LeitzKnowHow
Fussball für Anfänger
 
Stellen Sie sich folgende Szene einmal bildlich vor: Sie kommen von der Arbeit nach Hause und finden Ihren Liebsten und seine Kumpels auf der Wohnzimmercouch vor – schweigend und wie gebannt auf den Fernseher starrend. Nachdem Sie einen Blick auf den Bildschirm geworfen haben, wundert Sie gar nichts mehr. Denn in der 89. Minute eines Bundesliga- oder sonst irgendeines Fußballspiels steht es nach wie vor unentschieden. Und trotzdem möchten Sie die Aufmerksamkeit Ihres Liebsten wenigstens für einen kurzen Augenblick auf sich lenken? Vergessen Sie es! Es sei denn, Sie können im Vorbeigehen einen fachmännisch klingenden Satz einwerfen, den Ihnen niemand zugetraut hätte und der deshalb alle verblüfft.
Da es auch bei Firmenfeiern oder beim Smalltalk mit Geschäftspartnern immer wieder um Fußball geht - nach der WM ist vor der WM - schadet es also nicht, wenn man (zum Erstaunen der Männer) wengistens ein kleines bisschen mitreden kann.
Das Runde muss in das Eckige
Am Spiel beteiligen sich zwei
Mannschaften, die einschließlich Torwart aus jeweils elf Spielern
bestehen. Die Aufgabe des Torwarts (häufig auch Keeper genannt) dürfte
jedem bekannt sein, die restlichen Spieler unterteilen sich in Sturm-,
Mittelfeld- und Abwehrspieler. Ziel ist, den Ball öfter als das andere
Team ins gegnerische Tor zu befördern. Hört sich eigentlich alles ganz
einfach an. Doch es gibt einige Regeln, die beachtet werden müssen ...

Frei- und Strafstoß
Der zumeist in schwarz gekleidete
Schiedsrichter (Schiri) überwacht die Einhaltung der Regeln sowie das
Verhalten der Trainer, Betreuer und Ersatzspieler während des Spiels. In
höherklassigen oder internationalen Spielen stehen ihm bis zu drei
Assistenten zur Verfügung. Zu seinem Aufgabenbereich gehört es auch, die
Nachspielzeit anzuzeigen und die Ein- und Auswechslungen (maximal drei
pro Spiel) abzuwickeln.
Der Schiedsrichter kann einer Mannschaft einen Freistoß gewähren, wenn sich ein Spieler der gegnerischen Mannschaft unsportlich verhalten oder gegen die Regeln verstoßen hat. Wurde also beispielsweise ein Mitspieler gefoult oder der Ball mit dem Arm bzw. mit der Hand berührt, so darf das benachteiligte Team einen Freistoß ausführen. Man unterscheidet dabei zwischen dem direkten (offensichtlicher Regelverstoß) und dem indirekten Freistoß (gefährliches Spiel, ohne dass jedoch ein Mitspieler direkt gefoult wurde). Gelangt ein direkter Freistoß ins gegnerische Tor, wird das sofort als Treffer gewertet, gelangt er versehentlich ins eigene Tor, so zählt das zwar nicht als Eigentor, jedoch wird dem anderen Team ein Eckball zugesprochen. Bei einem indirekten Freistoß, den der Schiedsrichter mit erhobenem Arm signalisiert, muss der Ball nach dem Abschuss von einem weiteren Spieler berührt werden. Gelangt er auf direktem Weg ins gegnerische Tor, so wird das nicht als Treffer gewertet, und es kommt zu einem Abstoß durch den Torwart.
Härter wird bei einem Handspiel oder Foul im Strafraum – das ist der rechteckige, durch weiße Linien abgegrenzte Bereich vor dem Tor – durchgegriffen. Allein der Torwart ist im Strafraum dazu berechtigt, als letzte Abwehrmaßnahme den Ball mit den Händen und den Armen zu berühren. Kommt es in diesem Bereich zu einer Regelwidrigkeit, ordnet der Schiedsrichter einen Strafstoß an und verhilft damit dem ausführenden Team zu einer aussichtsreichen Torchance – denn glaubt man Statistiken, liegt die Trefferquote bei 75 bis 80 Prozent. Und so wird ein Strafstoß ausgeführt: Der Ball wird auf einem markierten Punkt platziert, der elf Meter von der Torlinie entfernt ist. Aufgrund dieser Entfernung spricht man dann auch von einem Elfmeter oder „Elfer“. Bevor der Schiedsrichter einen Elfmeter mit einem Pfiff frei gibt, müssen alle Spieler außer dem Schützen und dem Torwart außerhalb des Strafraums und hinter dem Schützen stehen. Geht der Ball nicht ins Tor oder ins Aus, dürfen alle Spieler wieder ins Spielgeschehen eingreifen. Prallt der Strafstoß am Torpfosten ab, darf, wie beim indirekten Freistoß, nicht sofort wieder der Strafstoß-Schütze versuchen, einen Treffer zu landen. Zuvor muss mindestens ein anderer Spieler Ballkontakt haben.
