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Kommunikation zwischen Frauen und Männern


Männer kommunizieren anders. Frauen auch. Sagt man. Wenn wir im Folgenden verallgemeinernde Thesen aufstellen, wollen wir trotzdem weder alle Vertreter des männlichen noch die des weiblichen Geschlechts über einen Kamm scheren, denn in jeder Gruppe gibt es natürlich nicht nur die klassischen „Prototypen“. Aber: Es gibt geschlechtsspezifische Tendenzen, auf die wir uns beziehen, wenn wir von Männern und Frauen sprechen.

Sicherlich entsteht ein Großteil der Missverständnisse bei der Kommunikation, weil Mädchen und Jungs schon früh unterschiedlich geprägt werden: Eltern und Großeltern, Freunde und Lehrer und nicht zuletzt die Medien machen den Heranwachsenden – manchmal auch nur unterschwellig – klar, wie sich ein „richtiges“ Mädchen bzw. ein „richtiger“ Junge zu verhalten hat. Während Jungs zum Beispiel mit Redensarten wie „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ von ihrem Umfeld zu Stärke, Mut und Härte erzogen werden und rüpelhaftes Verhalten mit der Bemerkung „das ist halt ein richtiger Lausbub“ entschuldigt wird, sollen Mädchen liebenswürdig, brav und rücksichtsvoll sein. Statt des Baukastens gibt’s zum Geburtstag die Puppe. Auch in Zeiten der Emanzipation.

So ist es keineswegs verwunderlich, dass Männer in der Regel ihre Gefühle bei der Kommunikation mit den Mitmenschen eher außen vor lassen und weniger kompromissbereit sind, da sie dies als Schwäche werten. Sie bleiben lieber sachlich und haben den Drang, sich zu beweisen. Kolleginnen empfinden dieses Verhalten dann oft als dominant und rechthaberisch.

Die meisten Frauen sind dagegen feinfühliger, handeln emotionaler und fühlen sich bei Kritik schneller persönlich angegriffen. Ihr Streben gilt der Harmonie und deshalb gehen sie Konflikten lieber aus dem Weg. Das hat zur Folge, dass sie von ihren männlichen Kollegen gerne als unsicher, zu gefühlsbetont und inkompetent eingestuft werden.
 
















Der goldene Mittelweg

Während Männer ihre Vorstellungen klar in den Ring werfen und Dinge vorgeben, wollen Frauen andere mit ihrer Position nicht überrumpeln. Sie wollen zunächst die Meinung der anderen herausfinden. Deswegen stoßen ihre männlichen Kollegen auch auf Unverständnis, wenn sie ihnen einen Vorschlag machen, der keinen Widerspruch zulässt. Ein Beispiel: Frau Müller möchte gemeinsam mit ihrem Kollegen Maier ein Fortbildungsseminar besuchen. Mit den Worten: „Also, ich hol dich dann morgen Früh um acht Uhr bei dir zuhause ab“, und einem guten Gefühl, weil er – ganz gentlemanlike – seine Dienste angeboten hat, verabschiedet sich Herr Maier von seiner überrumpelten Kollegin. Diese denkt sich nur: „Typisch Mann. Erkundigt sich weder, ob mir die Uhrzeit passt, noch, ob ich nicht lieber selbst fahren möchte. Ganz abgesehen davon habe ich mir eigentlich geschworen, mich nie wieder in sein Auto zu setzen – er hat einen unmöglichen Fahrstil.“

Wie kann die Kommunikation in Zukunft besser klappen? Herr Maier muss lernen, seine Ideen anders zu formulieren – und zwar als Vorschlag: „Wenn du möchtest, kann ich morgen zum Seminar fahren. Ich könnte so gegen acht Uhr bei dir sein. Ist das okay für dich?“. Frau Müller wiederum muss lernen, ihre Einwände zu äußern sowie Gegenvorschläge vorzubringen: „Eigentlich könnte ich doch mal zur Abwechslung den Chauffeur spielen. Erstens ist es viel näher, wenn ich dich abhole als umgekehrt, und zweitens kann ich dir dann endlich mal mein neues Auto zeigen.“ Der Vorschlag ist schlecht abzulehnen – und sie hat den Kollegen nicht wegen seines Fahrstils angegriffen. Er kann also sein Gesicht wahren.
 
