LeitzKnowHow
Frauenfussball-WM
 
Im Juni und Juli findet in Deutschland die Fußballweltmeisterschaft der Frauen statt. Und die Chance, dass es dieses Mal ein Sommermärchen mit einem rundum glücklichen Happy End geben wird, ist sehr groß. Denn die Frauen können auf eine äußerst beeindruckende Liste des Erfolgs verweisen – von der die Männer nicht einmal zu träumen wagen: Die Frauennationalmannschaft wurde zweimal nacheinander Weltmeister (2003 und 2007), einmal Vizeweltmeister (1995) und siebenmal Europameister (1989, 1991, 1995, 1997, 2001, 2005, 2009).
Richtig bewerten kann man diesen Erfolg erst, wenn man auch noch weiß, dass die Frauenfußball-Weltmeisterschaft erst seit 1991 und die Europameisterschaft seit 1984 ausgetragen wird – letztere anfangs alle zwei, seit 1997 nur noch alle vier Jahre.
Und noch eine interessante Hintergrundinformation: Als Siegprämie für die Europameisterschaft 1989 durfte sich jede Nationalspielerin über ein Kaffeeservice freuen. Für den Weltmeistertitel 2007 konnte jede Spielerin dann immerhin schon eine Prämie in Höhe von 50.000 Euro einstreichen. Zum Vergleich: Hätten die Herren bei der Weltmeisterschaft 2010 gewonnen, wäre jeder Spieler um 250.000 Euro reicher geworden. 2006 bei der WM im eigenen Land hätte es für den Titel sogar 300.000 Euro gegeben – das Sechsfache dessen, was die Frauen ein Jahr später erhalten haben.
Aber gönnen wir es den Männern und schauen wir nach vorne. Freuen wir uns auf „unsere“ Frauen. Und auf einen großartigen Sommer 2011!
Die Fußball-WM 2011
Die Frauen-WM beginnt am 26. Juni und
endet am 17. Juli 2011. Austragungsorte sind Augsburg, Berlin, Bochum,
Dresden, Frankfurt, Leverkusen, Mönchengladbach, Sinsheim und Wolfsburg.
Das Endspiel wird in der Frankfurter WM-Arena gepfiffen.
Am 27. November 2010 wird die Qualifikationsrunde abgeschlossen sein – dann stehen die teilnehmenden 16 Mannschaften endgültig fest. Zwei Tage später wird ausgelost, wer in den Gruppenspielen gegen wen anzutreten hat.
Wann wir das deutsche Team bejubeln dürfen, steht schon fest. Deutschland wird in der Gruppe A antreten und die WM am 26. Juni im Olympiastadion in Berlin eröffnen. Es folgt das zweite Gruppenspiel am 30. Juni in Frankfurt, das Viertelfinale am 5.Juli in Mönchengladbach und schließlich das Halbfinale am ... Aber halt. Wir wollen das Glück nicht herausfordern. Wir werden den Damen lieber ganz fest die Daumen halten und sie kräftig anfeuern. Ob mit oder ohne Vuvuzelas. Der Einzelticket-Verkauf beginnt am 15. September!
Den Spielplan der WM können Sie sich hier herunterladen.
Der Slogan der WM lautet „20elf von seiner schönsten Seite“. Das Logo zeigt ein stilisiertes rundes Stadion, das von den Farben Schwarz, Rot, Gold eingerahmt wird. Maskottchen ist die Katze Karla Kick.

Die Nationalmannschaft
Trainerin der Nationalmannschaft ist
seit 2005 Silvia Neid. Unter ihrer Ägide haben die Frauen 2007 den
Weltmeistertitel verteidigt, was bis dahin noch nie einer Mannschaft
gelang. Zuvor war Silvia Neid Co-Trainerin der Nationalmannschaft,
Trainerin des Nachwuchses und selbst Fußballspielerin. Ihr
beeindruckender sportlicher Lebenslauf als Spielerin sieht wie folgt
aus: Vize-Weltmeisterin 1995, dreifache Europameisterin, siebenfache
Deutsche Meisterin und sechsfache DFB-Pokal-Siegerin. Und die Erfolge
als Trainerin: zweifache Weltmeisterin (2003 und 2007) und dazu
U-19-Weltmeisterin (2004), vierfache Europameisterin und dreifache
U18-/U19-Europameisterin, vier Bronzemedaillen bei den Olympischen
Spielen. Da wird sich wohl auch bei den Männern niemand finden, der das
toppen könnte!
Bekannteste Nationalspielerin ist sicherlich Birgit Prinz. Sie spielt mit der Trikotnummer 9 im Angriff und hat in unglaublichen 205 Länderspielen 126 Tore erzielt! Ihre Liste der Erfolge: Vize-Weltmeisterin und zweifache Weltmeisterin, fünffache Europameisterin, neunfache deutsche Meisterin, dreifache UEFA-Cup-Siegerin und neunfache DFB-Pokal-Siegerin. Außerdem kann sie drei olympische Bronzemedaillen vorzeigen und wurde dreimal zur Weltfußballerin des Jahres gekürt.
Und hier die Namen aller deutschen Nationalspielerinnen:
Im Tor:
Nadine Angerer und Ursula Holl
Abwehr: Saskia Bartusiak, Linda
Bresonik Sonja Fuss, Ariane Hingst, Annike Krahn, Navina Omilade und
Bianca Rech
Im Mittelfeld: Melanie Behringer, Kerstin Garefrekes, Kim
Kulig, Simone Laudehr und Alexandra Popp
Der Angriff: Inka Grings,
Martina Müller, Celia Okoyino da Mbabi und Birgit Prinz
Abruf:
Isabell Bachor, Conny Pohlers und Lisa Weiß
Hoffentlich haben diese Namen nach der WM 2011 genau den gleichen Bekanntheitsgrad, wie die der männlichen Nationalspieler.
Kurze Geschichte des Frauenfußballs
Fußballspielende
Frauen gab es schon im zwölften Jahrhundert. Die Anfänge des modernen
Frauenfußballs werden auf Mitte des 19. Jahrhunderts in England datiert.
In Deutschland kam der Frauenfußball ab Anfang des 20. Jahrhunderts auf.
Frauen standen im Kreis und spielten sich einen Ball zu – und das galt
bereits als absolut undamenhaft und unmoralisch.
1955 verbot der Deutsche Fußballbund den Frauenfußball in den eigenen Vereinen. Die Männer hatten Angst, dass Sitte und Anstand verletzt werden oder Körper und Seele der Frauen Schaden nehmen könnten. Daraufhin spielten die Frauen eben außerhalb des DFB.
1970 hob der DFB das Verbot wieder auf – die Frauen hatten sich aber zwangsweise zu schonen: Auflagen waren eine sechsmonatige Winterpause, kürzere Spiele und leichtere Bälle. Entsprechend leicht war es, Fußball spielende Frauen zu belächeln – weil sie ja gar keinen richtigen Fußball spielten – und sie gleichzeitig als Mannweiber zu diskreditieren.
Heute spielen die Frauen übrigens nach den gleichen Regeln wie die Männer.
Stand: Juli 2010
Bild: fifa