Gelbe und rote Karte
Möchte der Schiedsrichter einen Spieler
aufgrund unsportlichen Fehlverhaltens verwarnen, zeigt er ihm das durch
eine gelbe Karte. Zwar hat das für den verwarnten Spieler keine weiteren
Konsequenzen, allerdings muss er für die Dauer des Spiels nun
vorsichtiger handeln, denn sonst kann er durch Anzeigen der gelb-roten
Karte ausgeschlossen vom Spiel ausgeschlossen werden. Zudem kann ein
Spieler, der über einen bestimmten Zeitraum mehrere gelbe Karten
kassiert hat, für weitere Spiele gesperrt werden.
Bei gravierenden Regelverstößen kann der Schiedsrichter einen Platzverweis anordnen, indem er dem betreffenden Spieler die rote Karte zeigt. Der Schiedsrichter erkennt besonders dann auf einen Platzverweis, wenn durch ein Hand- oder ein Foulspiel eine eindeutige Torchance des Gegners verhindert wurde. Auch für eine Beleidigung kann es die rote Karte geben. Nachdem ein Spieler eine rote Karte kassiert hat und das Spielfeld ersatzlos verlassen musste, bleibt er zudem zumeist für ein oder mehrere Spiele gesperrt.
Die verflixte Abseitsregel
Sie gilt als komplizierteste aller
Regeln. Damit man von einer Abseitsposition sprechen kann, müssen
folgende Bedingungen erfüllt sein: Ein Angreifer befindet sich in der
gegnerischen Hälfte und ist im Moment der Ballabgabe an einen Mitspieler
näher an der Torlinie als der Ball. Und: höchstens ein gegnerischer
Spieler (für gewöhnlich der Torwart) ist näher oder genauso nah an der
Torlinie wie der angreifende Spieler. Steht der Angreifer mit dem
vorletzten Abwehrspieler auf einer Linie, wird dies nicht als Abseits
gewertet.
Allerdings stellt eine solche Abseitsposition an sich noch keine Regelwidrigkeit dar. So befinden sich häufig Spieler bei der Ausführung eines Abstoßes, Einwurfs oder Eckstoßes im Abseits. Auch wenn ein Spieler im Abseits steht, während ein Angreifer direkt ein Tor schießt, hat das keine Konsequenzen, weil der Spieler aus seiner Abseitsposition heraus nicht auf die Spielsituation einwirken konnte.
Greift jedoch ein im Abseits stehender Spieler durch einen Ballkontakt in das aktuelle Spielgeschehen ein und erlangt seine Mannschaft daraus einen Vorteil, wird dies vom Schiedsrichter als Regelwidrigkeit geahndet. Da es sich beim Abseits nicht um ein verbotenes Spiel oder unsportliches Verhalten, sondern lediglich um einen technischen Fehler handelt, bekommt die gegnerische Mannschaft einen indirekten Freistoß zugesprochen. Dieser muss von der Abseitsposition des Spielers zur Zeit der Ballabgabe abgespielt werden.
Was Sie sonst noch wissen sollten
Von einem Hattrick
(ursprünglich Hat Trick) wird in der Fußballsprache gesprochen, wenn ein
Spieler in einer Halbzeit drei aufeinanderfolgende Tore erzielt. Bei
Fußballweltmeisterschaften wurde bislang nur achtmal ein Hattrick
erzielt – zwei davon von den Deutschen Edmund Conen (1934) und Gerd
Müller (1970).
Die Rückpassregel besagt, dass der Torwart den Ball nicht mit den Händen aufnehmen darf, wenn er ihm absichtlich durch einen Mitspieler zugepasst wurde. Verstößt ein Torhüter gegen diese Regel, wird das vom Schiedsrichter mit einem indirekten Freistoß geahndet und zwar ab der Stelle, an der der Torwart den Ball unrechtmäßig mit den Händen berührt hat.
Versucht ein Spieler im Zweikampf mit einem gegnerischen Spieler ein Foul vorzutäuschen, indem er sich absichtlich auf den Boden fallen lässt, wird dies als Schwalbe bezeichnet. Auf diese Weise möchte der betroffene Spieler einen Freistoß oder – falls der Zwischenfall im Strafraum statt findet – einen Strafstoß zugesprochen bekommen. Ein solches Täuschungsmanöver kann vom Schiedsrichter mit einer gelben Karte bestraft werden. Wer sich öfter ohne ersichtlichen Grund fallen lässt, wird als "Schwalbenkönig" verspottet.
"Klinsi" (Jürgen Klinsmann) war während der WM 2006 in Deutschland Trainer der deutschen Nationalmannschaft . Er hat danach abgedankt und seinen Job an seinen früheren Co-Trainer, Joachim "Jogi" Löw abgetreten. Dass Deutschland damals mit dem dritten Platz unerwartet gut abeschnitten hat, haben Sie sehr wahrscheinlich auch mitbekommen. Bei der WM 2010 in Südafrika hat die deutsche Mannschaft mit vielen krankheitsbedingten Ausfällen zu kämpfen. Besonders hart: Die Mannschaft muss auf Kapitän Michael Ballack verzichten. Wir halten die Daumen, dass es trotzdem klappt und wir nach 1954, 1974 und 1990 zum vierten Mal Weltmeister werden!
Stand: Mai 2010
Bild: www.photocase.com