Nur keine falsche Bescheidenheit

Wer hätte es gedacht – Männer wollen zwar gelobt werden, allerdings äußern sie sich selten positiv über andere. Nicht, weil sie deren Arbeit nicht lobenswert finden, sondern weil sie befürchten, als Softie zu gelten, der anderen Honig um den Bart schmiert. Frauen verteilen dagegen häufiger Komplimente – und sei es nur, dass sie ein paar nette Worte für die neue Frisur der Kollegin finden. Lob ist in ihren Augen gut für die zwischenmenschlichen Beziehungen und somit auch für das Betriebsklima.

Umgekehrt ist es Frauen oft unangenehm, wenn sie ein Lob oder ein Kompliment erhalten. Als Frau Müller von ihrem Chef für eine sorgfältig ausgearbeitete Präsentation in der Anwesenheit anderer Mitarbeiter in den höchsten Tönen gelobt wird, ist ihr das peinlich. „Das ist doch nicht der Rede wert, schließlich war es nur meine Arbeit“, spielt sie die anerkennenden Worte – und damit auch ihre Leistung – herunter, anstatt das verdiente Lob mit einem einfachen „Danke“ oder einem Lächeln anzunehmen. Ihr Kollege hingegen wäre sich in der gleichen Situation wie ein Held vorgekommen – er hätte die Ehrung genossen.

Wer nicht fragt bleibt dumm

Kennen Sie diese Redensart? Die meisten Frauen handeln nach ihr, denn sie stellen für gewöhnlich öfter Fragen als Männer – egal, ob es um ein neues Softwareprogramm oder den richtigen Weg geht. Sie finden, man spart Zeit und vermeidet Fehler, wenn man Rat von anderen einholt. Männer dagegen fürchten, durch Fragen Schwäche und Unwissenheit einzugestehen – und damit ihr Image zu beschädigen.
 
Was ist nun besser: Einfach nachfragen oder selbst die Lösung finden? Frau Müller und ihr Kollege Maier scheinen sich auf der Fahrt zum Fortbildungsseminar verfahren zu haben. Deshalb macht Frau Müller den Vorschlag, vorbeigehende Passanten nach dem Weg zu fragen. „Nicht nötig, wir finden die Straße schon“, erklärt Herr Maier hastig und setzt seine Suche auf eigene Faust fort, obwohl das Seminar in wenigen Minuten beginnt. In diesem Fall wäre es sicher ratsam nachzufragen. Es gibt allerdings auch Situationen, in denen zu viele Fragen Sie unsicher wirken lassen – vor allem, wenn Sie mit ein bisschen Nachdenken und Entscheidungsfreude selbst eine Antwort finden könnten. Am besten Sie grenzen Ihre Fragen thematisch ein oder formulieren sie so, dass Sie mit einer Frage gleich mehrere Auskünfte erhalten.

Dann klappt’s auch mit der Kommunikation

Auch wenn Frauen und Männer unterschiedlich kommunizieren, muss das nicht bedeuten, dass sich kein gemeinsamer Nenner finden lässt. Von Führungskräften wird im Übrigen ein Mix von „männlichen“ und „weiblichen“ Eigenschaften erwartet. So spielt neben einer sach- und zielorientierten Arbeitsweise auch die emotionale Intelligenz eine bedeutende Rolle. Um im Berufsalltag überzeugen zu können, bedarf es sowohl der Verbindlichkeit und Zielorientierung als auch des Einfühlungsvermögens und einer positiven Körpersprache.
 
Beachten sollten Sie bei der Kommunikation mit Ihren Mitmenschen übrigens auch die zwei Kommunikationsebenen. Es kommt nämlich nicht nur darauf an, was Sie sagen (inhaltliche Ebene) sondern auch darauf, wie Sie es sagen (persönliche Ebene). Ein barsches „Jetzt nicht!“ signalisiert Ihrem Kollegen oder Ihrer Kollegin zwar eindeutig, dass Sie im Moment beschäftigt sind, wirkt aber zugleich sehr unhöflich und nimmt ihnen den Mut, es später nochmals zu versuchen.

Und zu guter Letzt: Auch aus Kommunikationsproblemen kann man lernen! Wenn Sie die geschlechterspezifischen Kommunikationsmuster erkennen und mit ihnen umgehen können, lassen sich Probleme vermeiden. Unterscheiden Sie zwischen Ihrer Person und der Rolle, die Sie im Berufsleben einnehmen. Und fällen Sie keine pauschalen Vorurteile! Dann klappt’s auch mit der Kommunikation im Büro.