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Millionenstädte in China

 

Wer zum ersten Mal hört, dass es in China 166 Großstädte mit mehr als einer Million Einwohner gibt, kann es kaum glauben. Es stimmt aber tatsächlich. Allerdings lässt sich die hohe Zahl damit erklären, dass die Verwaltungsgebiete in China anders als bei uns organisiert sind. Zum Stadtgebiet zählt nicht nur die eigentliche Stadt, sondern auch die umliegende Region. Und das hat zur Folge, dass ein Stadtgebiet oft die Fläche eines deutschen Bundeslandes umfasst.

Nimmt man diese politische Grenze tatsächlich als Maßstab, dann ist die Stadt Chongqing mit ihren 32 Millionen Einwohnern die größte Stadt der Welt. Sie verteilen sich allerdings auf ein Gebiet, das größer ist als Bayern. Zählt man ausschließlich die Bewohner der Metropole Chongqing, dann kommt man „nur“ auf rund fünf Millionen Einwohner – das sind aber immer noch 1,5 Millionen mehr als Berlin aufweisen kann, die größte Stadt Deutschlands. Zudem wird Chongqing, was die Einwohnerzahl im eigentlichen Stadtgebiet betrifft, noch von etlichen anderen chinesischen Städten übertroffen. Zum Beispiel von Peking mit um die zwölf Millionen und von Shanghai mit über zehn Millionen Einwohnern. Zum Vergleich: Moskau ist mit zehn Millionen Einwohnern die größte Stadt Europas. In London wohnen 7,5 Millionen Menschen.

Berücksichtigt man nur das tatsächliche Kerngebiet der Städte, kommt man immer noch auf die stolze Zahl von um die 50 chinesischen Metropolen mit mehr als einer Million Einwohnern – die genaue Zahl schwankt, weil viele Städte sehr schnell wachsen. Man schätzt, dass die Urbanisierung in China von derzeit knapp 40 Prozent bis 2050 auf rund 75 Prozent steigen wird. Die meisten Metropolen liegen an der Ostküste.
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Shanghai
Die Küstenstadt Shanghai ist als Finanz- und Industriezentrum mit dem größten Containerhafen der Welt die reichste Stadt Chinas. Und Shanghai ist die Stadt, die sich in den letzten zehn Jahren mehr als jede andere Stadt der Welt gewandelt hat. Obwohl Shanghai auf eine jahrtausendelange Geschichte verweisen kann, gibt es kaum noch Gebäude, die älter als 20 Jahre sind – dafür aber mehr als 2.000 nagelneue Wolkenkratzer. Der 420 Meter hohe Jinmao-Turm ist das dritthöchste Gebäude der Welt. Shanghai, eine junge, moderne und internationale Stadt, in der sich Menschen aus aller Welt treffen, wird in den nächsten Jahren um weitere fünf Millionen Einwohner wachsen – für Europäer unvorstellbar.

Peking
Peking – oder richtiger Beijing – ist die politische und kulturelle Hauptstadt der Volksrepublik China: wie auch der Name schon sagt. Denn Bei heißt auf deutsch Norden und Jing bedeutet übersetzt Hauptstadt. Der Name Beijing lässt sich also mit „Nördliche Hauptstadt“ übersetzen. Die Stadt kann auf eine über dreitausendjährige Geschichte zurückblicken – und entsprechend groß ist das Kulturerbe.

Von der Verbotenen Stadt mit dem ehemaligen Kaiserpalast, der von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte wurde, haben sicher die meisten schon etwas gehört. Sehr sehenswert ist auch der Tiananmen-Platz, also der Platz des Tors des himmlischen Friedens, der allerdings zu trauriger Berühmtheit gelangte, weil dort 1989 rund 3.000 Menschen getötet wurden, als die chinesische Regierung den Aufstand der Studenten, die sich für mehr Demokratie einsetzten, gewaltsam niederschlug.
Derzeit wird über Beijing vor allem als Austragungsort der Olympischen Spiele berichtet. Das Nationalstadion als deren zentraler Austragungsort wird künftig sicher zu einer der Sehenswürdigkeiten Pekings zählen, denn es in seiner Art weltweit einzigartig. Wegen seiner Form wird es im Volksmund bereits „Vogelnest“ genannt. Entworfen wurde es übrigens von den Architekten, die auch die Münchner Allianz-Arena verantworten. Das Schwimm-Stadion wiederum – größte Schwimmarena der Welt – fällt durch seine ungewöhnliche, blau leuchtende Außenhaut auf, die an Schaum erinnert.

Hongkong
Hongkong, die frühere britische Kronkolonie, die 1997 wieder an die Volksrepublik China zurückgegeben wurde, hat bis heute das höchste Pro-Kopf-Einkommen ganz Asiens. Die Freihandelszone ist für viele Unternehmen der Ort, an dem sie sich niederlassen, um auf dem asiatischen Markt präsent zu sein. Und sie ist ein Shoppingparadies auch für Touristen, die die aus 235 Inseln bestehende Stadt mit ihrer beeindruckenden Skyline gerne besuchen. Die begrenzte Fläche hat allerdings zur Folge, dass Hongkong sehr dicht besiedelt ist – und weil viele ihr Glück dort suchen, es leider aber nicht alle finden, ist Hongkong ein Ort der Gegensätze – des extremen Reichtums und extremer Armut.
Chongqing
Die Buddha-Statuen von Dazu und die drei Schluchten des Yangtse – das sind die Highlights der Stadt, die sich heute gerne „größte Stadt der Welt“ nennt. Manche sagen, sie sei es nicht, weil ein Großteil der Bevölkerung im weiten Umland lebt – doch Chongqing wächst so schnell, dass es gut sein kann, dass sich die Stadt den Titel bald tatsächlich verdient. Denn in den neunziger Jahren beschloss die Regierung, von Chongqing aus das rückständige Hinterland zu entwickeln – und stellte dafür viel Geld zur Verfügung. Im Einzugsgebiet von Chongqing wohnen rund 300 Millionen Menschen, das politische Stadtgebiet hat die Größe Österreichs und ist mit über 30 Millionen Menschen besiedelt – das sind Dimensionen, die man in Deutschland nicht kennt. Und die für Stadtplaner eine echte Herausforderung darstellen. Einen Eindruck davon kann man sich verschaffen, wenn man den Blick von einem der Hügel, auf denen sich die Stadt verteilt, über die Metropole schweifen lässt: Überall sind Baustellen. Stadtautobahnen überbrücken steile Flusstäler – und der hektische Verkehr dominiert alles.

