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Städte in Indien

 

Auf einem Quadratkilometer wohnen in Indien durchschnittlich rund 350 Menschen – in Deutschland ist die Bevölkerungsdichte um rund ein Drittel geringer. Dabei ist Indien flächenmäßig mit rund 3.300.000 Quadratkilometern das siebtgrößte Land der Erde. Von Süden nach Norden sind es etwas mehr und von Westen nach Osten etwas weniger als 3.000 Kilometer bis zur Grenze. Zum Vergleich: Deutschland ist neunmal kleiner.

Hauptstadt Indiens ist Neu-Delhi mit etwas über 300.000 Einwohnern. Sie befindet sich gleich neben der mit rund elf Millionen Einwohnern ungleich größeren Stadt Delhi, weshalb man beide oft unter dem Namen Delhi zusammenfasst. Mit 13 Millionen Einwohnern größte Stadt und wirtschaftliches Zentrum des Subkontinents ist allerdings Mumbai, bis 1995 unter dem Namen Bombay bekannt. Mit fünf Millionen Einwohnern an dritter Stelle steht die Stadt Bengaluru – bis 2006 hieß sie Bangalore. An vierter Stelle folgt mit rund 4,5 Millionen Einwohnern Kolkata, früher Kalkutta. Chennai schließlich – bis 1996 Madras – vervollständigt mit 4,3 Millionen Einwohnern das Quintett der fünf größten Städte Indiens.

Wenn Sie irgendwo andere Zahlen lesen, dann wundern Sie sich nicht. Das liegt unter anderem daran, dass man nie so genau sagen kann, wo die Stadt aufhört und die Region beginnt – wie bei chinesischen Städten auch.
Mumbai (Bombay) – Stadt des Aufschwungs
Tempel, Kirchen und Moscheen, Slums, Wolkenkratzer und englische Kolonialhäuser: Das kontrastreiche Mumbai ist die eigentliche Hauptstadt, das Kulturzentrum und außerdem die europäischste Stadt Indiens. Hier hat sich die größte Filmindustrie der Welt entwickelt: Bollywood. Hier befindet sich der wichtigste Hafen des Landes, der zu Kolonialzeiten die Verbindung nach Großbritannien bot und ohne den der Baumwollhandel und die Textilindustrie nicht die wichtige Rolle spielen würden, die sie bis heute besetzen. Und hier findet man einen Bahnhof, den Chhatrapati Shivaji Terminus, der als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet ist und außerdem zu den größten der Welt zählt. Von Mumbai aus kommt man per Bahn ins Hinterland, und insofern ist die Stadt auch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.

Mehr als die Hälfte der Bewohner lebt in Slums, ohne Strom, Wasser und ohne Kanalisation. Wenn nach monatelanger Trockenheit der Monsun einsetzt, kommt es immer wieder zu Überschwemmungen – Frischwasser mischt sich mit Abwasser, Abfall schwimmt durch die Straßen. Krankheiten brechen aus. Wäscht kein Regen die Luft, macht der Feinstaub Probleme. Autorikschas, alte Busse, Autos und Mopeds, Heizungen von Privathaushalten und Industrieanlagen blasen Ruß und CO2 in die Luft und rauben den Menschen buchstäblich den Atem – Bronchialerkrankungen sind die Folge.
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Delhi – Stadt der Politik
Delhi, die Stadt mit der tausendjährigen Geschichte und den vielen Sehenswürdigkeiten befindet sich am Rande der Ganges-Ebene und ist kultureller Mittelpunkt der Hindis. Der Ort besteht aus zwei Teilen: (Alt-)Delhi und Neu-Delhi.

Im alten Delhi findet man die typischen orientalischen Viertel mit verwinkelten Gassen und Souks, Tempeln und anderen historischen Gebäuden. Neu-Delhi wurde von britischen Architekten 1931 am Reißbrett als symmetrische Gartenstadt geplant. Hier gibt es breite Boulevards, Parks und Villen mit großen Gärten. In Neu-Delhi hat das indische Parlament seinen Sitz und der Präsident residiert hier in einer ehemals königlichen Residenz, dem Rahtrapati-Bhawan Palast.

