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Fremdwörter leichter verstehen

 

Telefon, Telegraph, Teleskop, Television: Alles Begriffe, die uns geläufig sind, obwohl sie eigentlich aus dem Griechischen stammen und die Wenigsten griechisch können. Das griechische „Tele“ heißt auf deutsch „fern“: Und wer das weiß, kann nicht nur die bekannten Wörter Telefon (Fernsprecher), Telegraph (Fernschreiber), Teleskop (Fernrohr) und TV (Television = Fernseher) übersetzen, sondern auch unbekanntere Begriffe wie Telepathie oder Telekratie leicht ableiten. Vor allem, wenn man dazu noch gelernt hat, dass „Pathos“ (ebenfalls griechisch) auf deutsch „Leiden“ (auch im Sinne von Fühlen) und „Kratie“ „Herrschaft“ heißt. Telepathie ist entsprechend das „Fernfühlen“, also das Fühlen ohne körperlichen Kontakt und Telekratie bezeichnet die Vorherrschaft der elektronischen Medien.

Die Bedeutung der Begriffe „Pathos“ und „Kratie“ zu kennen, hilft aber auch bei der Herleitung vieler anderer Wörter: Sympathie ist die Zuneigung (Sym = zusammen, Pathos = Gefühl) und Antipathie die Abneigung (Anti = gegen, Pathos = Gefühl). „Pathetisch“ bedeutet „voller Gefühl“. Pathologie ist die Lehre von den Krankheiten (Pathos = Leiden, Logie = Lehre); ein pathologisches Verhalten ist demnach ein krankhaftes Verhalten. Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes (Demo = Volk, Kratie = Herrschaft), Autokratie Alleinherrschaft (Auto = selbst) und Bürokratie...

Diese Beispiele zeigen: Wenn man die wichtigsten griechischen Präfixe (Vorsilben) oder Suffixe (Nachsilben) kennt, kann man sich die Bedeutung unzähliger Fremdwörter selbst zusammenreimen. Und deshalb haben wir einige zusammengetragen:
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Anti = gegen: antiautoritär, antibakteriell, Antibiotikum, Antipode (Gegenpol), Antithese, Antitranspirant (schweißhemmendes Mittel)
Auto = selbst: Automobil, Automat, Autobiographie (Darstellung des eigenen Lebens), Autodidakt (Jemand, der sich ohne Lehrer Wissen aneignet), Autogramm, autonom (selbständig)
Bio = Leben: Biologie, Biographie, Biorhythmus, Biotop
Chrono = Zeit: Chronometer (Zeitmesser), Chronik, chronologisch
Demo/demie = Volk: Demokratie, Epidemie. Aber Achtung: die lateinische Vorsilbe „de“ bedeutet „Abtrennung, Loslösung“ (de-molieren, De-montage, de-motivieren).
Dys = schlecht, übel: Disharmonie, Dysfunktion, diskontinuierlich, Disqualifikation
Exo = außerhalb: exotisch, exogen
Graphie = Schreiben: Biografie, Fotografie, Geographie, Mammographie, Orthografie, Stenografie
Hetero = anders: heterosexuell, hetereogen
Homo = gleich: homosexuell, homogen, homogenisieren
Hydro = Wasser: Hydrant, Hydrolyse, Hydraulik
Hyper = über: hyperaktiv, Hyperfunktion, hypermodern, Hypertonie (Bluthochdruck)
Kratie = Herrschaft: Demokratie, Aristokratie, Autokratie, Bürokratie, Technokratie
Logie = Lehre: Biologie (Lehre vom Leben) Pathologie (Lehre von den Krankheiten) Psychologie (Lehre von der Seele), Astrologie, Meterologie
Makro = groß / Mikro = klein: Makrostruktur, Mikrostruktur, Mikroskop, Mikrokosmos
Meta = über: Metaebene, Metaphysik
Meter = Maß: Kilometer, Tachometer, Barometer, Taxameter
Mono = allein: Monogamie, Monolog
Neo = neu: Neonazi, Neoklassik
Nomie = Gesetz: Astronomie, Autonomie, Ökonomie
Pädo = Kind: Pädagogik, pädophil, Pädiatrie (Kinderheilkunde)
Phil = Freund: Philharmonie, Philosophie, Philologie (Sprachforschung)
Phon = Stimme: Telefon, Megaphon, Mikrophon
Poly = viel: Polygamie, polychrom (vielfarbig, bunt), polyglott, polyphon (vielstimmig)
Pseudo = Lügen/falsch: Pseudofachmann, Pseudonym (Deckname)
Thermo = warm: Thermometer, Thermostat, Thermoskanne
Tele = fern: Telefon, Telegramm, Television, Telebanking, Teleobjektiv
Erstaunlich, welch großen Einfluss das Griechische auf unsere Sprache hat, oder? Viele Wörter haben aber auch lateinische Wurzeln. Hier einige Beispiele:

Akt = Tat: exakt, Aktion
Bi = zwei, doppelt: Bimetall, Biathlet, bisexuell
De = Abtrennung, Loslösung: Demontieren, dezentral, destabilisieren
Pro = für/vor: prowestlich, Promille (für das Tausend), Proseminar, Prorektor
Re = zurück: Reaktion, revidieren, regenerieren, reanimieren, restrukturieren

Doch es gibt auch noch aus anderen Sprachen aufgenommene Lehnwörter, deren Bedeutung jedem geläufig ist, zum Beispiel aus dem Französischen:
Portemonnaie, Revanche, Revue, Ressort, liieren, Rendezvous, Tête-a-tête, Pommes frites, Genie, Chauffeur, Passagier, charmant, Kavalier

aus dem Italienischen:
Konto, Bank, Tenor, Spaghetti

aus dem Arabischen:
Alkohol, Algebra, Kaffee, Zucker, Safran, Benzin, Matratze, Talisman

und natürlich aus dem Englischen:
Computer, Sponsor, Manager, Container, Sex, Fan, City, Snack, Shop, Pool

Manche dieser Wörter haben wiederum lateinische Wurzeln. Wer will da eigentlich sagen, was noch als Fremdwort bezeichnet werden kann und was zum deutschen Wortschatz gehört? Sprache ist immer im Wandel begriffen – und wird es bleiben.

Bild: snygo.com