In Chongqing haben sich die Automobil- und die Chemieindustrie niedergelassen und auch die neuen Technologien sind stark vertreten. Entsprechend sind hier deutsche Unternehmen wie BASF, ThyssenKrupp, Siemens, BMW und Automobilzulieferer präsent.
Shenzhen
Shenzhen ist eine unvorstellbar junge Stadt, die in wenigen Jahrzehnten quasi über Nacht aus einem kleinen Fischerdorf entstanden ist. Die chinesische Regierung wollte die Erfahrungen Hongkongs übernehmen und verlieh Shenzhen 1980 probeweise den Rang einer Sonderwirtschaftszone. Aus Brachflächen wurde eine riesige Stadt mit mehr als sieben Millionen Einwohnern. Eine Steueroase, die Investoren aus aller Welt anzieht.

Zum Vergleich: Schon mal was von Ellwangen in Baden-Württemberg gehört? Das ist eine Stadt mit 25.000 Einwohnern. Man stelle sich vor: Ein Kind, das heute dort geboren wird, würde in einer Stadt wohnen, die so schnell wächst, dass sie die Größe Berlins überschritten hätte, noch bevor das Kind die Schule verlassen hat.

Erstaunlicherweise ist Shenzhen eine relativ grüne Stadt – die im Jahr 2000 von einer internationalen Jury zur „internationalen Gartenstadt“ gekürt wurde.

Shenyang
Shenyang ist das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Nordostchinas. Hier, in der ersten Hauptstadt der Qing-Dynastie, lohnt es sich, den einzigen gut erhaltenen Kaiserpalast außerhalb Pekings zu besichtigen. Trotzdem ist die Stadt eher ein Ziel für Geschäftsreisende. Früher war hier vor allem die Stahlindustrie präsent. Heute ist sind Computerhersteller sowie die Pharmazie-, Schiffs- und Automobilindustrie vor Ort. Folglich wird auch in Shengyang überall gebaut. Hochhäuser recken sich in den Himmel; alte Wohnviertel verschwinden nach und nach.
Tianjin
Die alte Industriestadt Tianjin ist das Industrie- und Handelszentrum Nordchinas. Heute sind vor allem Hightech-Unternehmen präsent – fast 4.000 internationale Firmen haben sich hier niedergelassen. Entsprechend wächst der Standort mit seinem großen Container-Umschlaghafen noch schneller als Shanghai.

Tanjin wird auch der „Diamant am Golf von Bo Hai“ genannt. Denn man sieht selbst heute noch, dass die Stadt auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken kann. Und man findet ein interessantes Nebeneinander von historischen Gebäuden und moderner Architektur.

Guangzhou
Guangzhou wird oft als Chinas „Tor zur Welt“ bezeichnet. Das liegt daran, dass hier seit jeher die Canton Fair durchgeführt wird, eine Messe, die vor der Öffnung Chinas die einzige Verbindung zur Welt darstellte. Heute ist nicht nur die Industrie in Guangzhou vertreten, sondern es haben sich auch namhafte Dienstleister niedergelassen. Und so ist die Stadt nach Shanghai und Peking die Metropole mit der größten Wirtschaftskraft.

Xi´an
Xi’an – auf deutsch „Westlicher Frieden“ – war die erste Hauptstadt des Kaiserreichs. Hier findet man neben der berühmten Terrakotta-Armee auch eine fast vollständig erhaltene Stadtmauer. Und hier beginnt die Seidenstraße.

Doch auch in Xi’an steht die Zeit nicht still. In der Stadt mit rund sechs Millionen Einwohnern wird derzeit ein fast zwanzig Quadratkilometer großer neuer Stadtteil geplant – der bereits in wenigen Jahren fertig sein soll. Investiert werden sollen rund 100 Milliarden Euro. In den Planungen findet sich auch eine grüne Oase in der Größe des Central Parks von New York. Ein weiteres Beispiel dafür, dass Chinas Städte innerhalb kürzester Zeit ein völlig neues Gesicht bekommen können.
Harbin
Harbin wird wegen seiner Schneelandschaft und seines Eisskulpturenfestes die „Eisstadt“ genannt. Entsprechend seiner nördlichen Lage wurde es schon Anfang des 20. Jahrhunderts ein Verkehrsknotenpunkt zu Sibirien, Nordostasien und dem Pazifik – und damit eine wichtige Handelsstadt. Und auch Harbin ist gleichzeitig eine sehr alte und eine sehr junge Stadt. Von hier aus regierten vier Kaiser. Ende des 19. Jahrhunderts waren in Harbin schon über 300 internationale Handelsgesellschaften vertreten – heute sind es natürlich erheblich mehr. Außerdem ist die Region eine Kornkammer Chinas. Übrigens gibt es in Harbin insgesamt 24 Hochschulen – um auch einmal zu erwähnen, dass Bildung in China eine wichtige Rolle spielt.

Stand: Juli 2008
Bild: pixelio.de