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Gerüchteküche

 

Gerüchte sind ein uraltes Phänomen der menschlichen Kommunikation. Wie sie entstehen, ist schnell erklärt: Jeder Mensch, der bei einem Gespräch Informationen bekommt, selektiert sie automatisch: Er sortiert manches aus, um sich den Rest besser merken zu können. So kann es dazu kommen, dass wichtige oder vielleicht sogar wesentliche Teile der Nachricht verloren gehen. Übrig bleibt eine „Teilwahrheit“, die weitergetragen wird. Der Nächste ändert oder kürzt wieder – oder er schmückt aus. Denn man kann sich nicht nur kurze, sondern auch skurrile, witzige oder unglaubliche Stories besser merken als Alltagsgeschichten. Dazu kommt: Wer Ungewöhnliches zu berichten weiß, dem ist Aufmerksamkeit gewiss und nach der sehnen sich viele Menschen.

Stille Post
Wären Gerüchte nur harmlose Zufallsprodukte, würden die meisten davon nicht viel Schaden anrichten. Doch wie steht es mit denen, die von Kollegen oder Kolleginnen verbreitet werden, um anderen ganz gezielt zu schaden? Oder mit denen, die auf Kosten anderer erzählt werden, nur weil man die Langeweile in der Mittagspause vertreiben will?

„Frau Müller war heute die ganze Mittagspause beim Chef – meint Ihr, die haben was miteinander?“ Mit solchem Tratsch fängt es meistens an und dann geht’s plötzlich ganz schnell. Natürlich erst mal unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit und mit den Worten: „aber erzähl’ s bloß nicht weiter“, wird die Frage zur Tatsache, das Ganze wird weitererzählt und ausgeschmückt, die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer und die entsprechende Kollegin wird genau beobachtet. „Heute war sie dreimal im Chefbüro und als sie wieder raus kam, war sie ganz verstrubbelt!“
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Frau Müller hat’s jetzt natürlich schwer – denn früher oder später merkt sie, dass über sie geredet wird. Wenn sie die Teeküche betritt, brechen die Gespräche plötzlich ab. Wenn sie sich umdreht, schauen viele schnell in eine andere Richtung. Und wenn sie das Chefzimmer betritt, rotten sich die Horden zusammen, um zu sehen, wie lange sie wohl diesmal drin bleibt. Alle amüsieren sich – bis auf Frau Müller. Wenn ihr das Gerücht schließlich zu Ohren kommt, wird sie versuchen, die verdrehten Tatsachen zu berichtigen. Doch es wird ihr keiner glauben. Und so zieht sich Frau Müller schließlich aus dem Kollegenkreis zurück, die Arbeit macht keinen Spaß mehr und irgendwann ist es soweit: Sie kündigt. Das Ganze nennt man Mobbing, hat mit Spaß nichts zu tun und schadet dem gesamten Unternehmen!

Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!
Wahrscheinlich kann man nicht verhindern, dass man irgendwann selbst Opfer der Gerüchteküche wird: Ist man eher introvertiert und zurückhaltend, weckt das die Neugier der anderen – ganz nach dem Motto: Wer nichts von sich preisgibt, hat bestimmt was zu verbergen. Und ist man offen und lässt alle an seinem Leben teilhaben, sorgt man selbst dafür, dass man im Gespräch bleibt und geht dabei das Risiko ein, dass den Erzählungen so manches hinzugedichtet wird.

Entscheidend ist, dass man Gerüchte frühzeitig unterbindet und dabei sollte man möglichst geplant vorgehen – impulsives Wutgebrüll bewirkt möglicherweise eher das Gegenteil.

Wenn Sie bemerken, dass hinter Ihrem Rücken über Sie getuschelt wird, fragen Sie direkt nach, anstatt das Gerede aus Bequemlichkeit oder falscher Scham zu ignorieren. Je früher Sie das Gerücht aus der Welt schaffen, desto weniger schadet es Ihrem Ruf. Manchmal geht das mit Humor. Denn wenn Sie dem Ganzen mit Witz begegnen, zeigen Sie, dass Sie über der Sache stehen. „Was, ich hab ein Verhältnis mit dem Chef? Klar, ich steh auf den Daimler und die goldene Kreditkarte.
Außerdem liebe ich seinen Bierbauch und sein schütteres Haar. Wenn’s aus ist, sag ich Euch Bescheid, damit Ihr mich trösten könnt.“

Wenn der Tratsch und Klatsch allerdings überhand nimmt, sollten Sie nach dem kreativen Erfinder der Geschichte fahnden und herausfinden, ob er einen bestimmten Grund hat, Ihnen etwas anzudichten. Neben der Langeweile spielen nicht selten Neid, Missgunst oder Antipathie eine Rolle. Haben Sie den Schuldigen gefunden, denken Sie lieber nicht an heimliche Rache, sondern sprechen Sie mit der betreffenden Person über ihre Beweggründe und erklären Sie ihr, wie Sie sich dabei fühlen. Meistens ist es den Angesprochenen sehr peinlich, wenn man sie mit ihrem eigenen Lästermaul konfrontiert. Denn es zeugt nicht gerade von Souveränität, wenn man es nötig hat, sich mit Lügengeschichten wichtig zu machen.

Wenn auch das nicht hilft und die Sache aus dem Ruder zu laufen droht, sollten Sie sich direkt an den Chef oder den Betriebsrat wenden – denn bei Mobbing-Attacken hört der Spaß auf und Sie haben Anspruch auf Hilfe.

Auch mal aus der Reihe tanzen
Nicht immer ist man selbst Opfer eines Gerüchts – viel öfter wird man zum Teil der Informationskette. Bevor Sie sich am Klatsch und Tratsch beteiligen, sollten Sie gut überlegen, ob es sich um eine harmlose, unwichtige Geschichte handelt, die man unbedenklich in der Raucherpause weitergeben kann oder ob das Gerücht echten Schaden anrichtet. Bedenken Sie: Möglicherweise sind Sie das nächste Mal das Opfer, und wenn Sie selbst die größte Klatschtante sind, dann werden Sie es schwer haben, sich dagegen zu wehren.