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Ausbilden im Verbund

 

Auszubilden ist kein uneigennütziger Akt der Nächstenliebe. Im Gegenteil: Zukunftsorientierte Unternehmen überlassen die Ausbildung gut qualifizierten Nachwuchses ungern anderen. Schließlich kann man nur durch die Ausbildung im eigenen Haus steuern, was die zukünftigen Fachkräfte lernen – nämlich genau das, worauf es im eigenen Unternehmen ankommt.

Trotzdem scheuen viele Unternehmen vor der Einstellung von Auszubildenden zurück – nicht unbedingt wegen der Kosten, denn ein Lehrling ist ja eigentlich gar nicht so teuer. Wohl aber wegen des Zeitaufwands – Auszubildende brauchen Ansprechpartner, die präsent sind und Zeit für sie haben. Oder sie befürchten, dass sie ihren Auszubildenden nicht umfassend genug ausbilden können, weil das Unternehmen entweder zu klein und/oder zu einseitig spezialisiert ist.

Eine gute Ausbildung sichert aber nicht nur die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts, sondern entscheidet insbesondere über die Zukunftsperspektive der Jugendlichen. Und deshalb ist es sehr schade um jeden Ausbildungsplatz, der nicht eingerichtet wird, obwohl die Verantwortlichen im Unternehmen im Grunde eigentlich bereit dazu wären. Doch wie kann man dieses Dilemma lösen? Durch eine Ausbildung im Verbund, bei sich mehrere Unternehmen einen Auszubildenden „teilen“, indem sie ihn gemeinsam ausbilden. Hier gibt es verschiedene Modelle:
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Auftragsausbildung
Bei diesem Modell besuchen die Azubis Ergänzungslehrgänge in überbetrieblichen Ausbildungsstätten, in denen ihnen all die Inhalte vermittelt werden, die ihr Ausbildungsbetrieb aufgrund seiner Größe oder Spezialisierung nicht selbst vermitteln kann. Die Auftragsausbildung ist insbesondere im Handwerk weit verbreitet.

Konsortium
Zwei oder mehrere Unternehmen – idealerweise mit unterschiedlicher Ausrichtung – schließen sich zusammen. Der Auszubildende oder die Auszubildenden wechseln in definierten Intervallen von Betrieb zu Betrieb. Die Vorteile: Der Auszubildende lernt schon während seiner Lehre verschiedene Unternehmen kennen und muss mit unterschiedlichen Arbeitsabläufen, Technologien und nicht zuletzt Unternehmensphilosophien zurechtkommen. Die Betriebe wiederum können ihren Bedarf flexibel abdecken – und gegebenenfalls hervorragend ausgebildete, flexible Absolventen übernehmen, die bereits gut eingearbeitet sind.

Möglich ist auch die Ausbildung im Tandem: Hier gibt es zwei Unternehmen und zwei Ausbildende, die regelmäßig die Plätze tauschen. Dieses Modell ist insbesondere dann sinnvoll, wenn die beteiligten Unternehmen unterschiedlich ausgerichtet sind und sich gegenseitig ergänzen. (Groß und klein, Produktion und Dienstleistung, Kommune und Wirtschaftsunternehmen, um nur drei Beispiele zu nennen.)

In strukturschwachen Regionen kann sogar die Bildung eines größeren Ausbildungsverbunds von Vorteil sein: Wer Jugendlichen anbieten kann, dass sie während ihrer Ausbildung mehrere Unternehmen durchlaufen und breit qualifiziert werden, kann sie womöglich davon abhalten, in die nächste Großstadt abzuwandern und somit der Region Fachkräfte erhalten.
Leitbetrieb mit Partner(n)
Wer noch nie ausgebildet hat, kann es mit diesem Modell leicht lernen: Ein Leitbetrieb kümmert sich um die gesamte Bürokratie und übernimmt auch rechtlich die Verantwortung. Der oder die Partner betreuen den Azubi jeweils im Wechsel. So kann die Ausbildung breiter angelegt werden – in Großbetrieben werden zum Beispiel vielleicht manche handwerklichen Techniken gar nicht mehr angewandt, während in Kleinbetrieben manche Abläufe gar nicht oder zu selten anfallen, als dass sie einem Auszubildenden wirklich verlässlich vermittelt werden könnten. Im Großbetrieb lernt der Azubi, wie die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen und verschiedenen Managementebenen organisiert werden kann. Im Kleinbetrieb sieht der Azubi, was unternehmerische Denke ausmacht, wie der Chef nach innen und außen auftritt – und wie man direkt mit ihm zusammenarbeitet.

Zuschüsse
Erkundigen Sie sich beim Wirtschaftsministerium Ihres Bundeslandes, der IHK, Handwerkskammer oder einem Unternehmensverband: Die Ausbildung im Verbund kann staatlich gefördert werden, zum Beispiel wenn Ihr Betrieb ausbilden will, aber nicht alle vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte vermitteln kann. Außerdem gibt es Zuschüsse für Lehrstellen, die von Jugendlichen besetzt werden, die seit Langem einen Ausbildungsplatz suchen, oder für Jugendliche, die ihre Lehrstelle verloren haben, weil ihr Ausbildungsbetrieb zum Beispiel in die Insolvenz ging.

Organisation
Oft fürchten Unternehmen, eine Ausbildung im Verbund ginge mit einem hohen bürokratischen Aufwand einher. In der Praxis erweist sich aber immer wieder, dass das Gegenteil der Fall ist: Betriebe können sich die Organisation teilen und sich bei Problemen und Fragen gegenseitig helfen.

Auch die Gefahr, dass Betriebsgeheimnisse ausgeplaudert werden, ist in der Realität kaum gegeben. Azubis haben in der Regel keinen Zugang zu wirklich wichtigen vertraulichen Betriebsinterna. Außerdem: In der Berufsschule stehen Auszubildende verschiedener Unternehmen ohnehin in Kontakt. Wer den Mund nicht halten kann, kann auch hier dem Kumpel erzählen, was im Betrieb gerade so vor sich geht.

Voraussetzung dafür, dass die Ausbildung im Verbund wirklich funktioniert, ist allerdings, dass die beteiligten Unternehmen zuverlässig sind und vertrauensvoll zusammenarbeiten können. Schließlich muss man sich gemeinsam auf die Azubi-Suche machen und sich auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin einigen. Anschließend muss ein gemeinsamer Ausbildungs- und Terminplan erstellt werden. Und schließlich muss man sich einigen, wer welche organisatorischen Aufgaben übernimmt (Gehaltsabrechnung, Krankmeldungen, Urlaubsantrag, Wochenarbeitszeit etc.).

Stand: Januar 2010
Bild: aboutpixel.de / Hausbau 4 © Sven Schneider