LeitzKnowHow

Balance zwischen Familie und Beruf

 

Vor allem, wenn der Nachwuchs noch klein ist, kommt man sich oft wie einer der Gummispanner vor, mit der man im Kofferraum das Gepäck verankert: Von allen Seiten wird bis zum Zerreißen gezerrt und gezogen; man ist in einer ausweglosen Situation eingespannt.

Einen Kindergarten mit vernünftigen Betreuungszeiten scheint es nicht zu geben. Die Arbeitszeiten sind länger, als man es eigentlich verkraften kann. Der Supermarkt lässt genau dann das Gitter herunter, wenn man noch schnell was fürs Abendessen einkaufen will. Und die Putzfrau? Von der kann man nur träumen.

Selbstverständlich möchte man eine wunderbare Mutter sein. Und natürlich hat man auch Ansprüche, was den Job betrifft. Keiner soll merken, dass man vor Müdigkeit kaum noch die Augen offen halten kann, weil die Kleine wegen Ohrenschmerzen die ganze Nacht geweint hat. (Eigentlich hätte man sowieso zu Hause bleiben und sich um das kranke Kind kümmern müssen.) Zudem will man eine perfekte Hausfrau sein – es muss ja nicht jeder auf den ersten Blick merken, dass einem die Sache über den Kopf wächst. Der Lebenspartner soll natürlich auch nicht zu kurz kommen. Und außerdem will man gepflegt und jung aussehen – die gleiche Figur wie vor der Schwangerschaft ist mindestens das Ziel.

Die Rahmenbedingungen kann man leider kaum ändern. Auch gegen die Mehrfachbelastung kann man wenig tun. Aber man kann anders damit umgehen.

Ein schlechtes Gewissen ist kein gutes Ruhekissen
Es gibt Mütter, die rund um die Uhr selbst für ihre Kinder sorgen möchten, und es gibt welche, die weiter arbeiten wollen. Beides ist o.k.

Verschließen Sie also Ihre Ohren, wenn wieder mal irgendjemand meint, berufstätige Mütter als Rabenmütter disqualifizieren zu müssen. Das sind sie nicht! Es gibt viele Gründe zu arbeiten – und keinen Grund, sich dafür verteidigen zu müssen.
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Selbst wenn es einen Mann gibt, der für Ihren Unterhalt sorgen könnte, ist Ihr Job kein Luxus, den Sie sich nur zur Selbstverwirklichung gönnen. (Und wenn, wer würde dies einem Vater vorwerfen?) Schließlich kann es schnell passieren, dass Sie auf sich allein gestellt sind. Und außerdem: Wahrscheinlich werden Sie noch nicht im Rentenalter sein, wenn der Nachwuchs aus dem Haus ist. Und dann?

Eine gute Mutter definiert sich nicht über die Anzahl der Stunden, die sie mit ihrem Nachwuchs verbringt, sondern daran, wie intensiv sie sich in der gemeinsamen Zeit mit ihren Kindern beschäftigt, wie gut sie sich in sie hineinversetzen kann, wie viel Liebe sie ihnen schenkt.

Wenn Sie also während der Arbeitszeit jemand mit vorwurfsvollem Unterton fragt „Und wer kümmert sich jetzt um Ihre Kinder?“, dann antworten Sie ohne Umschweife: „Die Tagesmutter“ (oder wer auch immer).

Gewöhnen Sie sich das schlechte Gewissen ab. Stehen Sie zu dem Leben, das Sie führen: dann wird es Ihnen besser gehen – und Ihrem Kind oder Ihren Kindern auch.

Die eigenen Ansprüche herunterschrauben
Niemand ist perfekt. Auch Sie sind es nicht. Stehen Sie dazu. Wenn es mit dem Einkaufen mal nicht geklappt hat, wenn mal kein frischer Pulli im Schrank ist, wenn die Küche nicht vor Sauberkeit strahlt: Ist das wirklich so schlimm? Sie müssen niemandem beweisen, wie toll Sie sind. Falls Sie es noch nicht können, sollten Sie lernen, mal alle fünf gerade sein zu lassen. Setzen Sie Prioritäten: Mit Ihren Kindern etwas zu unternehmen ist wichtiger, als das Bad zu putzen.

Übrigens müssen auch die Kinder nicht perfekt sein. Der tägliche Kleinkrieg lässt sich verringern, wenn man Schwerpunkte setzt. Sie werden sowieso nie erreichen, dass das Kinderzimmer perfekt aufgeräumt ist. Setzen Sie Ihre Energie also lieber für wichtigere Erziehungsmaßnahmen ein.
Eine gute Kinderbetreuung organisieren
Sie können nur dann konzentriert und ruhig arbeiten, wenn Sie wissen, dass Ihr Kind oder Ihre Kinder optimal betreut werden. Klar: Es ist nicht leicht, eine gute Lösung zu finden – vor allem, wenn Sie nicht in einer Großstadt wohnen und das Angebot entsprechend klein ist. Trotzdem lohnt es sich, Zeit in die Suche zu investieren. Manche Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Unterstützung an – wenn es keinen Betriebskindergarten gibt, wird man entsprechend beraten und bekommt Unterstützung bei der Vermittlung einer Kinderbetreuung. Erkundigen Sie sich, ob das auch bei Ihnen im Haus der Fall ist. Falls nicht, dann schließen Sie sich ggf. mit Kolleginnen – oder Kollegen – zusammen, die die gleichen Probleme haben. Vielleicht lässt sich die Geschäftsführung ja überzeugen, dass ein derartiges Angebot nicht nur den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hilft, sondern auch dem Unternehmensimage zuträglich ist.