Bengaluru (Bangalore) – das indische Silicon Valley
Bengaluru ist zum einen Zentrum der indischen Luft- und Raumfahrtindustrie. Zum anderen haben sich hier über 1.500 nationale und internationale IT- und Biotechnologie-Unternehmen niedergelassen. Wenn man sich bei uns immer wieder erzählt, dass die Buchhaltung großer Unternehmen nach Indien ausgelagert oder dass man beim Wählen einer Hotline-Nummer in Indien landen würde, dann meint man konkret die Stadt Bangalore, das ökonomische Aushängeschild Indiens – das oft auch als Back Office der Welt bezeichnet wird.
Bangalore oder Bengaluru hat noch einen dritten Namen: Wegen der vielen Parks wird der Ort auch „Gartenstadt“ genannt. Sehenswert sind das Parlament und der Gerichtshof sowie einige Tempel. Wer weniger auf Kultur Wert legt und lieber dem Konsum frönen will, der findet Einkaufsmöglichkeiten wie im Westen, Bars und Restaurants sowie Kinos und Clubs. Andererseits gibt es in Bengalore weiterhin Slums, keinen öffentlichen Nahverkehr – aber dafür das entsprechende Verkehrschaos mit Mopeds, Autorikschas und dazwischen hin und wieder einer freilaufenden Kuh. Wie in anderen indischen Städten ist auch hier die Umweltverschmutzung ein großes Problem – ob Wasser, Land oder Luft. Die IT-Unternehmen stört es nicht, wenn mal wieder der Strom ausfällt. Sie haben sich abgeschottet und leben in ihrer eigenen Welt. Die Kluft zwischen arm und reich ist groß, auch wenn man vom Golfplatz zur Lehmhütte nicht weit gehen muss.
Kolkata (Kalkutta) – Stadt der kulturellen Vielfalt
Von seinen Bewohnern wird Kalkutta „Stadt der Freude genannt“. Wir Europäer verbinden den Namen eher mit Slums, Armut und Mutter Teresa. Alle haben recht.

In den ersten Jahrhunderten nach der Gründung des Fischerdorfs Kalikata – die Engländer machten daraus Kalkutta – im Jahre 1495 ging es der Stadt sehr gut. Wegen ihres Zugangs zum Meer wurde sie zu einer florierenden Handelsmetropole. Bis 1911 war Kalkutta denn auch Hauptstadt der Kolonie Britisch-Indien; hier residierte der britische Vizekönig. Die Paläste und alten Verwaltungsgebäude, die man in Kalkutta findet, stammen aus dieser Zeit. Heute ist Kalkutta das intellektuelle Zentrum Indiens – und eine der schmutzigsten Großstädte der Welt.

Im Einzugsgebiet von Kalkutta leben zwischen zwölf und 15 Millionen Menschen. Die meisten sind Tagelöhner, wenn nicht Bettler. Vier Fünftel der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze und leiden Hunger. An einem Seitenarm des Flusses Ganges beten täglich Zehntausende. Hier verbrennen sie ihre Toten. Hier waschen sie ihre Seele rein – in einem Fluss, in dem tote Tiere und Abfall schwimmen, in den Industriegifte eingeleitet werden und der entsprechend verseucht ist.

Aber es gibt auch die andere Seite: In Kalkutta steht die größte Bibliothek des Landes. In der Stadt findet man rund 30 Theater und ebenso viele Museen. Und hier werden nicht die Schnulzen Bollywoods, sondern intellektuelle Autorenfilme gedreht.

Chennai (Madras)
Chennai ist eine Industriestadt mit den Schwerpunkten Textilien, Metallverarbeitung, Fahrzeugbau. Früher war die Stadt ein wichtiges Zentrum des Britischen Empires. Heute gibt es zwar viele Bildungseinrichtungen, ansonsten ist das kulturelle Angebot aber nicht besonders üppig, und das gilt auch für die Sehenswürdigkeiten – sieht man vom Fort Sant George, einem Denkmal der Kolonialzeit, der Altstadt Georgetown und der St. Adrew’s Church ab.

Stand: September 2008
Bild: creativecommons.org