LeitzKnowHow

Duzen oder Siezen?

 

„Herr Müller, Sie sind ein Idiot.“ „Otto, Du bist einfach super.“ Wenn man sich siezt, fällt ein Tadel schwerer – er wirkt aber auch stärker. Per Du lobt es sich leichter, und deshalb bewertet der Gelobte die anerkennenden Worte auch nicht so hoch. Das Gleiche gilt natürlich auch umgekehrt: Ein Tadel per Du wirkt schwächer, ein Lob per Sie stärker.

Das „Du“ schafft Nähe, das „Sie“ Distanz. Dies sollte man immer berücksichtigen, wenn man sich im Berufsleben für ein Du oder Sie entscheidet. Doch nicht immer ist man frei vom Entscheidungszwang.

Du? Oder lieber Sie?
Ob man sich duzt oder siezt, hängt nicht zuletzt von der Branche ab, in der man tätig ist. In der Unterhaltungsindustrie ist es durchaus üblich, sich zu duzen, im Bankgewerbe eher nicht. Bei manchen Firmen gehört das Du sogar zur Corporate Identity, so z.B. beim schwedischen Möbelhaus Ikea. Hier vertritt man die Ansicht, dass das Duzen das Zusammengehörigkeitsgefühl fördert und eine freundlichere Arbeitsatmosphäre schafft.

Wenn Sie eine neue Arbeitsstelle antreten, sollten Sie sich also gegebenenfalls nach den Gepflogenheiten erkundigen. So finden Sie schnell heraus, ob man sich generell duzt oder sich die Mitarbeiter einfach schon jahrelang kennen. In diesem Fall sollten Sie vorsichtig agieren. Denn es könnte sein, dass sie sich bedrängt fühlen, wenn auch Sie gleich das Du anbieten.

Ausländische Gesprächspartner

Besonders Ausländern fällt das komplizierte Sie im Deutschen oft schwer. Klären Sie deshalb vor internationalen Meetings, ob es Ihr Gegenüber als Erleichterung empfindet, wenn Sie sich duzen.
embeddedImage


















Im Englischen stellt sich die Frage des Du oder Sie ohnehin nicht, hier werden alle mit „you“ und üblicherweise dem Vornamen angesprochen. Bei Gesprächspartnern aus anderen Ländern sollten Sie sich über die Gepflogenheiten des jeweiligen Heimatlands informieren – womöglich wirkt ein zu früh angebotenes Du dort ja respektlos.

Das aufgedrängte Du
„Jetzt arbeiten wir doch schon lange zusammen...ich bin die Marion!“. Wenn Sie sich mit dieser Kollegin gut verstehen – prima. Was aber, wenn Sie sie eigentlich gar nicht leiden können?

Lassen Sie sich nicht zum Du überreden, wenn Sie sich dabei nicht wohl fühlen. Lehnen Sie das Angebot freundlich ab und bedanken Sie sich für den Vertrauensbeweis. Was auch immer der Grund sein sollte, versuchen Sie ehrlich zu sein – ohne zu verletzen. Mit unehrlichen Begründungen können Sie sich leicht in eine Sackgasse manövrieren. Wenn Sie zum Beispiel anführen, dass Sie das Duzen außerhalb des privaten Freundeskreises nicht gewohnt sind, später aber mit anderen Kollegen oder Kolleginnen per Du verkehren, wird die Zusammenarbeit mit der zurückgewiesenen Kollegin sicher nicht leichter. Vielleicht hilft ja auch die Kombination des Vornamens mit dem „Sie“ als – nicht unbedingt fauler – Kompromiss?

Umgekehrt sollten allerdings auch Sie sensibel sein und dem Gegenüber eine Rückzugsmöglichkeit offen lassen, wenn Sie selbst jemandem das Du anbieten. Äußern Sie im Voraus Verständnis für eine Ablehnung, und seien Sie nicht eingeschnappt, wenn Ihr Kollege lieber gesiezt werden möchte. Denn meist hat das nichts mit Antipathie zu tun – manche Menschen möchten im Beruf einfach eine gewisse Distanz wahren.

Wenn sich allerdings alle Firmenmitglieder duzen und nur Sie sich dabei unwohl fühlen, sollten Sie sich überlegen, ob Ihr Arbeitgeber zu Ihnen passt oder ob es Ihnen nicht in einer anderen Firma besser gefallen würde.
Wer bietet wem das „Du" an?
Im Berufsleben bietet grundsätzlich der in der Hierarchie höher dem niedriger Stehenden das Du an – Sie sollten also nicht Ihren Chef darauf ansprechen. Bei Gleichrangigen hat normalerweise der Ältere den Vorrang.

Grundsätzlich gilt, dass die Anrede auf Gegenseitigkeit beruhen muss. Wenn Ihr Chef sie also duzen möchte, muss er Ihnen schon auch das Du anbieten. Sonst kommt es leicht zu einem Unter- oder Überlegenheitsgefühl, und darauf sollten Sie sich nicht einlassen.

Wer eine Gruppe mit Ihr anredet, um eine Entscheidung zwischen Du und Sie zu vermeiden, wirkt leicht plump. Denn das Ihr ist dem Du erheblich näher als dem Sie, das sollten Sie auf jeden Fall beachten.

Denken Sie außerdem daran, dass es unter Jüngeren wesentlich üblicher ist, sich zu duzen, während ältere Mitarbeiter oft eine Hemmschwelle überwinden müssen.