LeitzKnowHow

Kooperieren? Fusionieren?

 

Warum fusionieren Unternehmen? Im Wesentlichen sind es immer die gleichen Ziele, die angestrebt werden: Man will das Wachstum steigern, seine Marktanteile erhöhen, Synergiepotenziale nutzen, das Know-how verbreitern und/oder seine finanzielle Lage verbessern. Kurz und gut: Man verspricht sich von einem Zusammenschluss einen größeren wirtschaftlichen Erfolg.

Bevor man sich zu einer Kooperation oder gar Fusion mit einem anderen Unternehmen entschließt, sollte man allerdings nicht nur die Vorteile, sondern auch die Risiken genau gegeneinander abwägen.

Vorteile einer Kooperation
Netzwerke und Kooperationen sind die Arbeitsform der Zukunft, da sind sich die Experten weitgehend einig. Denn im Team mit anderen kann man Aufträge abwickeln, die man als kleines Unternehmen nicht bewältigen könnte.

Zeitlich befristete Kooperationen sind in der Regel relativ unproblematisch: Man arbeitet gemeinsam an einem Projekt und geht nach dessen Abschluss wieder getrennte Wege – im günstigen Fall bis zum nächsten Mal, im worst case auf Nimmerwiedersehen.

Deshalb eignen sich diese projektbezogenen Kooperationen auch gut als Test: Funktioniert die Zusammenarbeit ohne Probleme, kann man prüfen, ob eine engere und längerfristige Kooperation nützlich wäre. Denn wirklich alle Vorteile einer Kooperation lassen sich nur ausschöpfen, wenn man sich für längere Zeit zusammenschließt – was nicht bedeutet, dass man gleich ein gemeinsames Unternehmen gründen muss.

Größere Investitionen, die für ein kleines Unternehmen kaum erschwinglich, aber im Verbund leichter zu schultern sind, wird man zum Beispiel in der Regel nur dann gemeinsam tätigen, wenn man auf eine längere Zusammenarbeit baut. In diesem Fall ist ohnehin meist die Gründung einer Bürogemeinschaft sinnvoll, denn schließlich soll jeder die Neuanschaffung gut nutzen können.
embeddedImage


















Außerdem ist es weniger zeitaufwendig, immer mit den gleichen Kopperationspartnern zusammenzuarbeiten. Man kann auf langwierige Vorbesprechungen verzichten, denn man kennt sich und hat eine gemeinsame Basis, auf die man bauen kann. Man weiß die Stärken und Schwächen des anderen einzuschätzen und kann Lehren aus bereits gemeinsam abgewickelten Projekten ziehen.

Drum prüfe, wer sich bindet
Kooperationen dürfen natürlich die Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens nicht behindern. Deshalb – und weil man wie immer in guten Zeiten den schlechten vorbauen sollte – ist es wichtig, bereits zu Beginn einer Kooperation klare Regeln für die Zusammenarbeit zu vereinbaren.

Eine wichtige Voraussetzung für eine gelungene Kooperation ist es, dass beide Partner in etwa gleich stark sind: sowohl ökonomisch, als auch organisatorisch oder was das Wissen und die Erfahrung betrifft. Denn sonst besteht leicht die Gefahr, dass sich eine Seite „untergebuttert“ oder über den Tisch gezogen fühlt. Ebenso wichtig ist es, die gemeinsamen Ziele klar zu definieren und genau zu bestimmen, wer für das Netzwerkmanagement zuständig ist. Es muss von vorneherein ausgeschlossen sein, dass ein Partner sich alle Last auflädt, während der andere gemütlich auf dem Trittbrett mitfährt. Deshalb sollte man klar regeln, wer welche Aufgaben zu übernehmen und wer welche Kosten zu tragen hat. Denn ein Netzwerk bzw. eine Kooperation wird auf Dauer nur dann erfolgreich sein, wenn für beide Partner der Nutzen höher ist, als der Aufwand den sie einbringen müssen.

You are my best friend
Alles hat so schön angefangen. Man kannte sich schon lange, war eng befreundet und dachte, dass man auf dieser Basis hervorragend zusammenarbeiten würde. Doch dann outet sich der beste Kumpel plötzlich als knallharter Zocker oder erbsenzählerischer Geizhals. Und nun geht nicht nur eine geschäftliche Kooperation, sondern dazu noch eine Freundschaft in die Brüche.
Geschäft ist Geschäft. Dieser Grundsatz hat durchaus seine Berechtigung. Und freundschaftliche Bande können durchaus von Nachteil sein. Denn wenn Freunde miteinander arbeiten, geht es eben nicht mehr nur um den gemeinsamen wirtschaftlichen Erfolg, sondern dann spielen auch Emotionen und hohe persönliche Erwartungen mit – und es ist nicht gerade leicht, ihnen eine unbedeutende Nebenrolle zuzuweisen.

Andererseits hängt der Erfolg einer Kooperation in großem Maße davon ab, dass die Partner sich gut verstehen, dass sie die gleichen Überzeugungen teilen und über eine ähnliche Arbeitsauffassung verfügen. Wer sich nicht riechen kann, wird sich auf Dauer nicht täglich ertragen können. Häufig gehen Kooperationen schief, weil diese weichen Faktoren – die soft skills – zu wenig beachtet wurden.

Aus zwei mach eins?
Warum nicht gleich fusionieren, wenn die Kooperation gut klappt? Genauso gut kann man sich natürlich fragen, warum man fusionieren sollte, wenn man auf Kooperationsebene gut zusammenarbeitet.

Bei allen Vorteilen entsteht bei einer Kooperation auch organisatorischer Aufwand. Man arbeitet fast so, als wäre man eine Einheit, muss aber zwei Buchhaltungen führen und alles gegeneinander abrechnen. Würde es sich da nicht anbieten, gleich ein gemeinsames Unternehmen zu gründen?

Bevor man sich hierfür entscheidet, sollte man bedenken, dass man dann vielleicht einige organisatorische Probleme löst, dafür aber andere bekommt. Denn nun entstehen neue Fragen: Gründet man eine GbR oder besser eine GmbH? Wer übernimmt die Geschäftsführung? Und bekommen beide Partner die gleichen Anteile?
Auch wenn man lange gut miteinander kooperiert hat, muss das nicht heißen, dass man auch in einem gemeinsamen Unternehmen gut miteinander auskommt. Konnte man bisher frei für sich entscheiden, muss man sich nun mit seinem Partner einigen. Konnte man über unterschiedliche Standpunkte bisher hinwegsehen, ist dies nun nicht mehr so leicht möglich. Und wenn man sich nicht mehr versteht, ist es schwer, das Ganze wieder auseinander zu dividieren.

Deshalb gilt auch hier: Je genauere Absprachen und Regelungen man im Vorfeld trifft, um so besser kann man Konflikte vermeiden oder lösen. Sprechen Sie also mit Ihrem potenziellen Partner alles genau durch und kehren Sie keine offenen Fragen unter den Teppich, weil sie Ihnen unangenehm sind oder Sie einen Streit befürchten. Irgendwann wird der Fall der Fälle eintreffen und Sie mit Wucht einholen. Und dann haben Sie es viel schwerer, das Problem zu lösen, als im Vorfeld, wenn es nur um ein „Was wäre, wenn“ geht.