Bei einem Vorstellungsgespräch möchte sich natürlich jeder gern von
seiner besten Seite zeigen und den potenziellen neuen Arbeitgeber von
sich überzeugen. Der wiederum möchte meistens – unter anderem – wissen,
ob Sie auch knifflige Situationen souverän bestehen können und wird
Ihnen deshalb wahrscheinlich entsprechend schwierige Fragen stellen. Es
kommt ihm also erst in zweiter Linie darauf an, ob sie wahrheitsgemäß
antworten. In erster Linie geht es um Ihre Reaktion: Kommen Sie ins
Stottern? Fällt Ihnen erst mal nichts ein? Sind Sie schlagfertig? Kess?
Schüchtern? Selbstbewusst? Defensiv? Bissig?
Stärken und SchwächenDie Frage nach den Stärken und
Schwächen ist fast schon obligatorisch. Sie müssen darauf nicht
grundehrlich antworten, sollten sich jedoch auch nicht völlig
verstellen. Denn wenn Sie den Job schlussendlich bekommen, müssen Sie
das erfüllen, was Sie im Bewerbungsgespräch versprochen haben. Nennen
Sie selbstbewusst Ihre Stärken. Rattern Sie dabei aber nicht die
altbekannte Liste von „Ausdauer“ bis „Zielstrebigkeit“ herunter.
Überlegen Sie vielmehr vorher, welche ganz persönlichen Stärken Sie
hervorheben möchten und wie Sie diese belegen können. Nur so entgehen
Sie der Gefahr, austauschbar zu wirken. Wenn Sie auf Ihre Flexibilität
abheben möchten, können Sie beispielsweise auf Ihren Auslandsaufenthalt
verweisen, bei dem es Sie sich schnell in die neue Situation eingefunden
haben. Und wenn Sie finden, dass Sie ganz besonders gut organisieren
können, sollten Sie auch dies anhand einiger von Ihnen durchgeführter
Projekte belegen.

Und wenn nach Ihren Schwächen gefragt wird? Auch dann müssen Sie ohne
Zögern eine Antwort parat haben. Allerdings sollten Sie das
Bewerbungsgespräch nicht mit einem Beichtstuhl verwechseln und nicht Ihr
Innerstes nach außen kehren. Ein Ausweg kann es sein, fachliche anstelle
von persönlichen Schwächen zu nennen, wie zum Beispiel, dass Sie gerne
Ihre Kenntnisse in einer Fremdsprache verbessern würden (möglichst nicht
gerade englisch), aber sich noch nicht aufraffen konnten, einen Kurs zu
belegen. Auch wenn es Ihnen an fachlicher Erfahrung fehlt, können Sie
dazu stehen – man kann es Ihrem Lebenslauf ohnehin entnehmen – und
gleich hinzufügen, dass Sie sich darauf freuen, im neuen Job viel
dazuzulernen.
In gängigen Ratgebern wird oft empfohlen, Schwächen zu nennen, die
eigentlich eher Stärken sind, wie zum Beispiel, dass man immer alles
perfekt machen möchte oder dass man nichts liegen lassen kann. Dieser
Trick ist inzwischen auf beiden Seiten bekannt – und Sie werden sich
deshalb auf diese Weise wohl kaum aus der Affäre ziehen können.
Warum gerade Sie? Warum gerade bei uns?Diese Fragen wird man
Ihnen garantiert stellen – und Sie sollten Antworten darauf wissen.
„Warum soll ich gerade Sie einstellen? Nennen Sie mir gute Gründe“. Ihre
Antwort kann nur dann überzeugen, wenn Sie die Stellenanzeige genau
studiert und sich vorher überlegt haben, in welchen Punkten Sie den
Anforderungen entsprechen und in welchen nicht (oder nicht exakt).
Die Frage „Warum wollen Sie gerade bei uns arbeiten?“ beantworten zu
können, setzt voraus, dass Sie sich über das Unternehmen, bei dem Sie
sich bewerben, kundig gemacht haben. Und dass Sie sich überlegt haben,
was dieses Unternehmen von anderen unterscheidet.
Warum suchen Sie einen neuen Job? Ob Sie gekündigt wurden
oder den Arbeitgeber wechseln wollen: Sie sollten sich auf keinen Fall
über Ihren früheren Arbeitgeber beklagen – auch wenn Sie allen Grund
dazu hätten. Begründen Sie Ihren Wunsch nach einem neuen Betätigungsfeld
lieber mit Ihren beruflichen Zielen und Interessen.
Wie sind Ihre Gehaltsvorstellungen?Es gibt keinen Weg, sich
um die Antwort auf diese Frage herumzudrücken. Wer es versucht
vermittelt, dass er nicht weiß, was er wert ist. Es bleibt Ihnen also
nichts anderes übrig, als sich vor dem Bewerbungsgespräch zu überlegen,
was Sie für ein Gehalt erwarten und gegebenenfalls zu recherchieren, was
Sie in dieser Position überhaupt erwarten können. Frauen haben mit der
Gehalt-Frage oft besondere Probleme – und das ist einer der Gründe,
warum Frauen durchschnittlich noch immer weniger verdienen als Männer.
Also: Nicht so bescheiden. Nur Mut!
