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Die neue Rechtschreibung: Was gilt jetzt eigentlich?

 

Befindet sich in unserem Salat Thunfisch oder Tunfisch? Sollen wir Zwiebeln denn nun klein schneiden oder kleinschneiden? Und darf man den Urin-stinkt wirklich so trennen? Eines ist jedenfalls sicher: Die neue deutsche Rechtschreibung, die seit August 2005 für Schulen und Behörden verbindlich galt, erhitzte viele Gemüter und warf Fragen auf. Um den orthographischen (bzw. orthografischen) Frieden endlich einkehren zu lassen, hat die Kultusministerkonferenz beschlossen, die Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung anzunehmen. Zu dessen 18 Mitgliedern gehören neben Sprachwissenschaftlern auch Lehrer, Autoren sowie Vertreter von Journalistenverbänden und Verlagen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Südtirol und Liechtenstein. Mit der erneuten Reformierung der Reform vom 1. August 2005 kam man den Kritikern entgegen. Die (hoffentlich wenigstens für einige Zeit) endgültigen Regelungen traten am 1. August 2006 in Kraft und gelten ab dem 1. August 2007 verbindlich.

Verbindlich und damit klar geregelt ist allerdings bei genauerer Betrachtung nicht wirklich viel. Denn die zuständigen staatlichen Stellen haben sich aus der Affäre gezogen, indem sie in etlichen Fällen einfach zwei Schreibweisen zulassen. Im privaten Bereich ist das sicher kein Problem. Wer allerdings beruflich korrekt und einheitlich schreiben will oder muss, dem bleibt nichts anderes übrig, als entweder für sich allein oder für ein gesamtes Team verbindliche Schreibweisen festzulegen. Die Dudenredaktion hat sich übrigens entschlossen, Ihnen diese Arbeit abzunehmen. Im neuen Duden werden zwar immer dort, wo zwei Schreibweisen möglich sind, beide vorgestellt – die vom Duden empfohlene ist aber gelb unterlegt.

Doch was wurde denn nun geändert? Wir haben die wichtigsten Regelungen für Sie zusammengefasst:
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Groß oder klein?
Die neuen Regeln im Bereich der Groß- und Kleinschreibung waren besonders umstritten. Aus diesem Grund wurden einige Punkte der Reform wieder rückgängig gemacht.

So werden zusammengesetzte Begriffe, die nach der seit 1. August 2005 verbindlichen Rechtschreibung groß und auseinander geschrieben wurden (Pleite gehen, Leid tun) nun wieder klein und zusammen geschrieben werden (pleitegehen, leidtun), sofern es dem Sprachgebrauch entspricht. Die Regelung, dass „des Öfteren“ und „des Weiteren“ groß geschrieben wird, bleibt trotz kontroverser Diskussionen erhalten.

Häufig kritisiert wurde in den vergangenen Jahren auch die Kleinschreibung fester Begriffsverbindungen. Deshalb darf man nun „Erste Hilfe“, „Schwarzes Brett“ oder „Rote Karte“ wieder großschreiben – muss aber nicht: Der letzte Wille oder der Letzte Wille – beides ist möglich.

Bei der Höflichkeitsanrede „Sie“ und dem dazugehörigen Pronomen „Ihr“ bleibt es wie gewohnt bei der Großschreibung. Doch nun darf man auch Menschen, die man duzt, in Briefen durch Großschreibung des „Du“, „Ihr“ und „Euch“ wieder seine Ehre erweisen.

Zusammen oder getrennt?
Stehen zwei Verben hintereinander, so schreibt man diese Verbindungen generell getrennt (gefangen nehmen, spazieren gehen). Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Verbindungen mit „bleiben“ und „lassen“ mit übertragener Bedeutung dürfen nun auch wieder zusammengeschrieben werden: Er ist in der Schule sitzengeblieben. Er ist auf dem Stuhl sitzen geblieben. Sie hat ihn sitzenlassen. Er hat sie in der Straßenbahn sitzen lassen (Platz nehmen lassen). Ob Sie „kennen lernen“ künftig getrennt oder zusammenschreiben möchten, bleibt Ihnen überlassen. Apropos: Heißt es eigentlich „zusammenschreiben“ oder „zusammen schreiben“? Kommt auf die Bedeutung an, wie das folgende Beispiel zeigt: Wir müssen das Referat zusammen schreiben (also gemeinsam). Oder: Ich muss noch mein Referat zusammenschreiben (Textfragmente verbinden.)
Ob Sie maßhalten oder Maß halten, achtgeben oder Acht geben, haltmachen oder Halt machen bleibt wiederum Ihnen überlassen.

Wenn Sie mit Ihren Kindern eislaufen oder der Arzt jemanden krankschreibt, dann schreibt man das künftig wieder klein und zusammen, weil in diesen Beispielen das Substantiv seine Eigenschaft als Hauptwort nahezu verloren hat. Das scheint nicht so zu sein, wenn Sie mit Ihrer Familie Rad fahren. Denn das schreibt man getrennt. Alles klar?

