Wer brennende Äste auf einer trockenen Wiese unbeachtet lässt, braucht
sich nicht zu wundern, wenn sich daraus ein gefährliches Feuer
entwickelt, das nicht oder kaum mehr einzudämmen ist. Wer jedoch einen
Steinkreis darum legt, kann es ruhig anfachen: Es wird ein schönes
großes Lagerfeuer entstehen, am dem man wunderbar grillen und sich
wärmen kann.
Sie fragen sich, was das mit dem Thema Konfliktbewältigung zu tun hat?
Das Beispiel lässt sich übertragen: Wer einen Konflikt tage-, wochen-
oder sogar monatelang unausgesprochen vor sich hin köcheln lässt, wird
bald feststellen, dass er destruktiv wirkt und kaum mehr zu lenken und
zu begrenzen ist. Kümmert man sich jedoch darum, können in dem daraus
entstehenden Diskussionsprozess kreative Ideen entstehen, die zu
Lösungen führen, auf die man sonst nie gekommen wäre.
Gerade, wenn man Streit fürchtet und sich Harmonie wünscht, heißt die
erste Maxime bei der Konfliktbewältigung deshalb:
So bald wie
möglich darüber sprechen!
Worum geht es?
Bevor Sie allerdings spontan agieren, sollten Sie kurz innehalten und
sich klar machen, worum es eigentlich geht. Denn es gibt verschiedene
Arten von Konflikten, und es kann durchaus hilfreich sein, sich bewusst
zu machen, um was für einen Konflikt es sich handelt.
Inhaltliche Konflikte sind Meinungsverschiedenheiten. Die
beteiligten Parteien vertreten unterschiedliche Standpunkte. Wenn es
wirklich nur um die Inhalte geht, dürfte das kein größeres Problem sein.
Selbst wenn die Diskussion länger dauert und mit Vehemenz ausgetragen
wird, sollte eine Lösung möglich sein.
Wertkonflikte entstehen, wenn die Beteiligten unterschiedliche
Werte vertreten. Da es sich hier um grundlegende Einstellungen handelt,
die niemand mir nichts dir nichts über den Haufen wirft, ist diskutieren
sinnlos. Toleranz ist gefragt.
Bei Struktur- oder Machtkonflikten geht es nicht um Inhalte oder
Werte, sondern um das soziale Gefüge. Sie entstehen zum Beispiel, wenn
jemand nicht inhaltlich argumentiert, sondern seine Machtposition
ausnutzt, um sich durchzusetzen. Sie können aber auch entstehen, wenn
jemand aufsteigen möchte und sich deshalb in den Vordergrund drängt. In
diesem Fall ist es wichtig, die Spielregeln festzulegen und die
Strukturen offen zu legen.
Was sind meine Bedürfnisse?
Wenn Sie sich die Art des Konfliktes bewusst gemacht haben, sollten Sie
über Ihre eigenen Gefühle nachdenken. Und sich dann Ihre Bedürfnisse
bewusst machen. Was stört Sie? Warum? Was möchten Sie ändern? Daraus
abgeleitet können Sie dann eine Bitte formulieren.
Auf jeden Fall sollten Vorwürfe und Schuldzuweisungen vermieden und
niemand persönlich angegriffen werden. Im Mittelpunkt steht das Problem,
nicht die Person. „Sie lassen mich immer hängen und ich muss es dann
ausbaden.“ Wer mit einem derartigen Vorwurf konfrontiert wird, wird sich
wehren – und so entsteht ein Schlagabtausch, der sehr wahrscheinlich
bald eskaliert. Die Aussage als Bitte formuliert – wie zum Beispiel „Ich
bin völlig überlastet. Ich möchte, dass wir über die Arbeitsaufteilung
sprechen“ – ermöglicht eine sachliche Diskussion.
Auch abwertende Äußerungen wie „Weil Sie es nicht blicken, sinkt das
Ansehen des gesamten Teams“ führen zu nichts. Denn diese Aussage wird
sicher nicht zu einer Steigerung der Arbeitsleistung des derart
angesprochenen Kollegen führen. Es geht darum, etwas zu gewinnen – und
nicht den anderen zu vernichten. „Wie können wir die Arbeit aufteilen,
damit wir als Team erfolgreich sind“ wäre also eine sinnvollere
Herangehensweise.
„Sie haben ihren Teil bis morgen zu erledigen. Basta. Wie Sie das machen
ist Ihr Problem.“ Anstatt Druck auszuüben, sollte man besser mit
Argumenten überzeugen. Wer versteht, was von der Einhaltung eines
Termins abhängt, wird sich motivierter ins Zeug legen.
„Das ist ja ein völlig irrationales Argument. Ich habe Ihnen doch eben
erklärt, dass es nur so und nicht anders geht.“ Sich früh auf die eigene
Position rechthaberisch festzulegen und andere Sichtweisen einfach zu
ignorieren, führt zu Streit und Unzufriedenheit im gesamten Team – und
es verhindert jede konstruktive Diskussion, die neue Wege eröffnen kann.
Und dann gibt es natürlich noch die Totschlagargumente, die jede
fruchtbare Diskussion im Keim ersticken, nicht zur Konfliktlösung
beitragen und deshalb tabu sein sollten. Einige Beispiele: Das haben wir
schon vor zehn Jahren probiert, und es hat nicht funktioniert. Das ist
bei uns nicht üblich. Das können Sie gar nicht wissen. Das ist eine
Schwachsinnsidee. Dazu fehlt Ihnen die Erfahrung. Das geht wirklich
nicht. Sie haben wohl nicht genug zu tun. Das klappt nie.
Derartige Äußerungen sollte man nicht durchgehen lassen. Was vor zehn
Jahren nicht geklappt hat, kann heute durchaus ein richtiger Weg sein.
Schließlich hat sich die Welt gewandelt. Was bisher nicht üblich war,
sollte vielleicht gerade deshalb eingeführt werden, denn neue Wege
bringen neuen Schwung. Wenn jemand etwas nicht wissen kann, weil ihm die
Erfahrung fehlt, sollte man ihn informieren – und nicht aus der
Diskussion ausschließen. Zudem hat er vielleicht andere Erfahrungen, die
hilfreich sein können. Und die Einwürfe „das geht nicht“ oder „das
klappt nie“ können mit einem einfachen „warum?“ gekontert werden.
Noch ein Tipp: Gehen Sie mit dem Wörtchen „aber“ sorgfältig um. Denn es
provoziert Widerstand. „Das haben Sie gut gemacht, aber...“ „Das ist
eine gute Idee, aber...“ „Das können wir schon so machen, aber...“ Der
erste Halbsatz wird durch das „Aber“ abgewertet. Man wartet geradezu auf
die Kritik, die jetzt folgen wird – und fährt zur Abwehr schon mal die
Krallen aus. Mit einer Formulierung wie „Das ist eine gute Idee. Wie
wäre es, wenn...“ können sie das vermeiden.
Wenn’s immer schlimmer wird
Manchmal ist die Situation so verfahren, dass die Beteiligten keinen
Ausweg mehr finden. Dann muss Hilfe von außen gesucht werden. Gefragt
ist eine neutrale Person, die moderierend eingreifen kann und – ohne zu
werten oder Partei zu ergreifen – den Beteiligten hilft, selbst eine
Lösung zu finden. Wenden Sie sich an Ihren Vorgesetzten oder den
Betriebsrat, wenn Sie Unterstützung brauchen. Ein Moderator ist für das
Unternehmen allemal kostengünstiger als ein nicht oder schlecht
funktionierendes Team, Mitarbeiter in der inneren Emigration – oder gar
Kündigungen.
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