Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!
Merkwürdig: Erst fehlen fünf Euro aus der Kaffeekasse, ein paar Tage
später vermisst jemand seinen schönen Füllfederhalter. Neulich haben Sie
einer Mitarbeiterin zwanzig Euro als Beitrag für ein Geburtstagsgeschenk
auf den Schreibtisch gelegt – ganz sicher. Doch das Geld ist weg. Und
dann sucht ein Kunde nach seinem Portemonnaie und vermutet, dass es ihm
mittags beim Italiener abhanden gekommen ist. Doch irgendwann ist klar,
dass es für alle Vorkommnisse nur eine einzige Erklärung gibt: Jemand
klaut.
Und nun? Wie können Sie reagieren?
Wenn Sie einen Diebstahl bemerkt haben
Sprechen Sie mit niemandem darüber, solange sich Ihre Annahme nicht
bestätigt hat. Denn wenn erst mal Verdächtigungen und Gerüchte im Raum
stehen, gibt es ziemlich sicher auch unschuldige Opfer – und das
Porzellan, das dabei zerschlagen wird, ist kaum mehr zu kitten.
Halten Sie erst einmal Augen und Ohren offen und spielen Sie Sherlock
Holmes. Wann genau sind die Wertsachen verschwunden? Wer hatte Zugang zu
den Büroräumen? Beziehen Sie auch Aushilfen, Boten und Putzfrauen in
Ihre Überlegungen mit ein, schließen Sie aber alle anderen deshalb nicht
gleich aus. Hat sich an besagten Tagen eine Person besonders auffällig
benommen? Waren alle bis auf einen Mitarbeiter schon mal Opfer? Arbeitet
jemand zu ungewöhnlichen Zeiten, obwohl es gar nicht notwendig wäre? Hat
jemand Geldsorgen?
Eine schwierige Aufgabe, denn immerhin stehen Sie in einem engen
Vertrauensverhältnis zu Ihren Mitarbeitern. Eigentlich trauen Sie
niemandem zu, dass er sich am Eigentum anderer vergreift – und doch muss
es jemand getan haben.
Wenn sich der Verdacht erhärtet
Hüten Sie sich vor vorschnellen Beschuldigungen. Nichts ist
verletzender, als unschuldig verdächtigt zu werden! Warten Sie, bis Sie
wirklich sicher sind, dass Sie den Richtigen identifiziert haben. In
einem kleinen Team wird das wahrscheinlich ohnehin nicht lange dauern.
Wenn Sie jetzt über die Installation einer Kamera nachdenken, sollten
Sie wissen, dass solche Überwachungsmaßnahmen zwar grundsätzlich erlaubt
sind, falls der Schuldige jedoch gegen die folgende Kündigung vor
Gericht zieht, gelten Videos und Fotos nicht als Beweise. Sie müssen die
Schuld des Klägers auch ohne das so gewonnene Bildmaterial nachweisen
oder zumindest den eindeutigen Verdacht rechtfertigen können.
Noch mal Gnade vor Recht ergehen lassen?
Wenn eindeutig klar ist, wer die Diebstähle begangen hat, dann ist es
verständlich, wenn Sie sich eine Zusammenarbeit mit dem Betreffenden
nicht mehr vorstellen können.
Eine fristlose Kündigung ist schon bei objektivem, dringendem
Tatverdacht gültig,
- wenn der Betriebsrat (sofern es einen gibt) zugestimmt hat,
- wenn Ihr Vertrauen soweit erschüttert ist, dass eine weitere
Zusammenarbeit unmöglich wäre,
- wenn Sie dem Verdächtigen vor der Kündigung eine Stellungnahme gewährt
haben,
- wenn Sie alles unternommen haben, um die Sache endgültig aufzuklären,
- wenn die Kündigung spätestens zwei Wochen nach Beendigung Ihrer
Ermittlungen eingegangen ist und der Verdacht nicht ausgeräumt werden
konnte,
- und wenn Ihre fristlose Kündigung schriftlich eingegangen ist.
Sie müssen also auf jeden Fall mit Ihrem Mitarbeiter sprechen – und das
gebietet auch die Fairness. Geben Sie ihm die Chance zu gestehen und
sich zu entschuldigen, und hören Sie sich seine Beweggründe an.
Vielleicht befindet er sich in einer schweren Krise und wusste nicht
mehr weiter?
Wenn auch nach dieser Unterredung das Vertrauensverhältnis so gestört
ist, dass eine weitere Beschäftigung undenkbar erscheint, Sie aber
eigentlich immer ein gutes Verhältnis zu dem Betreffenden hatten, können
Sie ihm anstelle einer fristlosen eine fristgerechte Kündigung oder die
Auflösung des Arbeitsverhältnisses in gegenseitigem Einvernehmen
anbieten.
Natürlich können Sie ihm auch vorschlagen, selbst zu kündigen, dann hat
er es leichter, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Doch Ihr Team wird
sehr wahrscheinlich nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten wollen. Und
deshalb werden Sie ihn für die verbleibende Zeit freistellen müssen. Da
gilt es abzuwägen, ob Sie diese Kosten wirklich auf sich nehmen möchten!
Sicher ist sicher!
Wer nicht von Vorneherein die Augen vor der Realität verschließt und
denkt: „In meiner Firma wird so etwas niemals vorkommen!“, der kann sich
mit wenigen Vorsichtsmaßnahmen viel Stress, Enttäuschungen und Ärger
ersparen.
Lassen Sie keine Wertsachen offen rumliegen – so führen Sie niemanden in
Versuchung. Wenn Sie Ihr Büro für längere Zeit verlassen, sollten Sie
Ihre Tasche entweder mitnehmen oder im Schreibtisch einschließen. Bitten
Sie alle Mitarbeiter, sich ebenso zu verhalten.
Schließen Sie auch Firmengelder sicher weg – ob es sich um Einnahmen,
Wechselgeld oder die Kaffeekasse handelt.
Wenden Sie sich bei der Einstellung von Aushilfen oder Putzfrauen an
seriöse Agenturen, denen Sie vertrauen. Die jeweilige Agentur verfügt
über alle Daten der entsprechenden Person, überblickt, ob noch in
anderen Betrieben, in denen die Person tätig war, gestohlen wurde und
wenn der Verdacht bestätigt wird, muss sie die Haftung übernehmen.
Achten Sie darauf, dass Fremde sich in Ihren Büroräumen nicht
unbeaufsichtigt aufhalten können. Seien Sie vor allem misstrauisch, wenn
plötzlich jemand auftaucht, um sich zum Beispiel nach einem Job zu
erkundigen oder irgendetwas zu verkaufen und dabei versucht, zu den
Büroräumen zu gelangen!