Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg meldeten sich so viele Bürger bei
den deutschen Behörden ab wie im vergangenen Jahr. Inzwischen kehren
sogar erheblich mehr ihrer Heimat den Rücken, als Menschen aus anderen
Ländern zu uns kommen. Kein Wunder: Auslandsaufenthalte bringen nicht
nur neuen Schwung ins Leben, sondern sind auch karrierefördernd –
insbesondere, wenn man hierzulande keine beruflichen Perspektiven mehr
sieht.
In vielen Ländern werden händeringend Mitarbeiter gesucht. Doch wo hat
man denn nun die besten Chancen auf einen guten Job? Das kommt drauf
an... Diese Antwort ist zwar nicht unbedingt befriedigend – aber die
einzig richtige. Denn in jedem Land sieht die Situation anders aus.
Wichtig ist auf jeden Fall, dass man sich nicht von vorneherein auf sein
Traumland versteift, sondern zuerst recherchiert, wo man mit seiner
Ausbildung und seinen Qualifikationen die besten Chancen hat – und sich
dann für ein Ziel entscheidet.
In den USA zum Beispiel sind die Restriktionen immer noch sehr hoch. Wer
nicht von seinem Arbeitgeber dorthin entsendet wird, hat praktisch keine
Chance auf eine Arbeitserlaubnis. Anders in Europa: Hier gilt das Recht
der Freizügigkeit, das besagt, dass jeder EU-Bürger in jedem EU-Land zu
denselben Bedingungen arbeiten kann wie die Einheimischen – mit Ausnahme
der seit 2004 zwölf neu hinzugekommenen Mitgliedsstaaten. Für diese
gelten unterschiedliche Einschränkungen.
Die beliebtesten Auswanderungsländer sind derzeit das deutsprachige
Ausland – also die Schweiz und Österreich – sowie die Niederlande und
mit einigem Abstand Skandinavien, Großbritannien und Irland.
Welche Arbeitnehmer gesucht werden, unterscheidet sich je nach dem Land
der Wahl. Europaweit sind fast immer neben Beschäftigten im Hotel- und
Gaststättengewerbe vor allem Handwerker gefragt. Auch Ärzte und
Pflegepersonal werden so gut wie überall gesucht. Gute Chancen haben
zudem Erzieherinnen und Kaufleute – ebenso wie gut ausgebildete
Führungskräfte. In Urlaubsländern wie Spanien oder Griechenland besteht
außerdem Nachfrage nach Animateuren oder Reiseleitern – allerdings
natürlich nur in den Sommermonaten.
Wer sucht, der findetWenn Sie wissen möchten, wo Ihre
Qualifikationen gefragt sind, geben Sie am besten in einem
internationalen Online-Stellenmarkt Ihr Berufsbild ein – das Ergebnis
verschafft Ihnen einen ersten Überblick. Leider gibt es oft bei der
Übersetzung der Berufsbezeichnungen Probleme. Auch hier hilft die
Recherche in internationalen Stellenmärkten.
Eine derartige Online-Stellenbörse bietet zum Beispiel die
internationale
Personalagentur der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung. Wenn Sie
Ihre Suche auf Europa begrenzen, kann Ihnen außerdem
EURES weiterhelfen, ein Kooperationsnetz der EU-Kommission, das die
Mobilität von Arbeitnehmern fördern soll. Hier gibt’s allgemeine
Informationen zur Abwanderung, zu Lebensbedingungen im Ausland wie zum
Beispiel Kultur, Preise, Steuern oder das Schulsystem sowie zu
Arbeitsbedingungen oder Einstellungspraktiken – und ein europaweites
Stellenportal.
Sehr ergiebig ist außerdem das Forum
„Out of Germany“, eine private Initiative, die unter anderem
umfangreiche Informationen zu einzelnen Ländern sowie Erfahrungsberichte
liefert. Diese Beispiele sind nur drei von vielen. Wer ein bisschen im
Internet recherchiert, wird eher zu viele, als zu wenig Informationen
finden.
Und tschüß? Mut braucht es auf jeden Fall, hier
seine Zelte abzubrechen. Schließlich ist es nicht einfach, in einem
fremden Land neu anzufangen – ganz ohne persönliches Umfeld. Doch man
sollte auch nicht zu mutig sein und unbedarft einfach dem alten Traum
vom Tellerwäscher zum Millionär nachschwärmen, nach dem Motto: Erst mal
weg und dann ergibt sich schon was. Eine wichtige Grundvoraussetzung ist
die Sprache. Wer einen qualifizierten Job ergattern und sich wirklich in
der neuen Heimat einleben möchte, muss neben Englisch die Sprache des
Landes beherrschen – zumindest einigermaßen. Und wer nicht gerade auf
eine Erbschaft zurückgreifen kann, die ihn mehrere Monate über Wasser
hält, sollte erst dann einen Möbelwagen bestellen, wenn der neue
Arbeitsvertrag im Land der Träume unterschrieben ist.
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