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Alkoholprobleme

 

Alkohol ist eine „versteckte“ Droge, weil ihr maßvoller Konsum nicht nur toleriert wird, sondern geradezu zum guten Ton gehört. Was wäre ein gemütlicher Abend ohne ein Glas Wein, ein Richtfest ohne Bier oder eine Silvesterparty ohne Sekt? Man wird in unserer Gesellschaft nicht schief angesehen, wenn man Alkohol trinkt – sondern eher zum Außenseiter, wenn man Alkohol prinzipiell ablehnt.

Was aber, wenn der Genuss zur Sucht wird? Alkoholismus ist eine chronische, oft tödliche Krankheit, die ohne Hilfe kaum besiegt werden kann. Wie jedoch erkennt man, ob jemand den Alkoholkonsum nicht mehr im Griff hat? Und wie kann und soll man dann eingreifen?

Wenn der Genuss zur Sucht wird
Alkoholkranke Kolleginnen und Kollegen müssen nicht unbedingt während der Arbeit trinken oder betrunken im Büro erscheinen. Trotzdem gibt es zahlreiche Signale, die auf eine Sucht hinweisen.

Als ziemlich deutlichen Hinweis sollten Sie es werten, wenn ein Kollege oder eine Kollegin morgens regelmäßig eine „Fahne“ hat. Außerdem kann ein Warnsignal sein, wenn jemand häufig zu spät kommt oder immer wieder einzelne Tage krank ist. Auch Unzuverlässigkeit, Reizbarkeit, Vergesslichkeit oder schwankende Leistungen können auf eine Alkoholsucht hindeuten.

Wenn Sie diese Symptome bei einer Kollegin oder einem Kollegen feststellen, sollten Sie ihn oder sie einfühlsam darauf ansprechen. Am besten, wenn ein aktueller Anlass besteht – auf keinen Fall aber, wenn er oder sie offensichtlich betrunken ist! Machen Sie deutlich, dass Sie sich Sorgen machen und bieten Sie Hilfe an. Schauen Sie nach vorne: Diskussionen über die Ursachen oder die Menge des Alkoholkonsums sind müßig, vor allem, weil Alkoholiker ihr Problem meistens nicht zugeben, sondern abwiegeln. Stellen Sie stattdessen die Vermittlung professioneller Hilfe – der Kontakt zu einer Suchtberatungsstelle oder einer Suchtklinik – in den Vordergrund. Zeigen Sie dem Abhängigen, dass Sie ihn nicht ausgrenzen, sondern im Kampf gegen die Sucht unterstützen.
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Klar, dass die Alkoholabhängigkeit eines Kollegen die ganze Abteilung belastet, weil andere immer wieder für ihn einspringen müssen. Trotzdem sollten Sie diskriminierende oder abfällige Äußerungen vermeiden. Denken Sie daran: Alkoholismus ist keine schlechte Angewohnheit, sondern eine Krankheit. Es ist deshalb höchst unfair und wird der Tragweite des Falls nicht gerecht, den Betroffenen dem Spott der ganzen Abteilung auszusetzen. Machen Sie deshalb nicht mit, wenn andere sich über ihn lustig machen, sondern versuchen Sie, das Gespräch auf eine ernste Basis zu lenken.

Nehmen Sie selbst Hilfe in Anspruch
Sie müssen das Problem nicht alleine lösen – das können Sie auch gar nicht. Bitten Sie weitere Personen um Hilfe. Es hat nichts mit Denunziation zu tun, wenn Sie mit dem Betriebsrat oder Ihrem Vorgesetzten sprechen – zumal er es ist, der zur Verantwortung gezogen werden kann, wenn ein alkoholbedingter Unfall passiert.

Ihr Chef hat im Übrigen ganz andere Handlungsmöglichkeiten. Er kann mit dem Betroffenen klare Absprachen treffen oder einen sogenannten „konstruktiven Leistungsdruck“ erzeugen, indem er ihm beispielsweise zur Auflage macht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, oder ein ärztliches Attest ab dem ersten Krankheitstag einfordert.

Co-Abhängigkeit
Co-abhängig zu sein heißt, in überzogener Weise Verantwortung für den Abhängigen zu übernehmen. Co-Abhängige zeigen teilweise die gleichen Symptome wie die Süchtigen selbst: Sie sind sich ihres Problems nicht bewusst, rechtfertigen ihr Verhalten und sehen nicht ein, dass sie Hilfe benötigen.

Am Arbeitsplatz bedeutet dies: Arbeiten des Abhängigen erledigen, weil dieser dazu nicht in der Lage ist. Vertuschen, dass er zu spät kommt. Einen weiteren Fehltag mit dem Kommentar: „Er war gestern schon so verschnupft“ entschuldigen. Seinen Schreibtisch auf Alkoholika durchsuchen.
Sie lassen Ihren Kollegen oder Ihre Kollegin nicht ins offene Messer laufen, wenn Sie all dies nicht tun. Machen Sie sich klar, dass Sie den Verlauf der Krankheit im schlimmsten Fall noch fördern, wenn Sie ihn oder sie decken. Denn so lange alles unter dem Teppich bleibt und keine Konsequenzen hat, kann er oder sie immer weiter machen und sieht keinen Grund, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Informieren Sie sich bei Suchtberatungsstellen, wie Sie am besten mit dem Problem umgehen sollen. Versuchen Sie zu helfen – aber auch wenn Sie den Betroffenen noch so sehr mögen: Überlegen Sie sich, wo Ihre Grenzen sind und ab wann die Situation für Sie untragbar wird. Schreiben Sie das am besten auf, damit Sie Ihr „Stop“-Schild nicht immer weiter nach hinten versetzen können, je weiter Sie mit hinein gezogen werden!