Weitere Fragen, auf die Sie sich vorbereiten können Es
gibt viele weitere Fragen, die in einem Bewerbungsgespräch gerne
gestellt werden, und die man zum größten Teil relativ leicht beantworten
kann, wenn man nicht damit überrumpelt wird. Hier eine Auswahl:
Sind Sie ordentlich?
Welche beruflichen Tätigkeiten erledigen Sie am liebsten? Welche können
Sie nicht leiden?
Welche Entscheidung in Ihrem Leben bereuen Sie? Welche war die
schwierigste?
Was war Ihr Lieblingsschulfach? Warum haben Sie in Ihrem Zeugnis eine so
schlechte Note in Mathe (Deutsch, Sport, Musik...)
Engagieren Sie sich ehrenamtlich?
Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
Was sind Ihre größten Erfolge?
Was ist Ihr größter Misserfolg?
Wie kommen Sie mit Stress und Termindruck klar?
Arbeiten Sie gerne im Team?
Stehen Sie gerne im Mittelpunkt?
Warum haben Sie sich gerade für diese Berufsausbildung entschieden?
Oder: Warum haben Sie gerade diesen Beruf gelernt?
Was hat Ihnen an Ihrem letzten Job besonders gut und was hat Ihnen gar
nicht gefallen?
Sie sind sehr schick angezogen. Kommen Sie immer so zur Arbeit?
Nicht aus der Ruhe bringen lassen, heißt die erste Devise. Und das ist –
zugegebenermaßen – gar nicht so einfach. Aber je besser Sie sich
vorbereitet fühlen, umso leichter können Sie Ruhe bewahren. Und wenn’s
nicht geklappt hat, dann sollten Sie sich damit trösten, dass Sie von
Ihren Erfahrungen profitieren.
RätselEs kann durchaus passieren, dass man Ihnen bei
einem Vorstellungsgespräch Fragen à la „Wer wird Millionär“ stellt,
deren Antwort Sie nicht wissen können. So wollen Personalmanager die
analytischen, logischen oder kreativen Fähigkeiten der Bewerber testen.
Eine derartige Frage könnte zum Beispiel lauten: „Wie viel Kaffee in
Litern wird in Deutschland täglich getrunken?“
Wer weiß das schon? Und was soll man darauf antworten? Erstmal
durchatmen und im Zweifel nachfragen, ob man die Frage richtig
verstanden hat. Dann in Ruhe nachdenken, sich mit der Antwort Zeit
lassen, versuchen, sich dem Problem Schritt für Schritt zu nähern – und
dabei laut denken. Schließlich will Ihr Gesprächspartner ja
herausfinden, wie Sie an Probleme herangehen.
Sie wissen bestimmt, dass Deutschland circa 80 Millionen Einwohner hat.
Man könnte also schätzen, dass ohne Kinder und Teetrinker immer noch die
Hälfte aller Einwohner Kaffeetrinker sind. Dann leiten Sie sich her,
dass in Ihrem Freundeskreis jeder durchschnittlich vier Tassen trinkt –
das könnte rund ein halber Liter am Tag sein. Hochgerechnet würden in
Deutschland folglich 20 Millionen Liter Kaffee am Tag getrunken. Ist das
korrekt? Das spielt eigentlich gar keine Rolle. Worauf es ankommt: Sie
haben bewiesen, dass Sie Probleme angehen und sich nicht einfach mit
einem schulterzuckenden „keine Ahnung“ zurücklehnen.
Was Sie nicht beantworten müssen Natürlich gibt es auch
Fragen, die man nicht beantworten muss. Prinzipiell brauchen Sie nur auf
Themen einzugehen, die Ihre Arbeitsleistung betreffen. Im Ausnahmefall
sind aber auch andere Fragen – wie zum Beispiel nach einer
Schwangerschaft oder Krankheit erlaubt. Zum Beispiel wenn die Arbeit
eine große körperliche Belastung darstellt. Die Entscheidung, ob man die
Antwort verweigert, ist natürlich nicht leicht. Denn tut man es, dürfte
man die Chance auf einen neuen Job vertan haben. Trotzdem sollte man
sich nicht alles gefallen lassen. Denn wenn man schon im
Bewerbungsgespräch unfair behandelt wird, dann ist die Gefahr groß, dass
es im beruflichen Alltag später ähnlich sein wird.
Übung macht den Meister Bereiten Sie sich gut vor. Und
überlegen Sie sich die Antworten auf die Standartfragen schon vorher. Am
besten, Sie üben die Situation vorher mit einem Freund ein. Falls Sie
eine Videokamera besitzen, können Sie die Probe sogar filmen und dann
anschließend analysieren, was Sie hätten besser machen können.
Es kommt allerdings nicht nur auf den Inhalt der Antworten an, sondern
auch auf die Art: Antworten Sie vor Aufregung nicht zu schnell. Gönnen
Sie sich etwas Zeit zum Nachdenken. So strahlen Sie Ruhe aus und wirken
überlegt. Und achten Sie auf Ihre Körpersprache! Statt nervös an der
Bluse zu nesteln oder die Handtasche zu kneten, nehmen Sie lieber einen
Stift in die Hand oder falten Sie die Hände im Schoß. Stellen Sie ruhig
Gegenfragen. So bekunden Sie Ihr Interesse – und haben auch mal Zeit zum
Luftholen.
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