Man ist, wie man isst
Der oberste Chef feiert einen runden Geburtstag, der beste Kunde lädt
zum Firmenjubiläum. Klar, dass es dabei eher vornehm zu gehen wird. Und
das ist für viele ein zweifelhaftes Vergnügen. Wie verhält man sich?
Darf man belegte Brötchen einfach in die Hand nehmen? Muss man Austern
wirklich geräuschvoll schlürfen? Wie isst man Krebse oder Hummer?
Verzichten Sie nicht aus Angst, sich falsch zu verhalten, auf die besten
Speisen. Greifen Sie auch bei komplizierten Gerichten zu – wir erklären
Ihnen, wie Sie formvollendet speisen.
Keine Hemmung – Essen fassen
Für gewöhnlich wird Brot in kleinen Körbchen zur Vor- oder Hauptspeise
serviert. Greifen und brechen Sie es ruhig mit der Hand. Auch belegte
Brötchen essen Sie einfach aus der Hand – belegte Brote dagegen mit
Messer und Gabel.
Auch wenn es Ihnen im ersten Augenblick eigenartig erscheint: Geflügel
wie Hähnchen, Taube oder Wachtel können Sie laut Knigge aus der Hand
essen – zumindest bei größeren Tierchen (Hähnchen, Gans, Ente etc.)
empfiehlt es sich aber, trotzdem zum Besteck zu greifen oder zumindest
einen Blick in die Runde zu werfen und sich dem Verhalten der anderen
Tischpartner anzupassen.
Wer sich Schnecken schmecken lassen will, greift mit einer kleinen Zange
das Gehäuse und zieht mit der anderen Hand das Fleisch mit Hilfe einer
schmalen Gabel heraus.
Das passende Werkzeug bekommen Sie auch mitserviert, wenn Sie
Schalentiere wie Hummer oder Krebs bestellen. Der Hummer ist häufig
schon halbiert. Wenn Sie die großen Scheren aufknacken wollen, nehmen
Sie am besten die beigelegte Hummerschere zu Hilfe. Das Innere können
Sie dann leicht mit einer kleinen Gabel herausziehen; dünne Arme saugen
Sie einfach aus. Mitunter kann es vorkommen, dass Ihnen Scampi mit
Schale serviert werden – nur in diesem Fall dürfen Sie sie auch aus der
Hand essen. Bei Scampi ohne Schale arbeitet man mit dem Besteck.
Entscheiden Sie sich für Miesmuscheln, haben Sie es leicht: Sie öffnen
sich schon beim Kochen. Nehmen Sie eine Muschel in die Hand und
entfernen Sie das Fleisch entweder mit einer Gabel oder nehmen Sie eine
andere, leere Muschel zu Hilfe. Austern werden in jedem Fall bereits
geöffnet serviert. Lösen Sie das weiche Muschelfleisch mit Ihrer Gabel
und schlürfen Sie es dann genussvoll aus der Muschel.
Tauchen Sie Ihre Fingerspitzen nach dem Essen in die Schale mit
Zitronenwasser, die Ihnen die Bedienung für gewöhnlich bereitstellt und
benutzen Sie zum Abtrocknen Ihre Serviette. Im Nu sind Ihre Finger
wieder vom Fett und eventuellen Essensresten befreit.
So schneiden Sie besser ab...
Achtung! Wenn Sie Fisch bestellt haben, benutzen Sie bitte nicht Ihr
normales Messer, sondern das extra dafür vorgesehene Fischbesteck.
Zerteilen Sie den Fisch und schneiden Sie ihn nicht, wie Sie das
beispielsweise bei einem Stück Fleisch tun würden. Wie man ganze Fische
fachgerecht zerlegt, erklären wir Ihnen
hier .
Früchte werden mit dem beiliegenden Obstmesser mundgerecht zerteilt.
Falls Sie keines serviert bekommen, können Sie selbstverständlich auch
die Dessertgabel benutzen.
Haben Sie es bei der Vorspeise mit übergroßen Salatblättern zu tun, dann
schneiden Sie diese bloß nicht mit dem Messer in mundgerechte Stücke.
Falten Sie das Salatblatt stattdessen mit der Gabel und spießen Sie Ihr
„Kunstwerk“ dann einfach auf. Auch Gulasch oder andere kleinere
Fleischstücke am Spieß sind nicht dafür gedacht, noch weiter zerkleinert
zu werden. Und für alle, die das immer noch nicht wissen: Spargel wird
nach Knigge nicht mit dem Messer zerkleinert, sondern so wie er ist von
der Gabel gegessen. Aber bestimmt wird es Ihnen niemand verübeln, wenn
Sie eine dicke deutsche Bruchsaler Spargelstange ganz einfach mit dem
Messer in essbare Abschnitte teilen.
Ein kleiner Tipp: Sollten Sie trotzdem einmal nicht weiter wissen,
orientieren Sie sich doch einfach am Gastgeber. Legt er großen Wert
darauf, mit Besteck zu speisen? Oder ist er leger orientiert und geht
mit den Kniggevorschriften locker um? Dann tun Sie ihm den Gefallen,
lassen Sie ihn nicht allein – machen Sie es ihm nach. Wir wünschen guten
Appetit!
Bildquelle: snygo.com