Vorausdenkend und im Team arbeiten
Berufstätige Mütter sind meist echte Organisationsprofis. Das müssen sie auch sein –oder es werden, denn eine perfekte Organisation spart Zeit. Und Zeit ist in der Regel das, was am meisten fehlt.

Wer Vorräte anlegt, braucht während der Woche nur noch leicht Verderbliches zu besorgen – das reduziert den Stress nach Feierabend. Und wenn mal keine Zeit mehr zum Einkaufen bleibt, ist immer was im Haus, aus dem man eine Mahlzeit zaubern kann.

Sie müssen nicht alles selbst machen. Suchen Sie sich Verbündete. Denn erstens hilft es, wenn man sich austauschen, Tipps geben und notfalls auch mal ausheulen kann. Und zweitens kann man sich wenigstens teilweise die Arbeit teilen: Wechseln Sie sich mit befreundeten Mütter und Vätern beim Großeinkauf ab. Nehmen Sie deren Kinder auf Ihre Ausflüge mit – wenn Ihr Kind dann zum Gegenbesuch eingeladen wird, haben Sie auch mal ein bisschen Zeit für sich.
Entlassen Sie Ihre Familie nicht aus der Verantwortung: Alle müssen mit anpacken – aber Sie müssen es auch aushalten, dass das Ergebnis womöglich nicht exakt Ihren Vorstellungen entspricht.

Beruf und Privatleben trennen
Setzen Sie das Verständnis Ihrer Kollegen und Kolleginnen nicht einfach voraus, sondern versetzen Sie sich auch in deren Situation. Im Büro sind Sie Arbeitskraft – und nicht Mutter. Nehmen Sie also Ihre private Situation nicht mit ins Büro und argumentieren Sie nicht ständig mit Ihren Kindern. Auch hilfsbereiten kinderlosen Kollegen geht das irgendwann auf die Nerven – und wenn Sie dann wirklich mal dringend Unterstützung brauchen, nimmt Sie keiner mehr ernst.

In manchen Unternehmen ist es möglich, einen Teil der Arbeit von zu Hause aus zu erledigen. Das kann ein Vorteil sein – muss es aber nicht. Denn es ist zu Hause oft schwer, Privates und Berufliches zu trennen. In diesem Fall sollten Sie feste Regeln vereinbaren: Wenn die Tür zum Arbeitszimmer zu ist, kommt keiner rein, es sei denn, das Haus brennt ab. Im Arbeitszimmer wird nicht gespielt; der Schreibtisch ist tabu.
Kinder lassen die Finger vom Geschäftstelefon. Der PC ist keine Spielkonsole.

Sie haben nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte
Elternzeit: Berufstätige Mütter und Väter – auch Teilzeitbeschäftigte – haben pro Kind Anspruch auf eine dreijährige Elternzeit, die sie auch untereinander aufteilen können. Das dritte Jahr kann bis zum achten Geburtstag, also zum Beispiel während des ersten Schuljahres, genommen werden.

Teilzeit: Arbeitnehmer, deren Arbeitsverhältnis bereits länger als sechs Monate besteht und deren Arbeitgeber in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigt, haben einen Anspruch auf Teilzeit. Der Arbeitnehmer muss seinen Wunsch drei Monate vorher anmelden. Der Arbeitgeber kann die Verringerung der Arbeitszeit allerdings aus wichtigen betrieblichen Gründen ablehnen.
Wenn das Kind krank wird: Berufstätige Mütter und Väter, die gesetzlich krankenversichert sind, haben zur Pflege eines kranken Kindes unter zwölf Jahren Anspruch auf Freistellung von der Arbeit. Bei Eltern sind es pro Jahr, Kind und Elternteil 10 Tage – bei mehreren Kindern maximal 25 Tage je Elternteil. Alleinerziehenden stehen pro Jahr und Kind 20 Tage zu – bei mehreren Kindern sind es maximal 50 Tage.

Wenn Sie Ihr krankes Kind nicht selbst betreuen können, weil Sie zum Beispiel keine Urlaubs- bzw. Freistellungstage mehr haben oder weil eine Betreuung durch eine Fachkraft notwendig ist, gibt es die Möglichkeit der häuslichen Kinderkrankenpflege (HKK), die vom Kinderarzt verordnet wird. In bestimmten Fällen werden die Kosten übernommen – erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse.