt haben.

Sprechen Sie also einen Text auf Band. Versuchen Sie dabei, möglichst normal zu reden. Bitten Sie eventuell Kollegen, sich die Aufnahme anzuhören, denn sie können besser beurteilen, ob sie immer so klingen. Sicherlich wird Ihnen einiges auffallen, was Sie bisher noch nie bemerkt haben...

Das Handicap der Frauen
Während tiefe, volle Stimmen seriös wirken, klingen helle, hohe Stimmen leicht hysterisch und dringen vor allem in großen Räumen nicht so gut durch. Will man trotzdem wahrgenommen werden, beginnt man zu schreien und verstärkt dadurch den schrillen Eindruck noch weiter. Wenn Sie – wie die meisten Frauen – eine eher hohe Stimme haben, hilft oft ein einfacher Trick: Reduzieren Sie Ihr Sprechtempo – Sie sprechen dann automatisch in einer etwas tieferen Stimmlage.

Um Ihre optimale Tonlage zu finden, machen Sie am besten (natürlich im „stillen Kämmerlein“) eine Kaubewegung und beginnen Sie dann, entspannt in sie hinein zu summen und schließlich zu sprechen.
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Auch die Körperhaltung beeinflusst Ihre Stimme. Eine aufrechte, offene Haltung lässt sie voller und klarer klingen. Alltägliche Angewohnheiten, wie z.B. den Hörer unter das Kinn zu klemmen, spannen Hals- und Kiefermuskulatur an. Dadurch wird erstens Ihre Aussprache undeutlicher und zweitens wirkt auch die Stimme gepresst.

Leiern wirkt einschläfernd
Ob am Telefon, im direkten Dialog oder bei einem Vortrag: Vermeiden Sie monotones Sprechen! Sie wirken dadurch desinteressiert. Wenn Sie selbst gelangweilt sind, warum sollte dann Ihr Gesprächspartner gespannt Ihren Äußerungen lauschen? Modulieren Sie Ihre Stimme: Betonen Sie wichtige Worte, bauen Sie kleine Sinnpausen ein, variieren Sie die Lautstärke. Abwechslung erschwert selbst müden Zuhörern das Einschlafen. Überlegen Sie vorher, was Sie sagen wollen und machen Sie sich eventuell kurze Stichworte. Nur so können Sie einen Spannungsbogen aufbauen, der ganz nebenbei auch vermittelt, dass Sie wissen, wovon Sie reden. Das gelingt Ihnen leichter, wenn Sie Ihr Sprechtempo reduzieren: Sie haben mehr Zeit zum Nachdenken, können unnötige Pausenfüller wie „äh“ oder „hm“ vermeiden – und Ihr Gesprächspartner kann Ihnen besser folgen. Das gilt übrigens auch für lange Schachtelsätze, die Ihnen und Ihren Zuhörern das Leben nur erschweren. Intellekt beweist man über den Inhalt und nicht über den Satzbau!

Geben Sie Zuhörern die Chance, Sie zu verstehen!
Grundsätzlich sollten Sie sich bemühen, möglichst keinen – oder zumindest keinen ausgeprägten – Dialekt zu sprechen. Denn das erschwert es Gesprächspartnern aus anderen Landesteilen oder dem Ausland, Sie zu verstehen. Bemühen Sie sich um eine deutliche Aussprache. Aber: Bleiben Sie authentisch!
Wenn Sie dazu neigen, undeutlich zu sprechen, hilft eine einfache Übung, die Sie alleine zu Hause machen können: Beißen Sie mit den Schneidezähnen auf einen Korken und versuchen Sie dann, verständlich „um den Korken herum“ zu sprechen. Mit der Zeit wird sich Ihre Aussprache auch ohne Korken hörbar verbessern!

Erst einmal tief Luft holen
Sie kennen es: Vor wichtigen Gesprächen atmen wir oft erst einmal tief durch. Das macht durchaus Sinn, denn auch durch Ihre Atmung können Sie Ihre Stimme beeinflussen. Diese tiefe Atmung, besonders das vollständige Ausatmen, entspannt die Stimmmuskulatur. Ebenso wie das Gähnen bewirkt sie, dass Ihre Stimme voller und klarer wird. Während eines Gesprächs sollten Sie allerdings ganz normal atmen – zu tiefes Einatmen spannt den Brustkorb an und lässt Ihre Stimme ebenfalls gepresst wirken. Außerdem atmen Sie instinktiv genau so tief ein, wie es zum Sprechen notwendig ist.

Übrigens brauchen auch Stimmbänder eine gewisse Zeit, um „wach“ zu werden. Sie müssen zuerst Beläge, die sich über Nacht auf ihnen angesammelt haben, wieder loswerden. Legen Sie also planbare, wichtige Gespräche möglichst nicht auf den frühen Vormittag.

Die Stimme wirkt nicht allein
Natürlich kommt es nicht nur auf die Stimme, sondern auch auf das „Drumherum“ an. Sie werden nur dann überzeugen, wenn Mimik, Gestik und Stimme zusammenpassen und Sie gepflegt und angemessen gekleidet auftreten.

Bauen Sie einen Blickkontakt zu Ihren Zuhörern auf, und versuchen Sie, ihn zu halten. Sie binden dadurch deren Aufmerksamkeit wesentlich stärker an sich, als wenn Sie ins Leere sprechen und wirken zudem sicherer und überzeugender. Wenn Ihnen mehrere Personen gleichzeitig zuhören, sollten Sie nicht ziellos im Kreis herum blicken, sondern ganz bewusst den Blickkontakt nur auf eine Person richten, um sich dann beim folgenden Satz oder Inhaltspunkt dem nächsten Zuhörer zuzuwenden.
Generell gilt: Nehmen Sie sich Zeit! Konzentrieren Sie sich zunächst auf EINE der oben genannten Übungen und versuchen Sie, Ihr Sprechverhalten diesbezüglich zu verändern. Wenn Sie alles auf einmal in Angriff nehmen, werden Sie feststellen, dass Sie sich nur noch darauf konzentrieren, WIE sie sprechen und nicht mehr darauf achten, WAS Sie eigentlich sagen wollen. Und das sollte man sicher vermeiden.