Kommasetzung
Allgemein kann man sagen, dass in Zukunft wieder mehr Kommata gesetzt werden, vor allem dann, wenn dadurch der Sinn leichter ersichtlich wird. Werden beispielsweise zwei voneinander unabhängige Sätze durch ein „und“ verbunden, wird ein Komma gesetzt: Uwe fuhr mit dem Auto zur Arbeit, und Heike bevorzugte die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Bei einem einfachen Infinitiv (Ich denke nicht daran(,) mich zu verstecken) steht dem Verfasser frei ein Komma zu setzen oder nicht. Beim erweiterten Infinitiv ist die Kommasetzung jedoch obligatorisch: „Silke hatte vergessen, fürs Abendessen einkaufen zu gehen.“

Silbentrennung
Auch durch die Reformierung der Reform hat sich nichts daran geändert, dass die Buchstabenfolge „ck“ wie sie beispielsweise in den Wörtern Hecke oder Lackierung vorkommt, nicht in k-k aufgelöst wird, sondern als untrennbare Einheit behandelt wird. Deshalb trennt man nach wie vor He-cke und La-ckie-rung.

Einzelne Vokale eines Wortes abzutrennen – wie etwa bei Feiera-bend oder E-thik – ist laut aktuellem Stand jedoch nicht mehr erlaubt. Und auch Trennungen, die den Wortsinn entstellen, wurden rückgängig gemacht (Urin-stinkt, Anal-phabet).
Aufwendig oder aufwändig?
Wurde in der ursprünglichen Reform bestimmt, dass alle Wörter einer Wortfamilie denselben Stamm behalten sollen, und es deshalb „Stängel“ (Stange), „Schnäuzen“ (Schnauze) und „aufwändig“ (Aufwand) heißen müsse, ist man auch hier teilweise wieder zurückgerudert. Der „Stängel“ behält sein „ä“ und auch „Schnäuzen“ müssen Sie sich nach wie vor mit „ä“. Dann aber wieder ist erlaubt, was gefällt: Aufwendig oder aufwändig ist das Rechtschreiben also weiterhin, weil man dauernd nachschlagen muss, will man sich an amtliche Regeln halten.


Wichtige Grundregelungen
Im Folgenden haben wir noch einige wichtige Regelungen zusammengefasst, die schon seit 1. August 2005 verbindlich gelten – und weiterhin verbindlich bleiben:

Werden Substantive zusammengesetzt, so fällt kein Buchstabe mehr weg. So manchem erscheint eine Schifffahrt auf dem Rhein, die Hilfe bei der Teeernte und der Eintrag in der Bestellliste immer noch sehr gewöhnungsbedürftig. Und deshalb ist es auch möglich, zur besseren Übersichtlichkeit stattdessen Schiff-Fahrt, Tee-Ernte oder Bestell-Liste zu schreiben. Das wird die ohnehin herrschende Bindestrich-Manie sicher noch verstärken. Sieht man doch heute schon immer Bindestriche, wo wirklich keine benötigt werden und auch keine hingehören, wie zum Beispiel bei „Otto-Motor“. Wie wäre es mit „Laugen-Brezel“ oder „Vor-Namen“ oder auch „Haus-Schlüssel“?

Bei dieser Gelegenheit sei auch noch einmal erwähnt, dass ein und noch ein Baby zwei Babys und nicht zwei Babies ergeben, und genauso verhält es sich mit den Handys.
Dann wäre da die Sache mit dem „ß“ und dem „ss“. Das „ß“ wurde nicht aus der deutschen Rechtschreibung verbannt, auch wenn – fälschlicherweise – immer wieder irgendwo Strassen, Grüsse und Fussbälle auftauchen. Dabei ist die Regel eigentlich ganz einfach: Nach langem Vokal (Spaß, Straße, Grüße, Füße, Fußball, groß, Schoß) und nach Doppellauten (schießen, außen, Sträuße, Reißzwecke, Füße) folgt ein „ß“. Nach kurzen Vokalen (Kuss, müssen, Fass, Guss, lassen, Riss, Essen) steht dagegen „ss“. Auch für die Konjunktion „dass“ gilt die neue Rechtschreibung. Eine Ausnahme gibt es nur dann, wenn Wörter in Großbuchstaben (Versalien) geschrieben werden. Ein großes ß gibt es nicht und deshalb darf dann aus Fußball ausnahmsweise FUSSBALL werden.

Noch ein Wort zum Apostroph, auch wenn hier bei der Reform nichts geändert wurde. Im Deutschen ist der Apostroph schon immer ein Auslassungszeichen und hat rein gar nichts mit dem Genitiv zu tun. Bei „Hans’ Auto“ ist der Apostroph richtig – man könnte auch „Hansens Auto schreiben“. In„Toni’s Reparaturwerkstatt“, „München’s Brauhäusern“ oder gar „Matje’s Filet’s“ haben Apostrophe nichts zu suchen.


Stand: August 2006
Bildquelle: snygo.com