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Auf Geschäftsreise ausspioniert

 

Geschäftsreisen gehören in unserer globalisierten Welt inzwischen zum Alltag. Und so verschwendet kaum jemand einen Gedanken daran, dass damit auch Gefahren verbunden sein können – es sei denn, er muss in ein bekanntermaßen unsicheres Land reisen, wie zum Beispiel den Irak. Dabei empfiehlt es sich durchaus, einmal innezuhalten und über sein Verhalten im „normalen“ Ausland nachzudenken.

Einer Umfrage zufolge nimmt Wirtschaftsspionage jährlich um durchschnittlich zehn Prozent zu. Wer das nicht im Kopf hat, kann sein Unternehmen gefährden. Besonders auf Reisen. Oft wird es den Ausspähern sehr einfach gemacht, an wichtige Unterlagen zu kommen:

Auf eine wichtige Präsentation folgt die Kaffeepause – der Laptop bleibt im Konferenzraum. Das Verhandlungsangebot geht an eine Übersetzerin vor Ort, die man nicht kennt. Vor der Abreise fliegen alle ausgedruckten Dokumente einfach in den Papierkorb des Hotelzimmers. Das sind nur drei Beispiele, die illustrieren, wie einfach es Spione oft haben, an vertrauliche Unterlagen zu kommen. Weil Mitarbeiter gar nicht daran denken oder unterschätzen, wie interessant diese Unterlagen für die Konkurrenz sind.

Worauf sollte man also achten? Wie kann man sein Unternehmen schützen?

Regel 1: Sich nicht angreifbar machen
Zuallererst: Spionage funktioniert nicht nur heimlich, sondern auch über Erpressung oder Geiselnahme. Deshalb ist es wichtig, sich mit den Gebräuchen und Gesetzen des fremden Landes vertraut zu machen – und sie auf jeden Fall einzuhalten. Denn was bei uns als kleine Schummelei oder Kavaliersdelikt durchgehen mag, kann vor allem im außereuropäischen Ausland dramatische Folgen haben.

Selbst wenn Sie sich unbeobachtet fühlen – zum Beispiel im Hotelzimmer – sollten Sie sich so verhalten, dass Sie unangreifbar bleiben. Denn es kann leider sein, dass Sie nicht unbeobachtet sind.
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Regel 2: Prüfen, mit wem man sich bindet
Ist Ihr ausländischer Verhandlungspartner wirklich vertrauenswürdig? Versuchen Sie, im Vorfeld Informationen über ihn einzuholen. Und: Ist es wirklich sinnvoll, wenn Sie ihn sowohl das Hotel als auch einen persönlichen Fahrer und den Dolmetscher buchen lassen? Lassen Sie niemals das Heft völlig aus der Hand nehmen.

Regel 3: Schweigen ist Gold
Sprechen Sie nie mit Fremden über den genauen Sinn und Zweck Ihrer Geschäftsreise – auch nicht nach dem zweiten Cocktail in der Hotelbar. Lassen Sie sich nie durch außergewöhnliche Fragen oder unverhoffte Kontakte mit vermeintlich wichtigen Personen dazu verführen, mehr aus dem Nähkästchen zu plaudern, als Sie eigentlich wollten. Verkneifen Sie es sich, mit den neuesten Entwicklungen Ihres Unternehmens zu prahlen.

Seien Sie nicht zu vertrauensselig: Ist es wirklich die Sekretärin des Geschäftspartners, die Sie da anruft? Und warum stellt sie so viele merkwürdige Fragen? Ist es der Auftrag tatsächlich wert, dass Sie derart viele Interna preisgeben? Muss der neue Kunde wirklich über die kleinsten technischen Details oder die Abläufe in Ihrem Unternehmen Bescheid wissen?

Regel 4: Nichts herumliegen lassen
Lassen Sie wichtige Firmenunterlagen nie unbeaufsichtigt – weder im Hotelzimmer, noch im Tagungs- oder in einem Büroraum. Denn sonst kann sich jemand zum Beispiel per USB-Stick große Datenmengen ganz einfach und in Windeseile herunterziehen, ohne dass Sie es überhaupt bemerken. Oder der Laptop ist nicht mehr da, wenn Sie wieder zurückkommen...

Speichern Sie auf Ihrem Laptop sicherheitshalber nur die Daten, die Sie auf Ihrer Geschäftsreise wirklich brauchen, Verzichten Sie darauf, sämtliche Vorgänge der letzten Jahre mitzunehmen, nur weil es so praktisch ist, auf alles zugreifen zu können.

Lassen Sie auch Ihr Handy nicht einfach herumliegen. Manipulierte Handys werden zum Mikrofon!

Regel 5: Nichts aus der Hand geben
Sie geben den Vertragstext an der Hotelrezeption ab und bitten darum, ihn für Sie zu kopieren oder nach Hause zu faxen. Die vorhergehenden Entwürfe werfen Sie einfach in den Papierkorb. So nicht! Geben Sie nichts ohne Bedacht aus der Hand!
Regel 6: Vorsicht bei Geschenken
Sie haben keinen USB-Stick zur Hand – und bekommen netterweise gleich einen geschenkt? Vorsicht: Über USB-Sticks können Trojaner eingeschleust werden, und Fremde können sich Zugang zu Ihren Daten verschaffen.

Regel 7: Augen auf im Datenverkehr
Nutzen Sie nur gesicherte Kommunikationswege. Vorsicht bei WLAN-Netzen. Loggen Sie sich nicht einfach mir nichts dir nichts vom Hotelzimmer aus ins Intranet Ihres Unternehmens ein. Wenn diese Datenleitung nicht sicher ist, machen Sie damit gleichzeitig ganz weit die Tore zu Ihrem Unternehmen auf...

Regel 8: Verschlüsseln
Setzen Sie auf Passwörter, Verschlüsselungssoftware und Virenschutzprogramme. Richten Sie einen Kopierschutz ein, damit Daten beim Übertragen verschlüsselt werden. Auch auf Ihrem Laptop!

Regel 9: Mitarbeiter schulen
Achten Sie mal darauf, was im ICE, in Restaurants oder abends an Hotelbars so alles besprochen wird. Da wird unter Kollegen nochmal kurz die Verhandlungslinie diskutiert. Da wird über alles geklagt, was im Unternehmen nicht gut läuft – und das eine oder andere Problem lautstark auch gleich übers Handy gelöst. Jeder kann mithören. Und das scheint niemanden zu stören.

Diese Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, dass alle Mitarbeiter im Hinblick auf das Thema Betriebsspionage sensibilisiert werden. Nur eine kurze Passage im Arbeitsvertrag zur Schweigepflicht reicht nicht. Oft wird völlig unterschätzt, was für die Konkurrenz alles interessant sein kann. Nur wer weiß, was geheim ist, kann die Geheimnisse hüten.

Regel 10: Ein gesundes Misstrauen pflegen
Das ist doch alles übertrieben, meinen Sie? Und grenzt an Paranoia? Wenn Sie sich da bloß nicht täuschen! Natürlich sollte man keinen Verfolgungswahn entwickeln. Wer aber in einem Unternehmen arbeitet, das auf Wettbewerbsvorteile setzt, die es nicht einfach aufgeben will, sollte sich entsprechend kontrolliert verhalten. Denn die Zahlen sind erschreckend: Laut einer Studie aus dem Jahr 2007 ist bereits jedes fünfte deutsche Unternehmen Opfer von Industriespionage geworden. Tendenz steigend!

Bildquelle: aboutpixel.de © Kellermeister